Mit Hilfe verschiedener kreativer Elemente wird gemeinsam an der Zukunft „gebastelt“. Die Teilnehmer*innen werden ermutigt, eigene Entwürfe für die eigene Zukunft zu entwickeln.

Die gute Planung verkürzt den Weg zum Ziel

Die sorgfältige Vorbereitung einer Zukunftswerkstatt bildet die Voraussetzung für den erfolgreichen Verlauf. So sollten Fragen nach der Dauer der Veranstaltung, den wichtigsten Fragestellungen zum Thema, der Leitung durch externe Moderator*innen und der Öffentlichkeitsarbeit zur Zukunftswerkstatt schon vor der Veranstaltung geklärt werden. Auch die Anzahl der Teilnehmer*innen muss gut durchdacht werden. In der Regel variiert die Gruppengröße zwischen 10 und 30 Personen.

Die Ergebnisse von Zukunftswerkstätten sind umso befriedigender, je konkreter die Ziele formuliert werden und je klarer die Handlungsmöglichkeiten und Verantwortungsbereiche der einzelnen Teilnehmer*innen definiert sind.

Bevor die eigentliche Zukunftswerkstatt beginnt, möchten sich die Teilnehmer*innen gerne orientieren, Zeit haben um miteinander ins Gespräch zu kommen und einen Überblick über den Ablauf der kommenden Stunden (Tage) erhalten. Zwei Moderator*innen sollten den gesamten Prozess betreuen. Sie können als Orientierung damit beginnen, kurz das Thema zu umreißen. Es sollte auch besprochen werden, wer am Prozess beteiligt sein wird.

Die Kritikphase – was stört uns eigentlich?

In dieser ersten Phase werden positive und negative Kritiken im Rahmen einer vorliegenden Problem- oder Fragestellung gesammelt. Dafür erhalten die Teilnehmer*innen Kärtchen, auf denen sie ihre Meinung in Stichworten aufschreiben. Die Kärtchen werden nach positiver und negativer Kritik getrennt auf einer Pinnwand sichtbar gemacht und am Schluss durch eine Punktebewertung eingegrenzt. Dabei erhält jede teilnehmende Person drei farbige Klebepunkte, mit denen sie die Kritikpunkte markiert, die ihr am wichtigsten erscheinen. Auf die Themen mit den meisten Punkten wird in den folgenden zwei Phasen gezielt eingegangen.

Wichtig in dieser Phase ist es, dass es einen fairen Umgang mit der Meinung aller Beteiligten gibt. Das Aufstellen einiger Kritikregeln hat sich sehr bewährt:

  • Kritik soll an die Sache gerichtet sein und sich nicht an Einzelpersonen – im Sinne einer Schuldzuweisung – wenden (Wertschätzungsregel)
  • Beiträge sollten kurz gehalten werden, damit alle drankommen (30-Sekunden-Regel)
  • Kritikpunkte werden gesammelt ohne Meinungen auszuschließen oder Probleme gleich zu analysieren (Brainstormregel)

Vor Beginn der nächsten Phase sollte eine lange Pause (noch besser wäre eine Nacht zum Überschlafen) eingeplant werden.

Die Fantasiephase – wie hätten wir es denn gerne?

Das ist die lustvollste Phase in der Zukunftswerkstatt, weil erstrebenswerte Lösungen, Wünsche, Hoffnungen und Utopien einfach erträumt werden können. Diese Phase ist aber auch der für das Ergebnis wichtigste Teil der Werkstatt und gleichzeitig der schwierigste, denn selbst Kinder und Jugendliche tun sich schwer, verückte Ideen auszusprechen, weil sie Angst haben, nicht ernst genommen zu werden.

Entsprechende Lockerungsspiele können helfen, den Konkurenzdruck zu nehmen. Ein Beispiel: Beim „e-mail aus der Zukunft“ denken sich die Teilnehmer*innen in die Zukunft und überlegen sich genau, wie die Menschen in ihrer erträumten Zukunft leben werden. Die Moderator*innen laden die Teilnehmer*innen dazu ein, sich in Menschen dieser Zeit zu versetzen. Die Teilnehmer*innen schreiben nun mit ihrer „neuen Identität“ ein e-mail an sich selbst und erzählen, wie ihr Leben so verläuft. Dabei sollen natürlich die Themen der Werkstatt im Vordergrund stehen. In den e-mails können die Teilnehmer*innen ihre positiven Visionen aufzeigen, wobei die Hemmschwelle durch die so aufgebaute Distanz leichter überwunden werden kann.

Die Teilnehmer*innen können aber auch andere Wege gehen, in dem sie beispielsweise in Kleingruppen Kurzstücke ausarbeiten und szenisch die zukünftige Entwicklung in den angesprochenen Bereichen darstellen.

Die Umsetzungsphase – wie setzten wir unsere Erwartungen um?

In dieser Phase werden aus dem vorher zusammengestellten Ideen-Pool jene Visionen herausgegriffen, welche nach Einschätzung der Teilnehmer*innen am besten geeignet sind, in die Realität umgesetzt zu werden. Dies wird demokratisch entschieden. Aus den ausgewählten Ideen werden in Kleingruppen Projektskizzen erstellt, in denen den Fragen nachgegangen wird: Wer macht wann was mit welchen Mitteln? Aus der Summe der Kleingruppenarbeiten sollte schlussendlich im Plenum mit allen Beteiligten ein Aktionsplan erstellt werden, der schriftlich festgehalten und der Schulleitung vorgelegt werden kann.

Am Ende einer Zukunftswerkstatt steht eine Feedback-Runde, in der alle Teilnehmer*innen kurz ansprechen, mit welchen Gefühlen sie die Zukunftswerkstatt verlassen werden. Auf eine Abschlussfeier mit einem Abschlussfoto sollte natürlich nicht vergessen werden.

Die Zukunftswerkstatt — eine Methode stößt an ihre Grenzen

Zukunftswerkstätten sind stark konsensorientiert — die gefassten Beschlüsse stellen den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen den Teilnehmer*innen dar. Es besteht die Gefahr, dass Konflikte und strittige Fragen umgangen werden. Zukunftswerkstätten können keine Grundsatzkonflikte zum Thema nachhaltige Entwicklung lösen.

Quellen

Jungk, R./Müller N.
Zukunftswerkstätten
Mit Phantasie gegen Routine und Resignation.
Heyne, München

Albers, O., Broux, A.
Zukunftswerkstatt und Szenariotechnik
Ein Methodenhandbuch für Schule und Hochschule.
Beltzverlag, Weinheim und Basel

Nachhaltige Entwicklung – gemeinsam unsere Lebensqualität verbessern. Modul Schulen.
FORUM Umweltbildung