Das Lerntagebuch dient einerseits der Selbstreflexion der Lernenden, kann aber auch zur Beobachtung des Lernprozesses oder als Rückmeldemöglichkeit der Lehrenden herangezogen werden. Das Führen eines Lerntagebuches fördert den Lernprozess. Es erhöht die mittel- und langfristigen Behaltensleistungen und lässt sich ohne großen Aufwand in den alltäglichen Unterricht einbeziehen.

Ein Lerntagebuch ist ein Heft, in dem Ergebnisse, Lernfortschritte, Probleme, Beobachtungen, Gefühle oder Gedanken bezüglich des Unterrichts von den Lernenden festgehalten werden. Ob sich diese Einträge auf einen Unterrichtsabschnitt, ein Semester oder auf ein ganzes Jahr beziehen, wird zu Beginn von der Lehrperson gemeinsam mit den Schüler*innen ebenso definiert wie Besonderheiten bezüglich Größe, Format oder Gestaltung des Tagebuches sowie die Form des Eintrages.

Die Reflexion steht im Vordergrund

Die Besonderheit liegt darin, dass die persönlichen Erkenntnisse, der Zuwachs an Wissen und die Lernerfahrungen verschriftlicht werden, was zu einer tieferen Verarbeitung führt als das reine Lesen oder Zuhören. Ein Lerntagebuch trägt auch dazu bei, dass die Lernenden ihr eigenes Arbeitsverhalten besser verstehen und dadurch neue Lernstrategien entwickeln können. Die Verantwortungsübernahme für den eigenen Lernprozess wird gefördert, denn indem die Lernenden sich selbst gegenüber „Rechenschaft“ ablegen, übernehmen sie automatisch Verantwortung für die eigene Informationsaufnahme und definieren ihre eigenen Lernziele — so wird gleichzeitig die Lernmotivation unterstützt.

Das Lerntagebuch bezogen auf einen Unterrichtsabschnitt hat sich insofern sehr bewährt, als es sowohl von den Lehrer*innen als auch von den Schüler*innen in den täglichen Arbeitsprozess integriert werden kann. Schüler*innen sind angehalten, ihren Lernprozess in regelmäßigen Abständen zu reflektieren und setzen sich so in viel intensiverem Ausmaß mit dem Lernstoff auseinander. Sie erkennen Probleme viel eher und haben so die Möglichkeit rechtzeitig – und nicht erst kurz vor der Schularbeit – Lösungsstrategien zu entwickeln. Durch das regelmäßige Kontrollieren der Lerntagebücher wiederum haben Lehrer*innen die Möglichkeit zu reagieren, wenn Verständnisschwierigkeiten gehäuft auftreten. Die Lerntagebücher werden so direkt in die Vorbereitung der folgenden Unterrichtseinheiten einbezogen.

Für jede Altersstufe geeignet

Mit Lerntagebüchern kann in allen Altersstufen gearbeitet werden. Maßgeblich für den Erfolg eines Lerntagebuchs ist dabei eine sinnvolle und gute Vorstrukturierung durch die Lehrperson. Anleitung und Vorgaben sind in der Anfangsphase — wenn diese Methode noch nicht so vertraut ist — strikter als bei geübteren Lerntagebuchautor*innen. Eine Vorstrukturierung kann verschiedene Formen aufweisen: Fragen, die beantwortet werden, Satzanfänge, die vervollständigt werden, Tabellen, in die die wesentlichen Aspekte eingetragen werden usw.

Hier eine kleine Auswahl:

  • Was habe ich/haben wir gemacht?
  • Wie bin ich/sind wir dabei vorangegangen?
  • Was habe ich/haben wir dabei erfahren und gelernt?
  • Was war heute wichtig für mich?
  • Was davon kann ich getrost vergessen?
  • Für mich war heute sehr hilfreich, dass …
  • Es wäre heute wichtig gewesen, wenn …
  • Ich war froh, dass
Lerntagebuch: Nutzen für Lernende Lerntagebuch: Nutzen für Lehrende
Bewusstwerden der eigenen Lernwege und Hindernisse des Lernens Rückmeldung der individuellen Verstehensprozesse und Lernwege
Selbstkontrolle der Arbeit und des Lernerfolgs Hinweis auf die Zufriedenheit von Schüler*innen, auf emotionale und soziale Prozesse, die das Lernen begleiten
Anregung zur Bewertung des Unterrichts Mittel der Kontrolle der Arbeit und Leistung
Anregung Ideen zu entwickeln und zu verknüpfen Einsatz als Steuerungsinstrument für die Unterrichtsvorbereitung wie für Veränderungen oder innere Differenzierung
Leistungsnachweis Als Vorbereitung von Gesprächen mit Einzelnen, Gruppen oder der ganzen Klasse
Bericht über Aktivitäten und emotionale Stellung

Allgemeine Informationen

Moderator: nein
Finanzieller Aufwand: keiner
Technischer Aufwand: keiner


Quellen

IMST-Newsletter. Jahrgang 6, Ausgabe 21, 2007 (nicht mehr verfügbar)
Online-Tutoring Journal (nicht mehr verfügbar)
learn-line (nicht mehr verfügbar)

Winter, F.
Leistungsbewertung. Eine neue Lernkultur braucht einen anderen Umgang mit den Schülerleistungen.
Schneider Hohengehren