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Nachhaltigkeit feiern

Peter Iwaniewicz (Lebensministerium), Monica Lieschke (FORUM Umweltbildung), © FORUM Umweltbildung

Nachhaltigkeit feiern: Was gut war, was gelungen ist, was kommt - all dies wurde im Rahmen einer Abschlussveranstaltung der Vortragsreihe „Food for Thought – Vor-, Quer- und Nachdenken für Nachhaltigkeit“ des FORUM Umweltbildung am 5. Juni 2013 im ZOOM Kindermuseum diskutiert. Erfolge gehören natürlich gebührend gefeiert - bei einem Glas Wein und sommerlichen Häppchen wurde auch im Anschluss noch weiter zurück und nach vor geblickt – unter anderem auf die neue Veranstaltungsreihe FUTURE LECTURES.

„Nicht nur Defizite aufzeigen, auch mal Erfolge feiern – Nachhaltigkeit feiern!“

Mit diesen Worten eröffnete die Moderatorin und Mitbegründerin des FORUM Umweltbildung Monica Lieschke die letzte Veranstaltung des erfolgreichen After Office Formats. Zur Einstimmung bekamen die ZuseherInnen eine kurze Fotopräsentation mit zahlreichen Impressionen der vergangenen sechs Jahre Food for Thought zu sehen. Im Anschluss daran folgte eine Doppelconference von Monica Lieschke und Peter Iwaniewicz vom Lebensministerium, in der Erfolge und Herausforderungen der Veranstaltungsreihe diskutiert wurden.

„Wenn die Themen spannend sind, dann finden die Themen die Menschen“

... resümierte Monica Lieschke bei der im Laufe der Jahre immer wieder aufkommenden Frage nach der passenden Zielgruppe des bunten Veranstaltungsformats. Wer kommt? Wen interessiert das? - fragte sich auch Peter Iwaniewicz in dieser Zeit sehr oft. Vom Landschaftsplaner bis zur Künstlerin waren schlussendlich unterschiedlichste Menschen mit vielfältigen Geschichten bei den diversen Vorträgen vertreten. Wie viele Gäste tatsächlich jeweils kamen, war oft ungewiss, so platzte die Veranstaltung zum Thema "Urban Gardening" aus allen Nähten, an einem anderen Abend lauschten jedoch nur knapp 20 BesucherInnen den spannenden Vorträgen. Neben der Frage nach der Zielgruppe beschäftigte die Veranstaltungsleitung auch jene nach den richtigen Themen, die laut Peter Iwaniewicz immer wieder "im Dunst der Morgenröte auftauchten".

© FORUM Umweltbildung

„Jugendlichen die Schwellenangst vor dem großen Thema >Nachhaltig Wirtschaften< nehmen“

Weiter ging es mit einem Einblick in das Projekt „3S+ Smart Solutions for Sustainability“, in dem gemeinsam mit Jugendlichen sechs filmische Kurzporträts nachhaltiger UnternehmerInnen entstanden. Als kleinen Vorgeschmack auf die Kurzportraits, die auf der Website des FORUM Umweltbildung verfügbar sind, wurde jenes über den bekannten Schuhproduzenten Heini Staudinger vorgestellt. Darin stellten SchülerInnen dem Unternehmer Fragen zu Grundprinzipien und Problemen von nachhaltigem Wirtschaften und bekamen weiters die Gelegenheit die Produktionsstätte der Waldviertler-Schuhe zu besichtigen.
„Zukunft wagen oder UnternehmerInnengeist bei Jugendlichen stärken“
Die Filmporträts sind für Monica Lieschke jedoch nur eine Möglichkeit, um SchülerInnen einzubeziehen und für innovative nachhaltige Ideen zu begeistern. Man kann noch viel mehr machen, wie Johannes Lindner, Wirtschaftspädagoge und Social Entrepreneur, in Folge erklärte. Für ihn steht fest, dass Sustainability kein Randprogramm im Schulalltag darstellen darf, sondern sich durch alle Bereiche schulischen Lernens ziehen sollte. Als Lehrer und stellvertretender Obmann der Initiative für Teaching Entrepreneurship (ifte) ist es ihm wichtig, Jugendliche dazu zu ermutigen eigene Ideen zu entwickeln und diese zu verwirklichen. Entrepreneure sind Menschen die „coole“ Ideen haben und diese umsetzen, es muss sich dabei nicht automatisch um zukünftige UnternehmerInnen handeln. Projekte, die von Schülerinnen und Schülern mitgestaltet werden verankern sich in deren Köpfen besonders, da sie bei diesen die Möglichkeit bekommen eigeninitiativ zu arbeiten und Selbstwirksamkeit erfahren.

„Hallo! Ich war mal eine Herrenhose, hast du nicht auch so etwas im Kasten?“

Cloed Baumgartners Mode kommuniziert mit ihren KundInnen ohne erhobenen Zeigefinger. Als kreative und eigeninitiative Schülerin verhalf sie sich – zum Frust mancher ihrer Lehrpersonen – mit Stricken über eine langweilige Unterrichtstunde hinweg. Als Designerin und Unternehmerin des Modelabels MILCH ist sie von Bildungsinitiativen, wie der zuvor vorgestellten „Entrepreneurship Education“, natürlich begeistert und stellte sich gerne für das Filmporträt im Rahmen des 3S+ Projektes zur Verfügung. Die Idee durch Upcycling alter Herrenhosen neue Kleidungsstücke zu produzieren entstand aus der Notwendigkeit heraus Ressourcen zu schonen und bereits vorhandenes Material sinnvoll zu nutzen. In Johannes Lindners Augen wäre sie, ebenso wie der nächste Gast, Gerhard Zoubek vom ADAMAH BioHof, ein klassisches Beispiel für einen Social Entrepreneur.

„Er wollte aus mir einen Kapitalisten und ich aus ihm einen Anthroposophen machen“

Als weiterer Unternehmer der Filmporträt-Reihe begrüßte Monica Lieschke Gerhard Zoubek, der mit seinem Direktvertrieb von Bio-Obst und -Gemüse die Welt verändern möchte und in einem Unternehmer vor allem das Gegenteil von einem Unterlasser sieht. Mit seinem Unternehmensberater musste er sich erst zusammenraufen und ihm erklären, dass er kein Interesse daran habe, ein Kapitalist zu werden. Schließlich schafften sie gemeinsam eine Professionalisierung des Betriebs, die es ihm ermöglichte, sich wieder auf die Dinge, die ihm Freude machen, konzentrieren zu können.

„Unsere SchülerInnen sind weder brav noch angepasst“

Mit diesen Worten, stellte Herr Hackl, ebenfalls Wirtschaftspädagoge und Lehrer der im Projekt beteiligten SchülerInnen, klar, dass sie bereits jetzt intensiv eine Entrepreneurship Education an ihrer Schule, der HLUW Yspertal, umsetzen. Die zwei MaturantInnen, die ihn begleiteten und die Möglichkeit hatten, beim Filmprojekt mitzuwirken, berichteten danach über ihre positiven Erfahrungen in diesem Zusammenhang. Sehr angeregt von dem Projekt, schlossen sie eine eigene unternehmerische Tätigkeit in der Zukunft nicht aus.

Nach Beantwortung zahlreicher spannender Fragen aus dem Publikum bedankte sich Peter Iwaniewicz bei Monica Lieschke für ihr Engagement in den letzten Jahren und überreichte ihr einen sommerlichen Blumenstrauß. Eine letzte sehr interessante Veranstaltung der Food for Thought Reihe nahm bei anregender Unterhaltung, begleitet durch ein Catering des ADAMAH BioHofs, ihren Ausklang.

Corinna Gartner (FORUM Umweltbildung)

Zum Weiterschauen

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