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Orientierung am Leitbild einer Nachhaltigen Entwicklung

Foto: Shemmi pixelio.de

Ein „gutes Leben“ für alle durch Orientierung am Leitbild Nachhaltiger Entwicklung: das Herzstück der BNE. Nur mit Werten wie Solidarität, Empathie und Respekt können wir global gesehen eine hohe Lebensqualität für alle schaffen.

Wenn wir vom Leitbild einer Nachhaltigen Entwicklung als Herzstück von Bildung für nachhaltige Entwicklung sprechen, meinen wir: Gerechtigkeit hier und heute, gegenüber künftigen Generationen und überall auf der Welt im Rahmen einer Entwicklung, in der Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft in gelungener Wechselwirkung sind. Das Einbeziehen der zehn BNE-Aspekte in Bildungsangebote hilft dieses Leitbild umzusetzen.

Das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung geht davon aus, dass jeder Mensch ein Recht auf ein „gutes Leben“ hat. Im Brundtlandreport (Weltkommission für Umwelt und Entwicklung 1987), der als erstes offizielles Nachhaltigkeitsdokument gilt, wurde Nachhaltige Entwicklung so formuliert: „Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ In einer Nachhaltigen Entwicklung stehen nicht die Interessen des Individuums im Mittelpunkt, sondern das Wohlbefinden aller Menschen überall auf der Welt, jetzt und in der Zukunft. Dies ist eine Vision, auf die wir alle hinarbeiten können, die jedoch nur in vielen kleinen Schritten langsam umsetzbar ist. Die Größe des Ziels soll nicht davon abhalten, Schritte in diese Richtung zu setzen und: gemeinsam geht es (sich) viel leichter.

Was heißt ein „gutes Leben“?

Was wir unter einem „guten Leben“ verstehen, ist sehr individuell – abhängig von unserem geographischen und sozialen Lebensumfeld, je nachdem ob wir Bäuerin im Mühlviertel, Student in Innsbruck, Fabriksleiterin in Südafrika, Banker in New York oder Arbeitslose in den Suburbs von Bangkok sind. Vier Dimensionen werden im Nachhaltigkeitsdiskurs aber dennoch als wesentlich für die Qualität unseres Lebens betrachtet: Ökologie, Gesellschaft, Ökonomie und Kultur. Wie sollen diese Dimensionen im Sinne einer Nachhaltigen Entwicklung aussehen? Weiter Informationen zu: Ein gutes Leben für alle


Dimension Ökologie
Natürliche Lebensgrundlagen erhalten

Wie gehen wir mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen so um, dass sie sowohl uns, als auch Menschen an anderen Orten der Erde und nachfolgenden Generationen ein „gutes“ Leben ermöglichen? 

Als Menschen sind wir auf verschiedene natürliche Lebensgrundlagen angewiesen: Nur wenn wir saubere Luft zum Atmen, reines Wasser zum Trinken und gesunde Böden haben, die uns ernähren, können wir gut leben. Durch unsere oft ausbeuterische Wirtschaftsweise geht die Vielfalt an Pflanzen und Tieren zurück, der Klimawandel verändert unsere Lebensbedingungen maßgeblich.
   

Dimension Gesellschaft
Gelungenes Zusammenleben gestalten

Wie gestalten wir als Gesellschaft unser soziales Zusammen-leben so, dass es für möglichst viele Menschen lebenswert, also „gut“ ist?

Im Zentrum stehen dabei die Begriffe Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Beispielsweise soll der Zugang zu Bildung, Arbeit, Gesundheitsversorgung oder Nutzung natürlicher Ressourcen für alle, speziell auch für sozial schwächere Gruppen gegeben sein. Ebenso geht es um Chancengleichheit und Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen. Wesentlich für den Zusammenhalt einer Gesellschaft ist auch Mitbestimmung und das friedliche Lösen von Konflikten.
   

Dimension Ökonomie
Sozial- und umweltverträgliche Wirtschaftssysteme organisieren

Wie organisieren wir unsere Wirtschaftssysteme so, dass sie uns Menschen unterstützen und ein gutes Leben ermöglichen, und nicht umgekehrt Natur und Menschen ausbeuten?

Nachhaltiges Wirtschaften ist sowohl umweltfreundlich als auch sozial fair. Die Umweltfreundlichkeit äußert sich z.B. im sparsamen Umgang mit Ressourcen, im Einsatz umweltfreundlicher Energie (z.B. Solar, Wind…), oder in der Anwendung innovativer Technologien (z.B. cradle to cradle). Sozial faire Arbeitsbedingungen werden z.B. durch starke ArbeitnehmerInnenvertretung geschaffen. Wirtschaftlich wertvolle Tätigkeiten wie z.B. Bildung und Reproduktion werden entlohnt. Ein wichtiger Aspekt zur nachhaltigen Entwicklung unseres global orientierten Wirtschaftssystems ist der Wiederaufbau bzw. Erhalt regionaler Wirtschaftskreisläufe: Der Wegfall langer Transportwege reduziert Umweltbelastungen, Arbeitsplätze in den Regionen werden erhalten oder neu geschaffen.
 


Integratives Modell Nachhaltige Entwicklung, Beilag Bulletin umweltbildung.ch 1/2012

Die Trennung unserer Welt in unterschiedliche Dimensionen ist ein kulturell bedingtes Phänomen westlicher Gesellschaften. In der obigen Abbildung folgen wir diesem Verständnis bis zu einem gewissen Grad, da diese Trennung uns vertraut und gut verständlich ist. Es ist jedoch wesentlich zu verstehen, dass die hier dargestellten drei Dimensionen eng zusammenhängen und wechselwirken. Sie beeinflussen und bedingen einander, sind miteinander verzahnt. Oft stehen sie auch in Widerspruch zueinander: Beispielsweise können Maßnahmen sozial verträglich oder wirtschaftlich förderlich, aber umweltschädlich sein, ein Umstand, dessen Lösung eine beträchtliche Herausforderung bedeutet. Vergessen sollten wir nicht, dass nach wie vor unsere Lebensgrundlagen, von denen wir unmittelbar abhängig sind, Natur und Umwelt sind, menschliche Gesellschaften ein Teil dieser Natur sind und Wirtschaftssysteme uns als Gesellschaften dienen sollten.

Eine Dimension, die zunehmend in den Nachhaltigkeitsdiskurs aufgenommen wird betrifft die Entwicklung der drei genannten Dimensionen gleichermaßen: die kulturelle Dimension.
        

Dimension Kultur
Nachhaltige Alltagskultur entwickeln

Wie entwickeln wir Wertesysteme, die eine Änderung des Lebensstils und eine neue Definition von „gutem Leben“ im Fokus haben? Was ist uns wichtig? Wie wollen wir – persönlich und global gesehen – leben? 

Auf kultureller Ebene geht es wesentlich um die Entwicklung nachhaltiger Lebensstile. Dazu gehören: die Realisierung einer Weltanschauung, in der nicht der Mensch allein im Mittelpunkt steht, sondern sich als Teil von ökologischen und sozialen Systemen versteht; das Entwickeln und Umsetzen von Ideen mit kreativen Ausdrucksmitteln; das Anerkennen von kultureller Vielfalt als Bestandteil und Potential Nachhaltiger Entwicklung; die Aufwertung und Aktualisierung von traditionellem Wissen; ein veränderter Umgang mit Zeit, Geld und Konsumgütern im Hinblick auf regionale und globale Zusammenhänge.

Um möglichst ausgewogene Entscheidungen treffen zu können, müssen sich an den Entscheidungsfindungen möglichst viele Betroffene beteiligen können. Das Verständnis von Nachhaltiger Entwicklung muss immer wieder aufs Neue ausgehandelt werden, denn es handelt sich um einen kollektiven „Such-, Lern- und Gestaltungsprozess für Zukunftsfähigkeit“ (Holz, Stoltenberg 2011: 21).  Diese Prozesse geschehen sowohl „Bottom-up“ (bedeutet „von unten nach oben“, also aus der Gesellschaft heraus entstanden) als auch „Top-down“, also „von oben“ verordnete Entwicklungen wie z.B. von Behörden, denn auch die politische Dimension spielt eine wichtige Rolle. Politische Institutionen müssen Rahmenbedingungen vorgeben – allerdings unter Berücksichtigung von dynamischen Entwicklungsprozessen, hoher Komplexität und Unvorhersehbarkeit.

Haben Sie sich das schon gefragt? 

Was ist für Sie persönlich ein „gutes Leben“?

Was kann Ihr Projekt zu einem „guten Leben für alle“ beitragen?

Gibt es in Ihrem Bildungsvorhaben ausreichend Zeit und eine offene Gesprächsatmosphäre, damit Lernende über ihre eigenen Bedürfnisse und Werte bzw. die Werte der Gesellschaft, in der sie leben, nachdenken können?

Berücksichtigt Ihr Bildungsangebot sozial schwächere Personen und Personengruppen? Inwiefern?

Berücksichtigt Ihr Bildungsangebot Menschen in anderen Regionen der Welt – z.B. in sogenannten Entwicklungsländern? Inwiefern?

Setzt sich Ihr Bildungsangebot mit den Folgen unseres jetzigen Handelns für zukünftige Generationen auseinander?

Wird mit den Lernenden an zukunftsfähigen Lösungen für Probleme der heutigen Zeit gearbeitet bzw. werden solche Lösungen thematisiert?

Leistet Ihr Bildungsangebot einen konkreten Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung? Welchen?

Wie unterstützen Sie, dass nachhaltige Entwicklung in den Alltag der TeilnehmerInnen einfließt?

Gibt es in Ihrem Bildungsvorhaben Zeit und Raum, dass auch Konflikte zwischen den eigenen Bedürfnissen bzw. der eigenen Werthaltung und den Werten einer nachhaltigen Entwicklung bearbeitet werden?

 

Haben Sie das schon ausprobiert?

Die zwei Gesichter der Erde: Damit wir uns sinnvoll gestaltend an den Veränderungen und Herausforderungen unserer Zeit beteiligen können, müssen wir uns unserer eigenen Zukunftsängste und unserer Wünsche und Visionen für eine lebenswerte Welt bewusst sein.

Fischlispiel: Ziel dieses Spiels ist es,  Mitverantwortung für die Gemeinschaftsgüter der Erde zu erkennen und durch Kooperation und Kommmunikation zur Lösung von Problemen zu kommen.

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