Österreichisches Portal für Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung

Mit Wissen bewusst umgehen

Foto: Martin Ostheimer pixelio.de

Im Kontext mit Bildung hat Wissen traditioneller Weise eine große Bedeutung. Welche Rolle spielt Wissen in einer Bildung für nachhaltige Entwicklung? Bildung für nachhaltige Entwicklung hat zum Ziel, Menschen zur Mitgestaltung einer nachhaltigen Gesellschaft zu befähigen – sie ist damit sehr handlungsorientiert. Eine der Grundlagen für Handlungen und Entscheidungen ist Wissen.

Bei Bildung im Zusammenhang mit Nachhaltiger Entwicklung spielen drei „Arten“ von Wissen eine wichtige Rolle:

Ziel- oder Orientierungs-Wissen: Was ist wünschenswert, was ist der „Soll-Zustand“? Das Konzept einer Nachhaltigen Entwicklung zielt auf ein „gutes Leben für alle“ ab und meint damit ökologische, soziale, kulturelle, politische und wirtschaftliche Entwicklungen, die die Lebensqualität erhöhen. Ein Bildungsprojekt im Sinne einer Nachhaltigen Entwicklung sollte auf diesem Konzept beruhen und es auch vermitteln.

System-Wissen: Mit Hilfe von System-Wissen versuchen wir den Ist-Zustand unserer Welt möglichst umfassend zu beschreiben. Entscheidend in Bildungsprojekten ist es nicht, isolierte Fakten zu vermitteln, sondern Zusammenhänge zu zeigen und Probleme verständlich zu machen. Dabei geht es um inhaltliche Zusammenhänge, wie z.B. zwischen ökologischen, sozialen und ökonomischen Entwicklungen (interdisziplinär), genauso wie um globale (geographische) Zusammenhänge. Welche Faktoren wirken in diesem System verstärkend, welche schwächen ab, welche sind neutral? Oft außer Acht gelassen werden zeitliche Zusammenhänge: viele Entwicklungen nehmen beispielsweise keinen linearen (wie oft angenommen) sondern exponentiellen Verlauf – z.B. kann ein Seeökosystem kippen, wenn man nicht rechtzeitig die Anzeichen von Schadwirkungen erkennt. Die Schäden sind oft nicht mehr behebbar.

Handlungs- oder Transformations-Wissen bezeichnet das Wissen darüber, wie wir vom Ist- zum Soll-Zustand gelangen. Bei dieser Wissensform geht es darum, Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, die sowohl im eigenen Alltag als auch in Politik und Gesellschaft anwendbar sind.


"Man braucht nicht immer denselben Standpunkt zu vertreten, denn niemand kann einen daran hindern, klüger zu werden."
Konrad Adenauer

Neben diesen „Wissensarten“ ist es in Bildungsprojekten auch wesentlich, sich im Umgang mit Wissen zu üben: Wo finde ich welche Informationen? Welchen Quellen kann ich vertrauen? Gibt es Wissensquellen, die mir andere Perspektiven zum jeweiligen Thema zeigen und damit ein vollständigeres Bild entstehen lassen? Unterschiedliche Perspektiven auf ein Thema zeigen auch Widersprüchlichkeiten auf – es ist wichtig, sich mit den Lernenden gemeinsam damit auseinander zusetzen und sich von der „Komplexität der Wirklichkeit“ nicht abschrecken zu lassen. Ebenso kann uns die Fülle an Informationen, die durch Internet & Co zur Verfügung stehen, überfordern. Lernende sollten dabei unterstützt werden, sich eine eigene Meinung zu bilden, wissend, dass kein Mensch alles weiß. Im Umgang mit Wissen ist es auch wesentlich, sich darüber im Klaren zu sein, dass es wenig „objektives Wissen“ gibt und der Wissensstand einer Person bzw. einer Gesellschaft sich ständig weiterentwickelt: was heute als wissenschaftlich erwiesen gilt, kann morgen schon widerlegt sein.

In Kooperationen, einem wesentlichen Merkmal Nachhaltiger Entwicklung, ist es wichtig fürs Gelingen, Wissen mit anderen zu teilen und auch mit dem Wissen, das andere mit mir teilen, wertschätzend umzugehen – nicht umsonst gibt es den Slogan „Wissen ist Macht.“ Analog dazu kann in nicht geglückten Kooperationen geteiltes Wissen als Wissens- und Machtverlust erlebt werden. In Projekten, aber auch Regionen, häufen sich im Laufe der Zeit viel Wissen und Erfahrungen an. Es ist hilfreich, ein gutes Wissensmanagement aufzubauen, um an schon gemachten Erfahrungen anknüpfen zu können und aus Fehlern zu lernen.

Erfahrungswissen nutzen!

Eine oftmals unterschätzte Rolle spielt Erfahrungswissen: Ein Großteil der Handlungskompetenzen wird durch Wissen, das wir im Laufe der Zeit angesammelt haben, bestimmt – nicht durch Wissen, das wir uns explizit aneignen. Wichtig ist es in Bildungsprozessen an diesem Wissen, das bei jeder Person unterschiedlich ist, anzuschließen, denn Wissenserwerb kann nicht losgelöst von den schon gemachten Erfahrungen erfolgen. Die weitverbreitete Annahme, dass Wissen – z.B. die Kenntnis von Umweltproblemen – automatisch zum Handeln – z.B. Energiesparen – führt, ist ein Irrglaube. Wissen ist eine Grundlage für das Treffen von Entscheidungen – daneben beeinflussen Emotionen, v.a. Motivation, und auch unser soziales Umfeld unsere Bereitschaft zu handeln.

Haben Sie sich das schon gefragt?

Wo sehen Sie in Ihrem Lebensumfeld konkrete Beiträge zu einer nachhaltigeren Gesellschaft?

Wozu wüssten Sie noch gerne mehr?

Baut Ihr Projekt auf schon vorhandenem Wissen (z.B. der Region) auf?

Gibt es in Ihrem Projekt Wissensmanagement? Teilen Sie Ihr Wissen mit anderen Menschen?

Können sich die Teilnehmenden in Ihrem Projekt ein Bild davon machen, was nachhaltige Entwicklung ausmacht? Inwieweit orientiert sich Ihr Vorhaben am Konzept der nachhaltigen Entwicklung? Zeigen Sie alternative Lösungsmöglichkeiten für Probleme?

Werden die Lernenden in Ihrem Projekt dabei unterstützt, Zusammenhänge zwischen ökologischen, ökonomischen, sozialen, kulturellen und politischen Faktoren zu erkennen und zu analysieren?

Werden die Lernenden dazu angeregt, die Auswirkungen lokaler und regionaler Entwicklungen auf globale Entwicklungen zu betrachten? Wird ein längerer Zeitraum dafür betrachtet?

Werden in Ihrem Projekt unterschiedliche Wissensquellen herangezogen und kritisch beleuchtet?

 

ZUM BEISPIEL ...

Holzwelt-BotschafterInnen – Perspektiven und Zusammenhänge spielerisch erfahren. 2011 fand im Bezirk Murau der Lehrgang „Holzwelt-BotschafterInnen“ statt. An den sieben Modulen nahmen 13  Personen aus der Lernenden Region teil.

Nachhaltigkeitslehrgang Mühlviertler Alm – Zukunft wagen. Kann man Nachhaltigkeit in einem Lehrgang lernen? Die Mitorganisatorin Theresa Schachinger vom Mühlviertler Almbüro in der Lernenden Region sagt: „Man kann die Augen öffnen für manche Bereiche der Nachhaltigkeit.

 

Haben Sie das schon ausprobiert?

Sechs Denkhüte: Diese Methode regt dazu an, ein Thema aus verschiedenen, vorgegebenen Positionen zu betrachten.

World-Café: Für ein mindestens 2-stündiges Zeitfenster bewährt sich diese Methode zum Austausch von Meinungen, Erfahrungen und Wissen.

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