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Jährlich landen tausende Tonnen Lebensmittel im Müll – und das nur in Österreich. Diese Methode ermöglicht den Lernenden einen Einstieg in das Thema Entstehung und Vermeidung von Lebensmittelabfällen. In mehreren Übungen analysieren die Jugendlichen die Zustände ihrer Umgebung und entwickeln Ideen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen.

ABLAUF
PHASE 1
20 Minuten
Aktivierende Einstiegsfragen

Jede Person bekommt eine Kopie des Arbeitsblattes und füllt für sich den Fragebogen aus. Danach werden die Ergebnisse für die ganze Gruppe rasch ermittelt, indem bei jeder Frage die Ergebnisse per Handheben abgezählt und auf ein Plakat oder die Tafel geschrieben werden. So entsteht rasch ein Überblick über die Ergebnisse der Gruppe. Falls zu erwarten ist, dass durch das Handheben die Ergebnisse zu stark beeinflusst werden oder das den Teilnehmenden sehr unangenehm ist, so können die Fragebögen auch ausgezählt werden, damit die Befragung anonym bleibt. In diesem Fall kann der Fragebogen am Vortag bzw. in der Stunde davor ausgegeben oder ausgefüllt werden.
Danach werden die Ergebnisse gemeinsam besprochen. Möglich Leitfragen dafür sind:

  • Was hältst du von den Ergebnissen der Umfrage?
  • Bist du überrascht, dass so viele Lebensmittel weggeworfen werden?
  • Oder bist du überrascht, dass das Ergebnis so gut ist?
  • Könnte man die Abfälle (noch) verringern?
  • Warum glaubst du, landen so viele Lebensmittel im Müll?
  • Glaubst du, landen woanders mehr Lebensmittel im Müll? Wo? Warum?
  • Was können wir für die Zukunft daraus lernen?
Downloads für diese Phase:
Arbeitsblatt „Fragebogen - Lebensmittel im Müll"
PHASE 2
50 Minuten
Befragung durchführen

Nun führen die Lernenden Befragungen mit dem Fragebogen durch. Die Lernenden werden dabei in Kleingruppen ausgeschickt und befragen beispielsweise verschiedene Personen in der Schule, Passant*innen auf der Straße oder vor dem Supermarkt, … (Befragungen im halböffentlichen Raum bei der zuständigen Stelle anmelden). Diese Aufgabe können die Teilnehmer*innen auch selbstständig durchführen, indem jede*r bis zur nächsten Einheit drei beliebige Personen befragt und die ausgefüllten Fragebögen mitbringt.

Alle Ergebnisse werden nun in einem Fragebogen zusammengeführt und ausgewertet. Es folgt wieder eine kurze Besprechung: Überraschen die Ergebnisse? Die gewonnenen Informationen werden dokumentiert und für eine weitere Verarbeitung vorerst aufbewahrt.

Downloads für diese Phase:
Arbeitsblatt „Fragebogen - Lebensmittel im Müll"
PHASE 3
15 Minuten
Mistkübeldetektive

Nun werden die Bio- und Mistkübel in der Schule (wird der Aktionsvorschlag in einer außerschulischen Organisation durchgeführt, wird dieser Punkt – wie in den besonderen Hinweisen beschrieben – adaptiert) ein bis zwei Wochen lang genau beobachtet und dokumentiert. Jeden Tag werden stichprobenartig die Kübel einer anderen Klasse unter die Lupe genommen. Die Aktion kann auch nur auf die Klasse bezogen bleiben, indem nur der Klassenmistkübel beobachtet wird.
Zur Analyse werden am Ende des Schultages die Kübel auf einer dichten Plastikunterlage – am besten im Freien – ausgeleert: Auf dem Arbeitsblatt wird genau protokolliert, welche Lebensmittel in welcher Menge (kurz beschreiben, zB. ein halbes Brot, …) und in welchem Zustand weggeworfen wurden. Überlegungen, warum das Lebensmittel weggeworfen wurde, werden ebenfalls notiert. Die Lebensmittel werden auch fotografiert.

Wichtig: Die Mistkübeldetektive, die mit dem Müll hantieren, müssen aus hygienischen Gründen unbedingt mit Arbeitsmantel, Mund-Nasen-Schutzmasken und Gummihandschuhen ausgerüstet sein!

Downloads für diese Phase:
Arbeitsblatt „Mistkübelbeobachtung"
PHASE 4
30 Minuten
Auswertung der Beobachtungen

Am Ende des Beobachtungszeitraums wird die Liste ausgewertet. Dazu wird auf einem Plakat ein Balkendiagramm erstellt: Wie viel von welchem Lebensmittel wurde weggeworfen? Die vermuteten Ursachen für die Entstehung der Lebensmittelabfälle werden ebenfalls auf dem Plakat festgehalten.

PHASE 5
120 Minuten
Collage und Dokumentation

Die Fotos der Lebensmittelabfälle werden ausgedruckt und in der Klasse aufgelegt. Aus ihnen wird nun auf einem Plakat eine Collage gestaltet. Als Anregung können z.B. die Gemälde von Giuseppe Arcimboldo gezeigt werden. Die fertige Collage wird mit den Künstler*innen besprochen: Die „schönen“ Bestandteile (noch gute und unversehrte Lebensmittel) sind eigentlich die problematischen. Je appetitlicher das Kunstwerk aussieht, desto größer ist der Handlungsbedarf! Falls es sogar zu wenige Abfälle gibt, um ein Kunstwerk zu gestalten, so ist das ein großer Erfolg und ein Zeichen dafür, dass die Gruppe möglicherweise schon sehr sensibel mit Lebensmittelabfällen umgeht.

Alle bisher gewonnenen Informationen und Dokumentationen werden nun gemeinsam (ev. arbeitsteilig in Kleingruppen) aufbereitet, um sie auch anderen Menschen präsentieren zu können. Geeignete Möglichkeiten zur Präsentation und Weitergabe an andere Menschen werden überlegt und gemeinsam ausgewählt (Beispiele: eine Wandzeitung für die Aula der Schule gestalten; eine Präsentation gestalten, die anderen Klassen/Gruppen gezeigt wird; Artikel für die Schul- oder Regionalzeitung schreiben; einen Blog im Internet erstellen, ein kurzes Dokumentationsvideo drehen, …

Weiterführende Links:
PHASE 6
15 Minuten
Ideen entwickeln

In der Gruppe wird nun gemeinsam diskutiert:

  • Was können wir für die Zukunft aus den gewonnenen Informationen lernen?
  • Welche alternativen Entsorgungs- bzw. Verwertungsmöglichkeiten gibt es statt des Mistkübels?
  • Wie können wir in der Klasse Lebensmittelabfälle verringern?
  • Was tun wir mit der mitgebrachten Jause, wenn sie nicht aufgegessen wird?

Die konkreten Ideen werden auf einem Plakat verschriftlicht und sichtbar für alle Lernenden aufgehängt.

PHASE 7
x Minuten
Weiterführende Ideen

Einige Zeit später kann der Mistkübel wieder beobachtet werden: Hat sich etwas verändert? Was? Warum? Gibt es etwas, das man noch verbessern könnte?

Besondere Hinweise
Die Mistkübeldetektive, die mit dem Müll hantieren, müssen aus hygienischen Gründen unbedingt mit Arbeitsmantel, Mund-Nasen-Schutzmasken und Gummihandschuhen ausgerüstet sein!
Wenn die Befragung (Phase 2) in größerem Stil im halböffentlichen Raum (z. B. vor einem Supermarkt) durchgeführt wird, muss sie bei der zuständigen Stelle (z. B. Filialleitung) angemeldet werden.

Für die außerschulischen Arbeit:
Damit die Mistkübelanalyse gelingt und die gewonnenen Informationen für die Teilnehmer*innen Sinn ergeben, ist es wichtig, einen geeigneten Mistkübel auszuwählen: So sollte ein Mistkübel analysiert werden, der täglich benutzt wird und der genug Müll beinhaltet, um gut analysiert werden zu können (z. B. Mistkübel im Jugend- oder Gemeindezentrum, …). Entsprechend dazu muss die Phase „Ideen entwickeln“ entsprechend adaptiert werden. Es werden dann Ideen entwickelt, wie im untersuchten Gebiet der Lebensmittelmüll verringert werden kann – z. B.: Wie können die BenutzerInnen der untersuchten Müllkübel dazu gebracht werden, Lebensmittelabfälle zu vermeiden?
Kompetenzorientierte Lernziele
Die Teilnehmenden erforschen selbst in ihrem unmittelbaren Umfeld das Ausmaß von Lebensmitteln im Müll und kommen so zu einer eigenen Vorstellung der Problematik.
Die Teilnehmenden führen unterstützt durch die Lehrperson eine Befragung durch, werten die Ergebnisse aus und sind in der Lage, diese in der Gruppe zu diskutieren.
Die Teilnehmenden erlangen Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln, kommen zu einem wertschätzendem Umgang damit und tragen so zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen bei.
Konnex zum Lehrplan
Biologie und Umweltkunde AHS und NMS/HS
„Themenkreis Ökologie und Umwelt (…) Ziel ist eine solide Basis für umweltfreundliches Handeln und Verhalten, welche sich aus Umweltwissen, Umweltbewusstsein und ökologischer Handlungskompetenz zusammensetzt. (…) Auch sollen konkrete Aktivitäten im Sinne der Ökologisierung der Schule gefördert werden.“ (1.-4.Klasse)
„Mensch und Gesundheit“ wird in jeder Schulstufe anhand ausgewählter Themenstellungen bearbeitet, die Fragen zu Gesundheit und Lebensstil sowie soziale und ethische Aspekte beinhalten.“ (1.-4. Klasse)

Deutsch AHS und NMS/HS
„Der Deutschunterricht soll Urteils- und Kritikfähigkeit, Entscheidungs- und Handlungskompetenzen weiterentwickeln. Er soll die Auseinandersetzung mit Werten im Hinblick auf ein ethisch vertretbares Menschen- und Weltbild fördern.“ (1.-4. Klasse)
„Sprache als Trägerin von Sachinformationen aus verschiedenen Bereichen; Informationsquellen erschließen: Personen befragen, Auskünfte einholen.“ (1.-4.Klasse)

Ernährung und Haushalt NMS/HS
Der Themenbereich Verbraucherbildung und Gesundheit soll zu einem gesundheitlich, ökologisch und ökonomisch orientierten Umgang mit Ressourcen im Haushalt (physische und psychische Arbeitskraft, Zeit, natürliche Ressourcen, Geld und Güter) führen.“ (2.-3.Klasse)

Quellen

Initiative „Lebensmittel sind kostbar" des BMK (2013)