Durch die steigenden Bevölkerungszahlen und Klimawandel entstehen rund um den Globus neue Herausforderungen. Auch an die Ernährung werden neue Anforderungen gestellt, da diese insgesamt zu ca. 35% der Treibhausgase weltweit beiträgt. Das Ernährungssystem braucht Veränderungen auf politischer und wirtschaftlicher Ebene – doch auch als Konsument*in kann man einen Beitrag leisten.

Einem zukunftsfähigen, nachhaltigen Ernährungsstil liegen folgende Prinzipien zugrunde:

  1. Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel
  2. ökologisch erzeugte Lebensmittel
  3. regionale und saisonale Produkte
  4. Bevorzugung gering bzw. mäßig verarbeiteter Lebensmittel
  5. fair gehandelte Produkte
  6. ressourcenschonendes Haushalten
  7. genussvolle und bekömmliche Speisen

Die Reihenfolge ergibt sich absteigend aus dem Potenzial zur Einsparung von Treibhausgasemissionen, d.h. durch die Umsetzung von 1) kann der größte Schritt in Richtung einer nachhaltigen Ernährung gesetzt werden, von 7) der kleinste. Die Komplexität der einzelnen Punkte kann in dieser Kürze natürlich nicht wiedergegeben werden, daher erfolgt hier nur eine exemplarische Darstellung. Eine nähere Auseinandersetzung findet ihr in den Quellen.

1. Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel
Das erste und zeitgleich wirkungsvollste Grundprinzip einer nachhaltigen Ernährung liegt in der Lebensmittelauswahl: Empfehlenswert ist der überwiegende Konsum von pflanzlichen Lebensmitteln und ein sehr geringer Verzehr tierischer Lebensmittel, insbesondere von Fleisch und Wurstwaren. Die Tierhaltung beansprucht ca. 70% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche weltweit, da neben den Weideflächen der Tiere auch Flächen für die Futtermittelproduktion benötigt werden, was zu immens hohen Treibhausgasemissionen führt.
Da bei geringerem Verzehr tierischer Lebensmittel nicht so viele Futterpflanzen durch Intensivlandwirtschaft erzeugt werden, entsteht eine starke ökologische Entlastung durch Pestizideinsparungen und Schonung der Biodiversität.

2. Ökologisch erzeugte Lebensmittel
Das übergeordnete Prinzip der ökologischen Landwirtschaft ist das Denken und Handeln in Stoffkreisläufen. So liefert der Ackerbau neben Lebensmitteln auch das Futter für das Vieh und umgekehrt findet der Mist und die Gülle als Pflanzendünger Anwendung.
Die Produktion von Lebensmitteln aus ökologischer Landwirtschaft geht mit einer geringeren Umweltbelastung einher als die konventionelle Agrarindustrie und zeichnet sich durch folgende Punkte aus:

  • geringerer Primärenergieverbrauch und geringere Emission klimawirksamer Treibhausgase im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft
  • geringerer Rohstoffverbrauch und keine Belastung der Böden (und in weiterer Folge auch der Lebensmittel) durch synthetische Pestizide und Nitrate
  • abwechslungsreiche Fruchtfolgen zur Schonung des Bodens, zur Verhinderung von Bodenerosionen und zur Lebensraumerhaltung von Tieren


3. Regionale und saisonale Produkte

Lebensmittel aus regionaler Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung verursachen einen verminderten Energie- und Rohstoffverbrauch sowie geringere Schadstoffemissionen, da sie keine langen Transportwege haben bzw. nicht in energieintensiven Kühlhäusern zwischengelagert werden müssen. So können sie vor der Ernte ausreifen und sind daher in der Regel schmackhafter und nährstoffreicher. Saisonale Produkte, also aus Freiland-Anbau, kommen ganz ohne Glashäuser und Co. aus, wodurch sehr viel Energie eingespart werden kann.
Für eine nachhaltige und abwechslungsreiche Ernährung ist es also empfehlenswert, regional-saisonale Angebote ausfindig zu machen, z.B. Bauernmärkte mit nicht bzw. gering verpacktem Obst und Gemüse, wodurch zusätzlich Verpackungsmaterial eingespart werden kann.

4. Gering oder mäßig verarbeitete Lebensmittel
Durch weniger intensive Verarbeitungsverfahren der Lebensmittel werden der Primärenergieverbrauch und auch die Schadstoffemissionen reduziert. Gering bzw. mäßig verarbeitete Lebensmittel weisen einen höheren Gehalt an essenziellen und gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen auf, da diese durch lebensmitteltechnologische Verfahren vermindert oder zerstört werden können.
Die Bevorzugung gering verarbeiteter Lebensmittel bedeutet jedoch nicht, dass alle landwirtschaftliche Erzeugnisse in unverarbeiteter, roher Form gegessen werden sollten. Erhitzte Lebensmittel sind als „mäßig verarbeitet“ einzuordnen, wobei es aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist, gleichermaßen unerhitzte und erhitzte Lebensmittel zu verzehren.

5. Sozialverträgliche Produkte
Um das Nachhaltigkeitsziel „Chancengleichheit für alle Menschen“ zu erreichen, ist eine sozialverträgliche Nahrungsversorgung anzustreben. Der ‘Faire Handel’ mit Ländern des Globalen Südens bietet hier eine sehr gute Möglichkeit. Aber auch für die österreichische und europäische Betriebe, die in Erzeugung, Verarbeitung und Handel tätig sind, geht es um angemessene Lebensmittelpreise, um ihre Existenz zu sichern.

6. Ressourcenschonendes Haushalten – Stichwort LM-Verschwendung

Durch einen bedachten Umgang mit Ressourcen können, neben finanziellen Mitteln, auch Sachgüter wie Lebensmittel eingespart werden, denn ca. ein Drittel aller weltweit produzierten Nahrungsmittel landet schlussendlich im Müll. In Österreich werden bis zu 157 000 Tonnen jährlich weggeworfen, darunter auch original verpackte Produkte. Durch Planung und Achtsamkeit beim Einkauf, Informationen über die angemessene Lagerung und Basiswissen zur Beurteilung der Qualität bzw. Verderblichkeit von Lebensmitteln kann der Verschwendung wertvoller Nahrungsmittel entgegengewirkt und ein Beitrag zur Nachhaltigkeit im eigenen Haushalt geleistet werden.

7. Genuss beim Essen
Letztendlich soll der Genuss beim Essen nicht zu kurz kommen. Spaß und Lebensfreude sind auch bei der Ernährung unverzichtbar. Sie müssen jedoch nicht im Widerspruch stehen zu den gesundheitlichen, ökologischen, ökonomischen und sozialen Erfordernissen.

Macht den Check und findet heraus, wie ihr eure Ernährung (noch) nachhaltiger gestalten könnt!

Zum Weiterlesen

„FAIRTRADE“ – Großes tun mit einem kleinen Zeichen
Die vier Säulen einer nachhaltigen Ernährung.


Quellen

Beratungsbüro für ErnährungsÖkologie. Was ist Nachhaltige Ernährung? https://bfeoe.de/Was-ist-Nachhaltige-Ernaehrung.3.0.html (Zugriff: 01.10.2021).

Schwenner, Lara. Ökologisch vs. Konventionell. Ist bio immer besser? https://www.quarks.de/umwelt/landwirtschaft/oekologische-vs-konventionelle-landwirtschaft-ist-bio-immer-besser/ (Zugriff: 04.10.2021).

Stadt Wien. Lebensmittelabfälle: Zahlen, Daten und Fakten. https://www.wien.gv.at/umweltschutz/abfall/lebensmittel/fakten.html (Zugriff: 12.11.2021).

Vegane Gesellschaft Österreich (14.09.2021). Neue Studie: Tierliche Lebensmittel noch klimaschädlicher als bisher angenommen. https://www.vegan.at/neue-klimastudie (Zugriff: 01.10.2021).

WWF. Ernährung und Klimaschutz. Wie wir mit unserer Ernährung unseren Planeten retten können. https://www.wwf.at/nachhaltig-leben/ernaehrung-und-klimaschutz/ (Zugriff: 01.10.2021).