© Carola Holland


Während in den Ländern des Globalen Nordens ein Überfluss an Lebensmitteln herrscht, leiden in Ländern des Globalen Südens Millionen Menschen an Hunger und Mangelernährung. Die meisten Kinder und Jugendlichen in Österreich können sich vermutlich nicht vorstellen, was es heißt, echten Hunger leiden zu müssen und sehen die ständige Verfügbarkeit von Lebensmitteln als selbstverständlich an. Ein Perspektivenwechsel soll Bewusstsein für die Problematiken der Welternährung schaffen. Anhand eines Rollenspieles erfahren die Lernenden über die ungerechte Verteilung von Lebensmitteln.

ABLAUF
PHASE 1
5 Minuten
Einstieg

Bei dem Global Dinner wird der Klasse zunächst nicht verraten, worum es genau geht – hier gilt es den Überraschungseffekt zu nutzen! Um die Klasse aufzuteilen, wird jedem Kind verdeckt eine Rollenkarte zugeteilt, somit entscheidet der Zufall. Die Rollenkärtchen sollen so ausgewählt werden, dass ca. 20% der Klasse die wohlhabende Gesellschaftsschicht verkörpern, 50% die Mittelschicht und 30% die sehr arme Bevölkerungsschicht darstellen.

Downloads für diese Phase:
Rollenkärtchen zu „Die Welt an einem Esstisch"
PHASE 2
40 Minuten
Rollenspiel

Die Kinder finden sich in ihren Gruppen (gesellschaftlichen Schichten) zusammen. Dann wird von der Lehrperson aufgeklärt: Eine Gruppe repräsentiert die wohlhabende Gesellschaft und darf mit Sesseln an einem (gedeckten) Tisch sitzen. Dieser Gruppe wird eine aufwändige und abwechslungsreiche Speise gereicht. Eine weitere Gruppe stellt die Mittelschicht der Gesellschaft dar. Sie bekommt einen verpackten Laib Brot, Butter, einen Krug Leitungswasser mit Gläsern sowie ein Schneidebrett inklusive Brotmesser auf einen kleinen Tisch mit ein paar Sesseln gestellt. Sie müssen sich selber um die Verteilung des Essens innerhalb der Gruppe kümmern. Die dritte Gruppe verkörpert die Hungernden dieser Welt. Sie bekommen (zerkrümelte) Kekse auf einem Teller gereicht. Ihre Sitzmöglichkeit ist der Boden. Wenn alle ihren Platz gefunden haben, wird gegessen. Den Lernenden soll ausreichend Zeit gegeben werden, damit eine Dynamik in der Gruppe entstehen kann. Die Lernenden dürfen und sollen sogar während des Essens reden und sich austauschen. Die Lehrperson hat währenddessen eine beobachtende Funktion, zu viel Moderation würde den Prozess beeinflussen. Nach einiger Zeit leitet die Lehrperson das Ende der Simulation ein und bittet die Lernenden zusammen zu kommen.

PHASE 3
20 Minuten
Reflexion

Die Reflexionseinheit dient zur Aufarbeitung des eben Geschehenen. Dabei sollen unterschiedliche Fragen besprochen werden. Beispiele dafür sind:

  • Wie hast du dich in deiner Rolle gefühlt? Wohl? Unwohl?
  • Was hast du den anderen gegenüber gefühlt?
  • Was hast du über die anderen gedacht?
  • Was könnten die anderen über dich gedacht haben?
  • Wie hat es sich angefühlt, nicht entscheiden zu können, was du essen darfst?
  • Was hat dich überrascht?
  • Wie fühlt sich das Gegessene im Magen an?
  • Wie war es für dich wenig/viel Essen zu bekommen?
  • Haben die anderen geteilt? Hast du geteilt? Wieso (nicht)?
  • Was braucht es, um satt zu werden?
  • Was denkst du muss geschehen, dass alle Menschen gleich satt werden?

Je nach Zeit können die unterschiedlichen Anmerkungen auf der Tafel von der Lehrperson gesammelt oder nur mündlich besprochen werden. Nach der Reflexionsrunde bittet die Lehrperson die Lernenden ihre Rollen nun zu verlassen und wieder als sie selbst in die Klasse zurückzukehren. Anschließend können alle noch einmal zusammenkommen und eine gemeinsame Nachspeise essen (z.B. Kuchen oder Obstsalat), damit ein gemeinsames, positives Erlebnis geschaffen wird.

Besondere Hinweise
Zur Umsetzung ist ausreichend Platz für die (gedeckten) Tische und Sessel notwendig.
Kompetenzorientierte Lernziele
Die Lernenden sind in der Lage, Verteilungsprobleme und Ungerechtigkeiten wahrzunehmen.
Die Lernenden sind in der Lage, über die eigene Rolle im Spiel zu reflektieren.
Die Lernenden sind in der Lage, Globale Zusammenhänge zu verstehen.
Die Lernenden sind in der Lage, Ernährungsverhalten und Esskultur zu hinterfragen.
Konnex zum Lehrplan
Auszug aus dem NMS-Lehrplan zu Ernährung und Haushalt:
Die Bedeutung der Ernährungssicherheit erkennen
Einstellung für eine gesundheitsfördernde und sozial verträgliche Lebensweise entwickeln
soziokulturelle Einflüsse auf das Ernährungsverhalten kennen
Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit reflektieren

Quellen

Forum Umweltbildung im Umweltdachverband (2017): Unsere Welt unsere Zukunft. Lehrmaterialien für Kinder und Jugendliche zu den UN-Weltzielen. Wien: Eigenverlag.

Die Methode „Die Welt an einem Esstisch" basiert auf dem Konzept des Global Dinners.