Österreichisches Portal für Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung

Prämissen einer Erziehung "zum Guten"

Berliner Mauer Spruch © Melanie Salzl

Was kann Umwelterziehung, was kann Friedensbildung ausrichten in einer Welt, die von ihren ökonomischen und politischen Strukturen auf Konkurrenz, Konsum, Krieg ausgerichtet ist? Die Antwort erscheint so simpel wie radikal – Bildung und Lernen kann nur über Erfahrung und Reflexion funktionieren. Ein Auszug aus dem Artikel von Hans Karl Peterlini im aktuellen Jahrbuch Bildung für nachhaltige Entwicklung...

Ein Dilemma, das Umwelterziehung und Friedensbildung gemeinsam haben, liegt in einem konstitutiven Moment von Erziehung und Bildung überhaupt, nämlich der prinzipiellen Ergebnisoffenheit und damit auch Ergebnisunsicherheit allen pädagogischen Handelns. In der Sprache der Systemtheorie wird das Fehlen kausaler Wirkungsmechanismen zwischen erzieherischen Intentionen und Interventionen auf der einen Seite und dem, was ein lernendes Subjekt umsetzen kann und will, sperrig als „Technologiedefizit“ bezeichnet. Für die Erziehungswissenschaft hat Siegfried Bernfeld drei Grenzen von Erziehung dargestellt, die pädagogisches Handeln zur Mühsal des Sisyphos machen: die unbestimmbare Bildsamkeit des Kindes selbst, die Grenzen der Erziehenden aufgrund ihrer eigenen Vorerfahrungen und Bedingtheiten und schließlich die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Erziehung geschieht und die auf Erziehung einwirken. So schön (und wichtig) deshalb Programme für eine Erziehung zum guten Umgang von Heranwachsenden und künftigen Erwachsenen mit der Umwelt und ihren Mitmenschen sind, so sehr haftet ihnen immer auch die Möglichkeit des Scheiterns und der Ohnmacht vergeblichen Bemühens an.

Das hat zum einen damit zu tun, dass die Vermittlung von Wissen – wie es für die Umwelterziehung Kuckartz  plausibel nachweist – keine verlässliche Wirkung auf das Handeln von Menschen ausübt, ein im Übrigen alltäglich festzustellender Umstand: Menschen wissen, was ihnen gesundheitlich schadet, sie wissen, das Streit – von Krieg gar nicht zu reden – immer beide Seiten verletzt, sie wissen um die Folgen eines nachlässigen Umgangs mit den eigenen Ressourcen und jenen ihrer Um- und Mitwelt. Dennoch beherzigen sie dieses Wissen in ihrem Alltagshandeln nur sehr begrenzt, oft erst im Extremfall angesichts ärztlicher Verordnungen oder amtlicher Verbote und Strafandrohungen. Zugleich zeigt sich am politischen und behördlichen Umgang mit Fragen von zerstörerischem Verhalten (gegenüber Umwelt und Humanität) eine tiefe gesellschaftliche Ambivalenz: Den auf der einen Seite geforderten und geförderten Werten und Akzentsetzungen für umweltbewusstes und gewaltfreies Verhalten von Menschen stehen hartnäckig aufrechterhaltene und oft auch wiederhergestellte und forcierte Strukturen von Zerstörung und Gewalt gegenüber, die sich in zögerlich umgesetzten oder boykottierten Maßnahmen zum Klimaschutz ebenso äußern wie in der zynischen Kälte der europäischen Asylpolitik oder der ungenierten Profitbeteiligung am internationalen Waffengeschäft.

Lösungsvorschläge und weitere Überlegungen zum Thema findet ihr in dem vollständigen Artikel des in Kürze erscheinenden Jahrbuchs Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Autor Hans Karl Peterlini wird auch auf unserer diesjährigen BNE Sommerakademie einen der Eröffnungsvorträge und einen Workshop halten.

Vortrag auf der BNE Sommerakademie

Allen Ansätzen, die über Erziehung und Bildung einen Beitrag zu einem besseren Umgang der Menschen miteinander und mit unserer "Heimat Erde" (Edgar Morin) leisten wollen, steht ein pädagogisches Dilemma entgegen. Siegfried Bernfeld hat dies in seinem Werk "Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung" (1925) früh aufgezeigt, die Systemtheorie spricht von einem "Technologiedefizit" der Erziehung. Der Beitrag lotet vor diesem Hintergrund, dass Erziehungsziele nicht linear umsetzbar sind und Menschen nicht einfach zu irgendeiner Haltung erzogen werden können, jene Möglichkeiten aus, die pädagogisches Handeln dennoch sinnvoll und fruchtbar machen können.

Anmeldungen zur BNE Sommerakademie unter: www.umweltbildung.at/sommerakademie

Buchcover Jahrbuch BNE © FORUM Umweltbildung

Perspektive wechseln. Jahrbuch Bildung für nachhaltige Entwicklung
Kommunikation & Klimawandel, Ethik & Friede, BNE International, Entrepreneurship.
FORUM Umweltbildung, Wien 2018.
156 Seiten, € 10,-
ISBN 978-3-900717-92-6

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BNE Sommerakademie

Termin: 20. bis 23. August 2018
Ort: Steinschaler Dörfl
LV-Nr.: 7320.000053 (KPH Wien/Krems)

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