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Film: Honeyland

Filmstill Honeyland © Stadtkino
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Der preisgekrönte Dokumentarfilm Honeyland stellt die Mensch-Tier-Beziehung zur Diskussion.

Die Hälfte des Honigs

Eine abgelegene Bergregion in Nordmazedonien. Hier lebt Hatidze mit ihrer kranken Mutter eine im Verschwinden begriffene Lebensweise: In einem Dorf ohne Straßen, Strom und fließendes Wasser, ist sie die letzte in einer langen Reihe von Wildbienenzüchter*innen, die ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf ihres nachhaltig produzierten Honigs in der nahe gelegenen Stadt bestreitet. Es gibt eine Regel in der Imkerei: Man sollte nur die Hälfte des Honigs nehmen und den Rest den Bienen überlassen. Hatidze respektiert diesen Zustand. Täglich steigt sie von ihrem kleinen Dorf einen Berg hinauf, um bei ihren Bienen in den Felsspalten nach dem Rechten zu schauen und dem Bienenvolk seine Waben zu entnehmen.

Den ganzen Honig

Die friedliche Koexistenz von Hatidze und ihren Wildbienen wird durch die Ankunft einer entwurzelten, im Konsummüll vegetierenden Wanderfamilie mit brüllenden Motoren, sieben Kindern sowie einer schlecht betreuten Viehherde ins Wanken gebracht. Hatidze begegnet der Veränderung im ersten Moment neugierig-optimistisch. Es dauert jedoch nicht lange, bis das Familienoberhaupt die Chance auf Profit in Form des flüssigen Goldes wittert und trotz aller Ratschläge eigenen Honig produzieren will, indem er die vorhandenen Ressourcen rücksichtslos plündert. Die Familie bricht darüber hinaus alle Grundregeln von „Honeyland“. Hatidze muss ihre Bienen retten und kann das notwendige Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur vermeintlich wiederherstellen, nachdem die Störenfriede unter Hinterlassung „verbrannter Erde“ weitergezogen sind. Der baldige Tod der Mutter lässt allerdings Hatidzes weitere Zukunft offen.

Der oscar-nominierte Film oszilliert an der Grenze zwischen Dokumentar- und Spielfilm, denn manche Szenen wirken gestellt und viele Dinge (etwa das anscheinend unbehandelt bleibende Geschwür der Mutter - trotz naheliegender ärztlicher Versorgung oder der Beinahe-Ertrinkungstod eines Kindes) bleiben unerklärt. Der Atmosphäre des Films tut das aber keinen Abbruch, bietet er doch einen einzigartiger Einblick in die grundlegende Spannung zwischen Mensch und Natur, Harmonie und Zwietracht, Ausbeutung und Nachhaltigkeit.

Text: W.S.

Filmstills

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Filmplakat Land of Honey © Stadtkino

Honeyland. Land des Honigs

Nordmazedonien 2019, 90 min, OmdU 
Dokumentarfilm
Regie: Tamara Kotevska, Ljubomir Stefanov

Film(neu)start: 19. Juni 2020

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