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Film: Eldorado

Filmstill 02 Eldorado © Filmladen Filmverleih
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Markus Imhoof erzählt nach seinem herausragenden und unter anderem mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichneten Kinoerfolg MORE THAN HONEY (wir haben darüber berichtet) erneut eine sehr persönliche Geschichte, um ein globales Phänomen erfahrbar zu machen: Die Migration.

Imhoofs Fragen nach Menschlichkeit und gesellschaftlicher Verantwortung in der heutigen Welt führen ihn zurück zu den Erlebnissen seiner Kindheit und seiner ersten Liebe, denn während des Zweiten Weltkriegs nahm seine Familie ein italienisches Flüchtlingskind namens Giovanna bei sich auf und pflegte es gesund. Diese Geschichte, die kein gutes Ende nahm, ging ihm niemals aus dem Kopf. In der Gegenwart begibt er sich daher auf Giovannas Spuren nach Italien und beobachtet dort die Operation Mare Nostrum der italienischen Marine, bei der Geflüchtete aus dem Mittelmeer geborgen werden. Imhoof: „Noch nie war es so schwierig, Drehbewilligungen zu bekommen. Es muss also „was dran“ sein an dem Thema, wenn man dessen Bearbeitung so eifrig versucht zu verstecken. Aber auf der Agenda bei Wahlen und Koalitionsverhandlungen steht es zuoberst.“

Radikalität des Kinderblicks

Bei den zahlreichen Rettungsaktionen, bei deren einer oder zwei Imhoof an Bord beiwohnen darf, können insgesamt über 100.000 Menschen aus den Fluten gefischt werden. Im Lauf der Dreharbeiten findet er Antworten auf Fragen, die ihn seit langem beschäftigen: „Erst die Erinnerung an Giovanna schenkte mir die Radikalität des Kinderblicks, als ein fruchtbarer Kontrast zur internationalen Maschinerie, mit der die Fremden verwaltet werden. Unsere Herausforderung war, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Grundsätzliches entlarvt sich oft an einem Detail, an einem Blick, einem Lachen: Die Summe des scheinbar Unwesentlichen macht das Wesentliche sichtbar.“

Das ist Imhoof in beeindruckender Weise gelungen: Seine sanfte Stimme, im Dialog mit einer Mädchenstimme, die teils fiktive, teils aus Giovannas Briefen entnommene zumeist traurig-emotionale Texte spricht, kommentiert  das Geschehen aus dem Off. Dabei geraten die Worte niemals vorwurfsvoll oder appellativ sondern umkreisen die für sich selbst sprechenden Bilder in einer so unerhört eindringlichen Weise, dass sie die die Intensität des Filmes immens steigern.

Text: W.S.

Filmstills

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Filmplakat Eldorado © Filmladen Filmverleih

ELDORADO

DE/CH 2017, 95 min
Dokumentation
Regie: Markus Imhoof

Filmstart: 04. Mai 2018

Verleih: Filmladen Filmverleih

© Filmladen