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Film: Die Tage wie das Jahr

Filmstill Die Tage wie das Jahr © o.schmiderer filmproduktion
© o.schmiderer filmproduktion

Die Bilder sollen für sich sprechen. Im Film Die Tage wie das Jahr zeigt Regisseur Othmar Schmiderer das Leben und die landwirtschaftliche Arbeit von Gottfried und Elfie auf einem kleinteiligen Gehöft im Waldviertel – Niederösterreich. Die beiden haben sich konsequent für eine „kleine“ Wirtschaftsweise entschieden, betrachten ihre Tiere als Lebewesen und den Boden als eigenen Kosmos.

„Meiner Ansicht nach gibt es derzeit zu viele Filme, die einem die Welt erklären!“ (O.S.)

Er verstehe sich, sagt Bauer Gottfried Neuwirth ganz zu Beginn, noch über den Vorspann gesprochen, eher als Hüter seines Landes denn als ein beharrlich auf Ertragssteigerung ausgerichteter Bauer. Dieses Statement wird dann auch die einzige explizit „ideologische“ Aussage im ganzen Film sein. Denn es sollte, so Schmiderer, „ein Film werden ohne Statements, Interviews, Kommentar, es sollte eine Konzentration auf das Sehen geschaffen werden“ und somit dem Publikum „mehr Raum zur Betrachtung, zum Sehen, zur eigenen Assoziation und Interpretation“ gelassen werden. 

Das konnte natürlich nicht heißen, das der Regisseur darauf verzichten wollte, vermittels der Filmgestaltung zu zeigen, „dass man mit knappen Ressourcen und einer intensiven Auseinandersetzung mit der Materie auf eigenen Beinen stehen kann und einen Kontrapunkt zur industriellen Agrarwirtschaft setzen kann.“

Filmstills

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„Es war uns von Beginn an wichtig, niemals in eine falsche Idylle oder in ein Aussteigerepos abzugleiten.“ (O.S.)

Der Film beginnt mit der Geburt der Tiere im Winter und kehrt am Ende wieder zum Winter zurück. So können die ZuschauerInnen das Bauernpaar über den Jahresverlauf detailliert bei ihren jeweiligen Verrichtungen begleiten. Die Schafe, Ziegen und Hühner müssen fachgerecht gehalten, es muss täglich gemolken, alle zwei Tage gekäst werden usw. Alle Handgriffe sind Teil von sich wiederholenden Tätigkeiten. Der Rhythmus ihrer Tätigkeiten gestaltet durch den Filmschnitt ohne Kommentare und Wertungen lässt mit der Zeit dann tatsächlich so etwas wie Empathie entstehen.

Bei nachträglicher „Assoziation und Interpretation“ des Betrachters sei allerdings erwähnt, dass das gezeigte bäuerliche Geschehen kaum Irritationen – wie sie das Leben doch zumeist bereithält – aufweist: In der kinderlosen und damit besonders irritationsarmen Umgebung, gibt es weder Krankheit oder Unwetter und (wie in einer Landwirtschaft häufig) Verletzungen, Maschinen- oder Materialschäden usf., noch läuft das doch eher traditionelle Geschlechterrollen-Verhalten der ProtagonistInnen widersprüchlich ab. Aber Widersprüche – so meinen manche – treiben doch Erzählungen im großen und im kleinen voran. So ist man auf die vom Filmmacher beanspruchte „Egalität von Mensch und Tier“ gespannt, wenn es dann zur Schlachtung von Ziegen(?) und Schafen kommen soll. Aber dieser Akt wird ausgespart: Nur ein freundliche Terminvereinbarung zwischen Bauer und Schlachter trennt uns endgültig von den liebevoll gehegten Tieren. Auch eine Hühnerschlachtung wird nicht gezeigt. Kein blutiger Schnitt. Erst beim gleichbleibend freundlichen Verkauf des bereits portionierten Fleischs treffen wir wieder auf die Tiere.  Das Bild bleibt ungestört.

So hinterlässt einen der Film gespalten, leistet er doch in ruhigen rhythmischen Bildfolgen eine implizite Kritik an der industriellen Landwirtschaft und stellt eine real mögliche humane Produktions- und Lebensweise daneben, spart aber doch so manche wichtige Widersprüchlichkeit im Bauernlebens aus.

Text: W.S.

Verleih: o. schmiderer filmproduktion / Filmladen Filmverleih (Booking&Billing)

Website zum Film

Filmplakat Die Tage wie das Jahr

Die Tage wie das Jahr

AT 2018, 87 min
Dokumentarfilm
Regie: Othmar Schmiderer

Filmstart: 28. März 2019

Filmwebsite

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