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Zurück zur Natur? „Der Fall Wilhelm Reich“ jetzt im Kino

Wilhelm Reich beim „Cloudbuster“ (Regenmaschine). c Filmladen Filmverleih/Eva Kees

Lange Wege – sowohl in der Theorie als auch in der Praxis – hatte der Freud-Schüler Wilhelm Reich hinter sich gebracht, als er letztendlich als verkannter Natur-Apostel in einem amerikanischen Gefängnis verstarb. Fünfundfünfzig Jahre ist das jetzt her, doch sein heterogenes Werk bietet auch heute noch viele aktuelle Anknüpfungspunkte, wie ein aktueller Film zeigt.

Seine Bücher wurden gleich zwei Mal verbrannt: In Deutschland von den Nazis, weil Reich Jude und Freud-Schüler war und in den McCarthy-USA, weil er als Ex-Kommunist grundsätzlich verdächtig schien. Überdies waren dort seine Theorien über die Orgon-Energie zu Zeiten des nuklearen Wettrüstens unkontrollierbar und deshalb zu bedrohlich bzw. seine Sexualforschungen für das puritanische Amerika zu anstößig. Jedenfalls: Wo immer sich Reich auch niederließ, erregte er mit seinen Aktivitäten bald die Aufmerksamkeit seiner Umgebung. Warum? Vor allem weil er ein „Gespür“ dafür hatte, wo gerade die Hot Spots in der menschlichen Entwicklung lagen. Ob es sich um das Unbewusste, Sexualität, Gesellschaftsreform, Naturzerstörung, Energiefragen handelte – letztendlich alles Themen, die uns übrigens heute bei dem Versuch eine nachhaltige Entwicklung zu in Gang zu setzen, beschäftigen: Stets war Reich zur Stelle und produzierte ganz unorthodoxe – und für die etablierte Wissenschaft und Politik oft ärgerliche – Thesen, die manchmal falsch, manchmal – wie sich gegenwärtig herausstellt – verblüffend nahe an der Wahrheit lagen.

  • Reichs Beitrag zur Psychoanalyse („Charakteranalyse“) ist bis in die Gegenwart anerkannt.
  • Wiederentdeckt in der 68er Studentenbewegung war sein Einfluss auf die sogenannte antiautoritäre Erziehung (A.S. Neill´s „Summerhill“) unübersehbar.
  • Die von Reich für die westliche Hemisphäre entwickelte Bioenergetik und Vegetotherapie gehören heute zum Standardrepertoire der (Psycho)therapie.
  • Seine Versuche mittels energetischer Fokussierung Regen zu erzeugen (siehe Foto) waren immerhin so interessant, dass Reich vom amerikanischen Geheimdienst observiert wurde. Vermutungen Reichs in diese Richtung – seinerzeit von seinen FeindInnen als „paranoid“ denunziert – haben sich als begründet erwiesen.

Darüber hinaus hatte Reich einen stark polarisierenden Charakter und sein Auftreten zog jede/n, der/die auf ihn traf, in seinen Bann.

Wer könnte Dr. Reich also im Film besser verkörpern als Klaus Maria Brandauer? Die hochklassigen SchauspielerInnen, die ihm zur Seite gestellt sind, und nicht zuletzt die Landschaften – Spanien bot die Kulisse für die Wüste von Nevada und das niederösterreichische Waldviertel als Hinterland des amerikanischen Ostküsten-Staates Maine (Wien bleibt Wien) lassen die Atmosphäre der letzten Lebensjahre Reichs entstehen und die Dramatik seines Lebens spürbar werden.

Wolfgang Sorgo

Palakat zum Film "Der Fall Wilhelm Reich" c Stefan Olah

Der Fall Wilhelm Reich
Regie: Antonin Svoboda Ö 2012,
Filmdauer: 110 Min

Zum Weiterlesen

Wie die Theorien Reichs aus einer wissenschaftlich-philosophischen Position einzuschätzen sind, können sie in einem interessanten Beitrag "Zurück zur Natur?"  von Helmut Dahmer nachlesen. Dort finden sich auch Originalfotografien von Wilhelm Reich und seinem Lebensumfeld in Maine.

Angesichts der fortdauernden Aktualität von Reichs Thesen stellt sich weiterhin die Frage, ob seine ungewöhnlichen interdisziplinären Verknüpfungen nicht noch weiterhin reichhaltiges Potential in sich bergen …

© Filmladen