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"Wachstum" auf dem Prüfstand


Internationale Konferenz Wachstum im Wandel 2012 erfolgreich abgeschlossen.

 

 

 

Von „Kapitalismus light“ über steuernde Strukturreformen bis zu Szenarien einer „Degwrowth Economy“ wurden auf der 2. Internationalen Konferenz Wachstum im Wandel, die von 8. bis 10. Oktober  2012 in der Aula der Wissenschaften in Wien stattfand, viele Denkrichtungen angestoßen. Schlussendlich waren es jugendliche TeilnehmerInnen, die im Rahmen der Initiative SchülerInnen gestalten Wandel zu sofortigen Taten anstelle schöner Worte drängten.

Warum braucht Wachstum überhaupt Wandel?

Marina Fischer-Kowalski vom Institut für Soziale Ökologie der Universität Klagenfurt wies gleich anfangs darauf hin, dass es drei Arten von Wachstum gäbe: monetäres Wachstum, Wachstum in physischen Größen und jenes der Lebensqualität. Die zweite Art Wachstum sei ihrer Meinung nach nicht mehr möglich, daher müsse Wachstum sich auf andere Bereiche beziehen. Auch Sigrid Stagl, Wissenschafterin an der Wirtschaftsuniversität Wien, plädierte für eine Entwicklung von einer exploitativen hin zu einer regenerativen Logik und Hans Holzinger von der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg sprach sich für eine Kultur der Inklusion, eine Kultur der Verortung (weniger Mobilität) und eine Kultur des Genug aus.

In diesem Sinn wurden u.a. Empfehlungen und Forderungen nach neuen Indikatoren zur Messung von Lebensqualität und Wohlstand formuliert. Paul Schreyer, Deputy Director in der OECD und Statistiker, stellte klar, dass das BIP nie als Wohlstandsindikator gedacht war, dennoch so verwendet würde. Angelika Zahrnt, Wirtschafterin im Deutschen Rat für nachhaltige Entwicklung, sprach sich ebenfalls für neue Indikatoren aus, gab aber zu bedenken, dass sie wenig Wirkung hätten, wenn sie keine Konsequenzen nach sich ziehen würden.

Ein kleines Pro und viele Contras

Andere KonferenzteilnehmerInnen stellten Wachstum an sich in Frage, wie z.B. Tomáš Sedlacek, Ökonom am National Economic Council in Prag. Er regte an, nachzudenken, ob wir wachsen müssen oder wachsen wollen. Für Ulrich Thielemann vom Ökosozialen Forum Deutschland war Konkurrenz das größte Problem und Wachstum lediglich eine Folge davon. Elke Pirgmaier vom Sustainable Research Institute Vienna stellte klar, dass wir für eine Steady-State-Economy ohne Wachstum bereits „zu groß“ wären und schrumpfen müssten („Degrowth Economy“) um diese überhaupt erreichen zu können. Ihrer Meinung nach sei „business as usual“ riskanter, als Veränderungen auszuprobieren. Karl Aiginger, Leiter des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitutes, stellte dagegen fest, dass Arbeitslosigkeit und Armut steigen würden falls das Wirtschaftswachstum unter 3% sinken würde – eine Entwicklung, die politisch nicht durchführbar sei.

Ulrich Brand, Poltitkwissenschafter an der Universität Wien, rückte die Frage nach der Gestaltung ins Zentrum: Ob wir wachsen und in welche Richtung müsste partizipativ diskutiert und entschieden werden. Für ihn war die Tatsache, dass einige wenige für viele entscheiden enorm wichtig. Er ortete hier wesentliche Treiber für Wachstum – und weniger die Vielzahl freier Entscheidungen von Individuen, wie in kapitalistischen Gesellschaften gerne angenommen.

Darauf legten auch die VeranstalterInnen der Konferenz Wert und boten partizipative Methoden an. Im Weltcafé mit ca. 500 TeilnehmerInnen wurde in drei Runden folgenden Fragen nachgegangen: Was von dem, was ich bisher gehört habe, löst am meisten in mir aus? Was soll wachsen? Was soll sterben? Wachsen sollten v.a. Bildung, Partizipation, Kooperation, Gestaltungsspielräume, Ganzheitlichkeit, Eigenverantwortung, Wissen, Vernetzung und Zeitwohlstand. Hingegen würde niemand um Konsumrausch, Ressourcenverbrauch, Engstirnigkeit, Gier, Ausbeutung und Egoismus trauern.

Immer wiederkehrende Fragen

Im Workshop „Enegry Transition“ wurde u.a. in einem Aktionscafé in Kleingruppen der Frage nachgegangen, welche Erfolgsfaktoren nötig wären, um Innovationen von Nischen in etablierte Systeme zu bringen. Diese Frage wurde während der Konferenz öfters gestellt.

Der steirische Parlamentarier Josef Ober (ÖVP) machte deutlich, dass auch PolitikerInnen sich ohnmächtig fühlten und darauf hoffen würden, dass „irgendwer auf globaler Ebene uns rettet“. Die Agenda 21 hätte ihm in dieser Richtung die Augen geöffnet und mehr Selbstbewusstsein verliehen, dass Umsetzungen auf kleiner Ebene möglich und notwendig wären. Der Autor Christian Felber war der Ansicht, dass wir alle PolitikerInnen werden sollten, anstatt auf zuhörende PolitikerInnen zu warten. Als nächsten Schritt schlug er vor, in innovative Gesprächs- und Entscheidungsformen – wie z.B. Dialog, systemisches Konsensieren, Gewaltfreie Kommunikation – zu investieren und forderte, diese Methoden auch in schulischen Alltag zu integrieren. Für Frank Hensel, Executive Director von REWE International, war zur Frage, was Innovationen fördern könne, zentral, dass die KundInnen sich ändern müssten, da sie nur auf KundInnenwünsche reagieren würden, da diese sonst zur Konkurrenz gingen. Karin Küblböck von der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung, machte fünf Voraussetzungen deutlich, die für Veränderungen in Richtung sozial und ökologisch verträglicher Wirtschaftssysteme wichtig wären: Orte schaffen, an denen das Unvorstellbare gedacht und diskutiert werden kann; Ideen durch Förderungen in die Praxis führen; Einkommen und Macht umverteilen; strikte Regelungen für Steueroasen, Minimumlöhne, etc.; in Gruppen organisieren und Druck ausüben. Um so schwierige Themen in die Medien zu bringen, riet Christine Haiden, Chefredakteurin der Zeitschrift Welt der Frau, brauche es authentische Geschichten, die LeserInnen berühren würden.

Standing Ovations für SchülerInnen

Im Rahmen der ersten Konferenz 2010 hatte sich die Initiative SchülerInnen gestalten Wandel gebildet. SchülerInnen und Studierende nahmen daher erstmals an der Konferenz teil. Einer von ihnen prophezeite das Ende des Wachstums wie wir es kennen und verlangte von PolitikerInnen, ressourcensparende Unternehmen zu fördern. Ein anderer fragte, warum Kapitalismus so wichtig sei, dass wir versuchten, Natur monetär zu bewerten – anstatt zu bemerken, dass ein System, in dem Natur keinen Wert habe, nicht das richtige System sein könne. Für ihren abschließenden Aufruf „Lasst uns aufhören, nur darüber zu reden, lasst uns handeln!“ ernteten sie standing ovations.

Im Rahmen des letzten Podiumgesprächs versprach Mit-Veranstalterin Martina Schuster, Abteilungsleiterin im Lebensministerium, sich gemeinsam mit KollegInnen für die Besteuerung von Ressourcenverbrauch, die Entlastung von Arbeit, die Besteuerung von Finanztransaktionen, Transparenz, die Veranstaltung von Green Events, neue Beschaffungsaktionspläne und die Unterstützung kleiner Landwirtschaften einzusetzen.

Rita Trattnig aus dem Organisationsteam plädierte für ein optimistisches Selbstbewusstsein: „Gehen wir doch endlich davon aus, dass wir die kritische Masse sind!“

Die Nachlese zur 2. Internationalen Konferenz "Wachstum im Wandel" mit Videomitschnitten, Audobeiträgen und Präsentationen ist nun auch online.     

Theresa Heitzlhofer


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