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Viel Zukunft im neuen Jahr. Trends, Bestandsaufnahmen und Visionen

Drei neue Bücher informieren, analysieren und interpretieren ökologische und soziale Entwicklungen.

  


“Prediction is hard, especially if it’s about the future” – diese Zitat, das Nils Bohr (Nobelpreisträger für Physik 1922) zugeschrieben wird, ist natürlich eine Binsenweisheit, doch trifft auch die den Nagel auf den Kopf. Hier geht es nicht um Vorhersagen, sondern um Bestandsaufnahmen von Entwicklungen, die sich klar vor unseren Augen abzeichnen. Trends, die – so scheint es – nicht so einfach weggeredet werden können und dennoch von den meisten Entscheidungsträgern unseres Planeten nicht einmal ignoriert werden. Drei Bücher (das „Jahrbuch Ökologie – Wende überall?“, der „Zukunftsalmanach 2013“ und „Globale Trends 2013“) informieren, analysieren und interpretieren ökologische und soziale Entwicklungen: Prima vista: Der Traum vom ewigen (Wirtschafts-)Wachstum scheint ausgeträumt; „Wachstum im Wandel“ bleibt aber meist ein diffuses Etwas oder ein bedrohliches Szenario.

„Frieden – Entwicklung – Umwelt: Globale Trends 2013“ ist ein Standardwerk, das alle drei Jahre vom Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) an der Universität Duisburg und von der 1986 ? auf Initiative von Willy Brandt ? gegründeten Stiftung Entwicklung und Frieden (SEF) gemeinsam herausgegeben wird. Mit einer unglaublichen Fülle an aktuellen Daten, die in Tabellenform und mit Hilfe von Grafiken aufbereitet sind, werden aktuelle Entwicklungen und Zusammenhänge für die LeserInnen gut nachvollziehbar dargestellt.

            


Der „Zukunftsalmanach 2013? FUTURZWEI“ geht einen Schritt weiter: Der Sozialpsychologie und Kulturwissenschaftler Harald Welzer und sein AutorInnenteam versammeln in dem 351 Seiten Buch so genannte „Geschichten vom guten Umgang mit der Welt“. Im Eingangsessay zeichnet Welzer (aus dem Blickwinkel unserer „westlichen“ Gesellschaft) ein bestechend schafsinniges Bild unserer globalen Lage. Seine Analyse beschönigt nichts (die Fakten sind erschreckend!), jedoch schafft er es, den Bogen hin zur „Wiedergewinnung der Zukunft“ zu spannen: über die Notwendigkeit „eine neue Geschichte über uns selbst zu erzählen“ – darüber, wie wir in Zukunft sein wollen ? quasi eine Entwicklung einer persönlichen und gesellschaftlichen Lebens- und Überlebenskunst. Das heißt: weg von einer gefühlsmäßig erlebten ohnmachtsgeschwängerten realen Passivität großer Bevölkerungsgruppen hin zum (hoffentlich) selbstbestimmten Handeln. „Wir wissen genug“, sagt Welzer in einem Interview. Vor allem wissen wir, dass wir so wie bisher nicht weitermachen können. Worauf es ankäme? Dass wir endlich anfangen, aus dem Wissen Konsequenzen zu ziehen, die Theorie in Praxis verwandeln. „Futurzwei“ interessiert sich für die Leute, die sagen: „Ich mache das jetzt anders.“

Welzer selbst hat auch gehandelt: Er hat gemeinsam mit der Soziologin Dana Giesecke vor zwei Jahren „Futurzwei. Stiftung Zukunftsfähigkeit“ gegründet (originelle Website: www.futurzwei.org ).

Schwerpunktthema der 2013er Ausgabe von Futurzwei ist „Mobilität“. Mann und Frau lesen dort teilweise utopische Entwürfe, denen – auch wenn sie etwas realitätsfremd sind – positive, und optimistische Konzepte zugrunde liegen, die uns vielleicht ermuntern, bestimmte Verhaltensweisen und –muster zu ändern, anstatt weiterhin nach Ausreden zu suchen. Was auffällt ist, dass (auch) Welzer & Co ihr Vertrauen nicht in PolitikerInnen setzen, da diesen heutzutage oft der Gestaltungswille zu fehlen scheine ? Klientelpolitik gehe nicht selten vor, Sachpolitik und Inhalte blieben u.a. auf der Strecke. Daher hoffen die AutorInnen auf die Zivilgesellschaft, auf die Initiative von Einzelpersonen, NGOs und Unternehmen.

        


Im Jahrbuch Ökologie 2013 widmen sich die VerfasserInnen den Bereichen Energie, Verkehr, Landwirtschaft, Ernährung, Wirtschaft und Wissenschaft. Schwerpunkt der diesjährigen Ausgabe ist die Energiewende, die aus ökonomischer, sozialer, technischer und ökologischer Sicht beleuchtet wird. Das wirklich empfehlenswerte Jahrbuch ist einem sehr breiten Ökologiebegriff verpflichtet, der nicht abgehoben, sondern im Alltag verankert ist und das Verhältnis von Mensch und Natur, von Gesellschaft und Umwelt umfasst. Der Untertitel „Wende überall?“ ist bewusst als Frage und nicht als Diagnose oder Slogan formuliert. Gerne hätten die AutorInnen ein Rufzeichen gesetzt. Zwar spricht der zweite Untertitel von VorreiterInnen, er nennt aber in einem Atemzug auch NachzüglerInnen und SitzenbleiberInnen. Optimismus sieht anders aus, vermuten die LeserInnen. Doch in zahlreichen Beiträgen wird ein differenziertes Bild der „Wende“ in den unterschiedlichen Sektoren gezeichnet: Fehlentwicklungen werden schonungslos aufgezeigt, jedoch werden auch Projekte vorgestellt, die trotz großer Widerstände und anfänglicher Skepsis verwirklicht wurden, Projekte die heute „funktionieren“ und Mut machen.

Fazit: Die Zukunft hat bereits begonnen.

Thomas Parizek

Stiftung Entwicklung und Frieden (Hg.) (2012):
Globale Trends 2013: Frieden – Entwicklung – Umwelt.
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main. 351 S., EUR 16,99
ISBN 978-3-596-19423-0

Harald Welzer/Stephan Rammler (Hg.) (2012):
Der FUTURZWEI Zukunftsalmanach 2013. Geschichten vom guten Umgang mit der Welt. Schwerpunkt Mobilität.
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main. 463 S., EUR 16,99
ISBN 978-3-596-19420-9

Heike Leitschuh/Gerd Michelsen/Udo E. Simonis/Jörg Sommer/Ernst U. von Weizsäcker (Hg.) (2012): Jahrbuch Ökologie 2013 – Wende überall? Von Vorreitern, Nachzüglern und Sitzenbleibern.

Hirzel-Verlag, Stuttgart. 256 S., S. 2012, EUR 21,90 ISBN 978-3-7776-2278-1

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