Österreichisches Portal für Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung

Nachgelesen: Reichtum im postfossilen Zeitalter

Neuer Wohlstand auf einem begrenzten Planeten


"Nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist", wird Victor Hugo in einem der Essays, deren Sammlung das Buch "Neuer Wohlstand" ausmacht, zitiert. Diese optimistische Sicht setzt auf die Kraft der Aufklärung, auf die Emanzipation und die Partizipation der BürgerInnen. In Summe jedoch skizziert der Autor und Nachhaltigkeitsforscher Hans Holzinger ein wesentlich trüberes Bild – nämlich jenes der Nicht-Nachhaltigkeit praktisch all unserer Lebensbereiche in den westlichen Industrienationen. Die Essays entstanden mehrheitlich auf Basis von Vorträgen des Autors, sie können unabhängig voneinander gelesen werden, weisen dadurch aber eine gewisse Redundanz der Inhalte auf.

Das Buch thematisiert in einem breiten thematischen Bogen: die Art und Weise, wie moderne Gesellschaften Wissen generieren und Entscheidungen treffen, wie die massenhafte Überschwemmung mit Gütern durch den Eventkapitalismus abgelöst wird, welche Herausforderungen auf diesem begrenzten Planeten dringend angegangen werden müssen, wie ein neues Verständnis von Arbeit entwickelt werden kann, welche Macht KonsumentInnen ausüben können, und – für Bildung für nachhaltige Entwicklung vielleicht das interessanteste Kapitel – wie Lebensstile moderner Genügsamkeit aussehen können.

Dabei kommen in dem Buch auch viele VordenkerInnen zu Wort, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Lebensstilen und sozialer Gerechtigkeit und/ oder ökologischer Verträglichkeit bereits beschäftigt haben. Angefangen bei frühen KritikerInnen des Kapitalismus – diesen begreift der Autor als wesentlichen Aspekt nicht-nachhaltiger Lebensweise – bis zu gegenwärtigen MitdenkerInnen. Einig sind sich die meisten der TheoretikerInnen darin, dass wir zu viel Unnötiges konsumieren, dabei unsere Gestaltungskraft und gesellschaftliche Wirksamkeit verlieren, dafür am Burn-out Syndrom leiden, unsere Mitmenschen ausbeuten und unsere natürlichen Lebensgrundlagen ruinieren.

"Wie wollen wir leben?"

Das Buch porträtiert aber auch Lösungsansätze, wie uns ein Übergang zu einer Postwachstumsgesellschaft gelingen könnte – sowohl auf individueller als auch auf kommunaler, nationaler und internationaler Ebene. Holzingers Ansatz geht von einer Analyse des gegenwärtigen hegemonialen Wohlstandsdiskurses aus, der seiner Meinung nach von drei Ideologien bestimmt wird: der Ideologie der Knappheit, des unbeschränkten Wachstums und des permanenten Konsums – obwohl wir gleichzeitig bereits im Überangebot an Gütern ertrinken, Wachstum nur mehr außerhalb der realen und industrialisierten Welt möglich ist und Konsum zu einem Kompensations- und Suchtverhalten geworden ist.

Einmal mehr plädiert Hans Holzinger für eine Auseinandersetzung mit der grundsätzlichen Frage "Wie wollen wir leben?" ohne weder menschliche Würde noch ökosystemare Regenerationszyklen zu missachten. Dabei betont er mehrmals, dass es sich um eine zutiefst demokratische Entscheidung handeln muss. Souveräne demokratische Entscheidungen setzen allerdings voraus, dass möglichst viele EntscheidungsträgerInnen möglichst gut informiert sind – und dabei kann dieses Buch behilflich sein.

Theresa Heitzlhofer

Hans Holzinger: Neuer Wohlstand. Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten, JBZ-Verlag, Salzburg 2012. 256 S., 47 Abb., EUR 19,80
ISBN 978-3-902876-07-2

Mehr zum Buch: www.jungk-bibliothek.at

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