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MenschMikrobe: Eine Wanderausstellung im naturhistorischen Museum

Salmonella typhi © Abbildung: MPI für Infektionsbiologie, V. Brinkmann

Was sind Mikroben? Wie entstehen Infektionen? Wie lassen sich Seuchen kontrollieren? Ein Einblick in die rasante Entwicklung der Infektionsforschung seit Robert Koch, dem Mitbegründer der modernen Bakteriologie, und ihre unverändert hohe Bedeutung im 21. Jahrhundert wird in Saal 50 des Naturhistorischen Museums gegeben.

„MenschMikrobe“ ist eine Ausstellung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Robert Koch-Instituts (RKI) in Kooperation mit dem NHM Wien und dem FWF Wissenschaftsfonds. Ins Leben gerufen wurde die Wanderausstellung im Jahr 2010, anlässlich des hundertsten Todestages von Robert Koch, dem Mitbegründer der modernen Bakteriologie.

 

Vieles immer noch gültig, vieles neu

Robert Koch 1896 in einem Labor in Kimberley, Südafrika © Robert Koch-Museum

Durch die Entdeckung des Tuberkulosebazillus gelangte Koch zu Weltruhm. 1905 erhielt er den Nobelpreis für Medizin. Viele Antworten, die zu Kochs Zeiten gefunden wurden, sind heute immer noch gültig. Vieles andere, was man inzwischen über Infektionserreger und ihre faszinierenden Strategien weiß, ist überraschend und neu. „MenschMikrobe“ greift diese Perspektive auf und spannt einen Bogen von der Entdeckung der Mikroben durch Robert Koch und seine ZeitgenossInnen zu den Herausforderungen der heutigen Infektionsmedizin. Die Ausstellung gibt Einblick in das heutige Wissen über Bakterien, Viren und Parasiten – und verdeutlicht zugleich die historische und soziale Dimension der Seuchen.

 

Ein Rundgang zum Sehen, Hören und Mitmachen

Als ebenso fundierte wie allgemeinverständliche Schau richtet sich „MenschMikrobe“ an ein breites Laienpublikum und beantwortet mit zehn Themenstationen grundlegende Fragen – etwa nach der Natur der Mikroorganismen und der Funktion der Körperflora: "Das Ziel ist, den Menschen bewusst zu machen, dass wir mit Mikroorganismen leben, leben müssen", sagt RKI-Präsident Reinhard Burger. 

Weitere Stationen fragen nach den ökologischen und sozialen Entstehungsbedingungen von Epidemien, der Bedeutung und den Grenzen der Antibiotikatherapie und den Möglichkeiten der Krankheitsverhütung. Burger: "Welche Eigenschaften machen eine Mikrobe also zum Krankheitserreger, und wie kann man sich davor schützen, das ist die Frage.

Schnupfenvirus, Computermodell © Anna Tanczos, Wellcome Images

    
Alltagshygiene oft unterschätzt

Auch Themen der gegenwärtigen Alltagshygiene werden ausführlich dargestellt.  "Die Bedeutung der Basishygiene wird noch immer unterschätzt", meint RKI-Präsident Burger, regelmäßiges Händewaschen verringere die Gefahr vieler Infektionen, auch bei Erkältungen und Grippeviren. "Jeder Mensch fasst sich dauernd ins Gesicht, dadurch bleiben Virenpartikel aus Nasen- und Mundschleim an den Fingern haften - neben den Tröpfcheninfektionen ein wichtiger Übertragungsweg.“

Neue Ausstellungsdidaktik mit kleinen Schwächen

„MenschMikrobe“ einer modernen und abwechslungsreichen Ausstellungsdidaktik verpflichtet: Die Ausstellungswände aus Glas werden durch interaktive Exponate ergänzt, darunter eine virtuelle Pandemie-Simulation, ein Krankenhaus- Modell zum Explorieren von Infektionsquellen sowie ein überdimensioniertes Stoffbakterium, das die Wirkungsweise von Antibiotika verständlich macht. Aufwändig produzierte Audio-Features erzählen von den sozialen und kulturellen Auswirkungen historischer Seuchenereignisse wie der Pest im Mittelalter oder der Cholera- Epidemie 1892 in Hamburg.

Durch spezielle Kindertexte und eine eigene Kinderstation werden grundlegende Zusammenhänge für junge Besucher ab dem Grundschulalter aufbereitet.

Was allerdings kritisch angemerkt werden muss, ist die durch die Einfärbung der Glaswände oft schwere Lesbarkeit der Texte.

MenschMikrobe ist eine Ausstellung mit hohem Informationswert, erfordert dazu aber von dem/der BesucherIn doch einiges an Zeitaufwand und hohe Konzentration.

nhm/Red.

Ausstellungsansicht: Die Seuchen der Welt – Eine Zeitreise © Foto: NHM, Kurt Kracher

MenschMikrobe  
Sonderausstellung „MenschMikrobe“

Naturhistorisches Museum Wien/Saal 50

Bis 14.07.2013

Zur Ausstellung werden ein reichhaltiges Vermittlungssprogramm und viele Führungen angeboten – dazu auch spezielle Schulführungen und Workshops. Unter dem Menüpunkt „Schulen“ finden sich auch Materialien für den Unterricht im Zusammenhang mit einem Ausstellungsbesuch.

Infektionsforschung in Zahlen

  • In den verschiedenen Ökosystemen der Erde leben möglicherweise Millionen unterschiedlicher Bakterienspezies. Nur rund 5.000 von ihnen sind bekannt. Etwa 200 davon machen krank.
  • Im menschlichen Körper leben schätzungsweise hundert Billionen Mikroben. Das sind zehn Mal so viele, wie der Organismus Zellen besitzt.
  • Der Dickdarm ist einer der am dichtesten besiedelten bakteriellen Lebensräume überhaupt. Auf ein Gramm Darminhalt kommen etwa zehn Milliarden Bakterien.
  • Das Genom von Escherichia coli, einem normalen Darmbewohner, umfasst rund 5.000 Gene. Das Genom des Menschen circa 25.000.
  • Zusammen besitzen die Darmbakterien 150-mal so viele verschiedene Gene wie der Mensch.
  • Unter Optimalbedingungen im Labor kann sich E. coli alle 20 Minuten teilen. In der Natur braucht es dafür im Schnitt einen Tag.
  • Viele Bakterien besitzen Geißeln, mit denen sie sich fortbewegen. Die Geißeln arbeiten wie Schiffsschrauben und erreichen mehrere tausend Umdrehungen pro Minute.
  • Die Schnellschwimmer unter den begeißelten Bakterien legen in einer Sekunde das 20-Fache ihrer Körperlänge zurück.
  • Zehn Prozent der täglich vom Körper aufgenommenen Kalorien stammen aus Stoffwechselprodukten der Darmflora.
  • Das Pestbakterium Yersinia pestis zählt zu den Mikroorganismen mit dem höchsten Infektionspotenzial überhaupt. Die Übertragung von zehn Bakterien führt bereits zur Erkrankung.
  • Ein Grippevirus repliziert sich in der Wirtszelle bis zu 100.000 Mal. Der Malaria-Erreger kann sich in der Leber 20.000-fach vermehren.
  • Bei einer Erkrankung an Cholera verliert der Körper bis zu 20 Liter Wasser pro Tag.
  • Etwa zwei Millionen Menschen pro Jahr sterben weltweit an Durchfallerkrankungen, vor allem Kinder unter fünf Jahren.
  • Weltweit infizieren sich mehr als 300 Millionen Menschen jährlich mit Denguefieber.
  • Die Hälfte aller HIV-Infizierten auf der Welt sind Frauen.
  • In deutschen Kliniken ziehen sich jährlich 400.000 bis 600.000 Patienten eine Infektionskrankheit zu.
  • Rund ein Drittel aller Krankenhausinfektionen lässt sich durch eine gute Händehygiene des Behandlungspersonals vermeiden.

Martin Lindner (Kurator der Ausstellung)

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