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Konsum ohne Gesellschaft?


KonsumentInnen auf der Suche nach Teilhabe, Sinn und Ernährungssouveränität waren Gegenstand eines Vortrags von Gabriele Sorgo in der Reihe „Mut zur Nachhaltigkeit“ am 18. April in der Kommunalkredit Public Consulting in Wien.

 

Mit „flüssiger Moderne“ umschreibt der Soziologe Zygmunt Bauman u. a. auch die globalen Warenströme. Wie eine Sturzflut haben sie die Sozialsysteme zermalmt, damit  individualisierte KonsumentInnen dann Waren kaufen, obwohl sie Beziehungen suchen.

Auch gutes Essen besteht aus den Zusammenhängen, die ein Koch oder eine Köchin unter den Zutaten herstellen kann. Gutes Essen hält immer auch die Menschen untereinander sowie die Menschen mit ihrer Umwelt in erfreulichem Austausch. Ungerechter Tausch hingegen erschöpft nicht nur die materiellen Ressourcen der Benachteiligten, sondern vernichtet auf Dauer auch die ethischen Fundamente der Kulturen, die sich bereichern, und damit die Basis für sinnvolle Lebensführung. Denn Sinn ist unverkäuflich und kann nur in Gemeinschaft entstehen. Die Fakten sind längst bekannt, der Wandel hat schon begonnen.

 

Zur Veranstaltung ist in ORF-Science bereits ein Vorab-Interview mit Gabriele Sorgo  unter dem Titel „Warum 'bio' oft egoistisch ist“ in Textform erschienen.

Das Umweltbundesamt hat jetzt auch das Video der Veranstaltung und ein weiteres Interview veröffentlicht:

Video der Veranstaltung
Interview mit Gabriele Sorgo

 

Univ.-Doz. Mag. Dr. Gabriele Sorgo ist dzt. Gastprofessorin für Historische Anthropologie und ästhetische Bildung am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Innsbruck.


Literaturtipp:

Gabriele Sorgo (Hg.in):

Die unsichtbare Dimension
Bildung für nachhaltige Entwicklung im kulturellen Prozess
forum exkurse edition, Wien 2011. 192 S., EUR 14,- ISBN 978-3-900717-68-1


Kurzinhalt:

Alles Menschliche ist kulturell durchformt: essen, lachen, schlafen, sitzen. Verkehrsordnungen, Excel-Dateien und Supermärkte erscheinen uns gleichsam natürlich, weil wir in ihnen und durch sie sozialisiert worden sind. Die Nachhaltigkeitsforschung konzentriert sich bisher nur auf ökologisches, ökonomisches und soziologisches Verhalten, blendet jedoch die darin implizit wirkende Kultur aus. Nachhaltiges Verhalten sollte deshalb nicht nur logisch verständlich gemacht werden, sondern auch emotional und symbolisch in die alltäglichen Lebenszusammenhänge eingefügt werden können.

Die im vorliegenden Band versammelten Autorinnen und Autoren blicken aus ihren Forschungsfeldern auf den keineswegs endgültig definierten Begriff der Nachhaltigkeit. Ihre Beiträge zeigen aus den Perspektiven der historischen Forschung, der Psychoanalyse, der Organisationsentwicklung, der Sexualpädagogik sowie der kulturellen und ästhetischen Bildung und der Praxis- und Diskursforschung, dass die Einbeziehung der kulturellen Dimension einer Bildung für nachhaltige Entwicklung nachhaltige Impulse geben kann.

Zu beziehen über das FORUM Umweltbildung.


Veranstalter der Reihe "Mut zur Nachhaltigkeit“ sind das Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit der BOKU, Lebensministerium und Risiko:dialog (Umweltbundesamt, Radio Ö1, BOKU, BMWFJ, Lebensministerium, Austrian Power Grid) in Zusammenarbeit mit der Kommunalkredit Public Consulting GmbH und mit freundlicher Unterstützung der Hofer KG und der Stiftung "Forum für Verantwortung", Deutschland.

 

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