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„Fetish Modernity“: Eine Ausstellung über die real existierenden kulturellen Nachahmungs- und Austauschprozesse.


Kalenderblatt „The Fall of Satan“. Lagos, um 2002; Museum für Völkerkunde, Wien

Das Wort „modern“ ist uralt. Es stammt aus der Spätantike und diente seit damals dazu, Übergänge und Differenzen sichtbar werden zu lassen, wobei das Neue, welches das Alte ablöste, stets als modern bezeichnet wurde. Die „Modernität“ gibt also keine Richtung und keine Werte vor, sie betont nur die rasche Vergänglichkeit von Moden und Werten, die transitorischen und zufälligen Verknüpfungen, welche die ökonomische und technische Beschleunigung in der kulturellen Dimension bewirkt.

 

Fetischisierte Modernität


Sarg. Eric Kpakpo, Ghana, 2010 Holz, RMCA Tervuren; Museum für Völkerkunde, Wien

Das Museum für Völkerkunde zeigt im Rahmen einer Mitgliedschaft im EU-Projekt RIME „Ethnographische Museen und Kulturen der Welt“ Exponate, welche das Begehren nach Modernität zum Ausdruck bringen. Interkulturelle Kontakte lösen weltweit sowohl Abwehr des Fremden als auch Wünsche nach Veränderung aus, die in Artefakten, sowie in Alltags oder Kultpraktiken Niederschlag finden. Disco-Rhythmen beeinflussen kultische Tänze in Afrika, die Nasenscheibe eines Kriegers aus Melanesien besteht aus einer CD, statt Nägel werden Vorhangschlösser an der Statue einer magisch aufgeladenen menschlichen Holzpuppe aus dem Kongo befestigt. Solche Vorhangschlösser, die einen starken Wunsch oder ein Versprechen dokumentieren sollen, finden sich auch in den touristisch stark frequentierten Hauptstädten Europas an Zäunen oder Brückengeländern. Das Begehren richtet sich also nicht nur von den Armen zu den Reichen, sondern – darauf weisen einige Exponate explizit hin -  auch von den ökonomisch dominanten Gesellschaften auf die angeblich weniger modernen.

Die Ausstellung will aber nicht nur über die real existierenden kulturellen Nachahmungs- und Austauschprozesse informieren, sondern zugleich eine Kritik am Ausstellungswesen formulieren. Haben streng thematisch organisierte Ausstellungen oder überhaupt die Tatsache, dass es ein „Völkerkundemuseum“ gibt, bisher den Experten und bildungshungrigen Besuchern eine gewisse Unantastbarkeit zugesichert, so vertreibt diese Ausstellung alle Illusionen von Immunität oder von der Hierarchie etwaiger Entwicklungsprozesse. Das Moderne kann auch ein Rückschritt sein, oder ein Seitenschritt in den eigenen Schatten, sie ist jedenfalls infektiös und löst jegliche Konzepte von Überlegenheit, Reinheit oder Unschuld auf.

Der Titel der Ausstellung spielt bereits mit der europäischen Faszination für das „archaische Fremde“, welches als Projektion auf die Voyeure selbst zurück fällt.

Wir leben alle auf demselben Planeten, vermitteln die Bilder, Filme und Artefakte, wir sind alle Menschen, die nach Veränderung streben. Das bessere Leben wird dabei stets auf alles Neue projiziert, das die positive Veränderung bringen könnte. Doch insgesamt hält die Ausstellung auch einen dunklen Spiegel vor: Viele Auswirkungen der Globalisierung haben alles andere als positive Veränderungen gebracht. Auch sie gilt es als Teil der Moderne anzuerkennen und Verantwortung zu übernehmen.

 

Gabriele Sorgo

 

FETISH MODERNITY
Immer und Überall
Museum für Völkerkunde, Wien, Neue Burg
Bis 4. März 2013

www.ethno-museum.ac.at/de/ausstellungen/aktuell/fetish-modernity

 

Fotos

Kalenderblatt „The Fall of Satan“. Lagos, um 2002
Museum für Völkerkunde, Wien
Viele religiöse Gruppierungen wie neue charismatische Christliche Kirchen oder Pfingstgemeinden verwenden Poster, um ihre religiösen Vorstellungen zu transportieren.

Sarg. Eric Kpakpo, Ghana, 2010 Holz, RMCA Tervuren
Museum für Völkerkunde, Wien
Heute sind in Ghana Särge in der Form von Ikonen westlicher Modernität, zu denen etwa das Mobiltelefon zählt, äußerst beliebt und werden noch zu Lebzeiten bestellt.

Klimafrieden - Friedensklima

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