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Der Weltenwanderer: Zu Fuß um die halbe Welt


„oikos und nomos meinen das Management des Hauses, doch wie soll man das Haus managen, wenn man die Erde nicht kennt?“ – so begann Gregor Sieböcks Traum des WELTENwanderns.

Der gelernte Wirtschaftswissenschafter Gregor Sieböck begann sich nach Abschluss seines Studiums in Österreich, USA und Kuba mehr mit Umweltwissenschaften auseinanderzusetzen. Er hinterfragte den Begriff Ökonomie, der aus dem Griechischen kommt und kam zu obigem Schluss. Zur Zeit des Klimagipfels 2002 in Johannesburg setzte er sich mit Gandhis Weisheiten, wie „Du musst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen willst“, auseinander und beschloss, rund um die Welt zu gehen.

„Eines Morgens folgte ich meiner Sehnsucht: Auf dem Rücken ein Rucksack, in der Hand ein Wanderstock und im Herzen viele Träume. Ich ging in die Welt hinaus, um zu schauen, wohin mich meine Füße tragen. Jahre später erreichte ich nach der Durchquerung Europas und Amerikas das tausende Kilometer entfernte Neuseeland und spürte, was für ein unglaublicher Zauber im Zufußgehen verborgen ist. Seither breche ich immer wieder auf, schaffe mir Freiräume in meinem Leben und gehe. Mittlerweile verfolge ich kein fixes Ziel mehr und lasse so die Reise an den Wegkreuzungen stets auf's Neue entstehen, um dadurch der Kraft des Augenblicks Raum zu geben. Beim Gehen erlebe ich die Schönheit unserer Erde, erfreue mich an der Einfachheit des Lebens und spüre, dass im langsamen Reisen viele Sternstunden verborgen sind, die mich durch mein Leben tragen.“ (Gregor Sieböck auf Global Change)


„Mein Rucksack als wichtigster Lehrmeister“


Sieböcks erste Etappe führte ihn von Bad Ischl nach Tokio; er durchquerte dabei Europa bis Portugal, wanderte quer durch Patagonien, über die Anden, entlang der kalifornischen Küste, durch Japan und Neuseeland.

Dabei stellte sich sein „Rucksack als wichtigster Lehrmeister“ heraus. Schon beim Einpacken musste sich Sieböck zunächst damit auseinandersetzen, was es für ein gutes Leben brauche, stand er doch davor, drei Jahr zu gehen und in unserer Gesellschaft würde doch alles über Besitz definiert. Der Spruch „Geht´s der Wirtschaft gut, geht´s uns allen gut,“ eröffnete für Sieböck die Frage, wer denn mit „alle“ gemeint sei, galt für ihn doch eher, dass auf einer Wanderung mehr materieller Besitz eine größere Last darstellte und sich der Weg damit langsamer und beschwerlicher gestalten würde.

Eigenverantwortung

Auf der jahrelangen Wanderung stellte sich Sieböck die Frage nach seiner Eigenverantwortung. Er hatte eine umfangreiche Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, doch auf 4.000 Metern Höhe, mitten in den Anden, tagelang ohne Kontakt zu anderen Menschen, ohne Mobiltelefon („Es gibt eh keinen Empfang“), wie würde es da die Versicherungsgesellschaft überhaupt erfahren, wenn er ausgeflogen werden müsste?

Auf einem seiner nächsten Abschnitte stand er vor der Herausforderung, die kalifornische Küste entlang wandern zu wollen. Jedoch seien dort die Verkehrsstrukturen so beschaffen, dass es sich schwer gestalte zu Fuß voranzukommen. So musste er notgedrungen entlang der Highways wandern. Doch was zeigte ihm das? Einfach so, ohne Fortbewegungsmittel, sei es dort fast unmöglich, einen Weg zu finden.

Nach gut drei Jahren und 15.000 km Fußmarsch erreichte Sieböck schließlich sein Ziel.

„Den Weg im Gehen entstehen lassen“


Nach einigen Jahren brach er wieder auf, diesmal ohne fixes Ziel. Er wollte „den Weg im Gehen entstehen lassen.“ Dabei standen für ihn die Begegnungen mit Menschen im Vordergrund. Er fand sich dabei immer wieder konfrontiert mit Fragen wie „Wohin gehst du?“ und „Wie lange bist du unterwegs?“, die er jeweils mit einem Schulterzucken beantwortete. Dazu meinte er schmunzelnd: „Da bin ich dann schnell weiter gegangen, bevor sie mich einliefern konnten.“

Seine Intention hinter dem scheinbar ziellosen Wandern: „Wenn ich weiß, was ich suche, dann fokussiere ich mich nur darauf und finde nur das, was ich gesucht habe, aber nichts anderes.“

„Leave no trace“

Sieböcks vorrangigster Leitsatz ist, keine Spuren zu hinterlassen. Wenn er in der Früh sein Zelt abbaue, sei nicht zu erkennen, dass er da war. Er beziehe sich auch auf Senecas Weisheit „Nie ist zu wenig, was genügt“. Wenn er sein Zelt dann am Abend wieder aufschlage, versuche er dennoch, den Besitzer des Landstücks ausfindig zu machen und um Übernachtungserlaubnis zu ersuchen. Und sonst? „Ich habe ein grünes Zelt und kein rotes, und ich schnarche nicht,“ meinte er schmunzelnd.  

 

Anna-Maria Wiesner

 

Gregor Sieböck präsentierte seine Eindrücke und Erlebnisse im Rahmen des CSR-Circles am 13.03.2013. In diesem Rahmen diskutierten des Weiteren Mag.(FH) Andreas Zotz (Nachhaltige Tourismusentwicklung NFI/Naturfreunde International), Julia Balatka (Inhaberin Reisebüro Odyssee Reisen), Mag. Andreas Purt (Geschäftsführer Mostviertel Tourismus) und DI Dr. Klaus Reisinger (Geschäftsführer Allplan und ClimatePartner Austria) die Thematik des „Nachhaltigen Reisens“. Informationen zur Veranstaltung werden auf der  Website des CSR-Circles  verröffentlicht.

Zum Weiterlesen

Gregor Sieböck (2011):
Der Weltenwanderer. Zu Fuß um die halbe Welt.
Malik National Geographic Taschenbuch, München.
304 S., EUR 14,99 ISBN: 978-3492404181


Zum Weitersurfen

Der Weltenwanderer Gregor Sieböck:  www.globalchange.at

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