Österreichisches Portal für Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung

Dem Glück auf der Spur


In einem weltweit einzigartigen Projekt sind in Bhutan Beamte und Beamtinnen des Ministeriums für Glück acht Monate lang unterwegs, um mit dicken Fragebögen das Glück im Land zu ermitteln. Ein Roadmovie zum fernsten aller Ziele, dem Glück. Harald Friedl, Filmemacher, Schriftsteller und Musiker zeigt in seinem neuen Doku-Kinofilm "What Happiness Is" ein Land, das Filmaufnahmen bisher weitgehend unzugänglich war.

Das lange Zeit abgeschottete Land Bhutan will sich der Welt öffnen, ohne dem Materialismus zu erliegen. Es will sich modernisieren, ohne seine Seele zu verkaufen. Maßstab für die Entwicklung ist "Gross National Happiness", das Brutto-Nationalglück. Das weckt Erwartungen. Ernüchternd ist es dann schon, wenn eine junge Frau in einem Bergdorf auf 4000 Meter Höhe – traditionell gekleidet – dem bhutanischen Glücksbeamten auf die Frage, wann sie in letzter Zeit glücklich gewesen sei, antwortet: "Als der Handymast aufgestellt wurde und als ich ein Handy bekam."


Aber es war von Anfang an Intention des Regisseurs Harald Friedl, "dass der Film von der Glücksermittlung erzählt und nicht vom glücklichen Bhutan." Und so finden sich der Antworten viele. Friedl: "Wenn ich an den armen Mann denke, dessen Familie ihn nicht mag, dann ist mir seine Offenheit in besonders tiefer Erinnerung. Oder die Frau, die erzählt hat, wie gut es ist, als Mensch wiedergeboren zu werden. Man könnte ja auch als Ameise oder als Schwein geboren werden. Oder die lustigen jungen Frauen im Hochgebirgsdorf auf 4.000 Metern Höhe. Wenn man dort mal angekommen ist, erschöpft und fertig, und man trifft auf solche Frauen, die einem eine Mordsgeschichte von Lust und Leidenschaft erzählen, dann bleibt das unvergesslich."

Und so ziehen die ZuschauerInnen gemeinsam mit dem Treck der GlücksforscherInnen durch Bhutan, passen sich langsam an das Tempo der Handlung an und gewinnen von Einstellung zu Einstellung an Empathie für die Menschen mit ihren Wünschen, Ängsten und Sorgen.

Am Ende der mehrmonatigen Forschungsreise kehren die Teams in Begleitung der Filmcrew schließlich in die Hauptstadt Thimpu zurück. Statistisch gesehen bringt der umfangreiche und gut durchdachte Fragebogen klare Ergebnisse: 41% der BhutanerInnen bezeichnen sich als glücklich. Männer sind glücklicher als Frauen, Junge glücklicher als Alte und Menschen mit Bildung glücklicher als Ungebildete. Arbeitslose sind glücklicher als Arbeiter und Bauern. Singles glücklicher als Verheiratete. Besonders zufrieden sind die Menschen mit ihrer Gesundheit, der Natur, ihrer psychischen Verfassung und mit dem sozialen Leben.

Nun werden Vorschläge an die Politik erarbeitet mit dem Ziel, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen so zu verändern, dass das Wohlbefinden aller zunimmt.

Andere Länder haben angekündigt, dem Beispiel Bhutans zu folgen und bei sich zu ermitteln, wie die Menschen sich fühlen. Dass die Befragten dann mit der gleichen gelassenen Offenheit antworten, wie die BhutanerInnen, bleibt zu hoffen …


Wolfgang Sorgo


WHAT HAPPINESS IS
Ein Film von Harald Friedl
87 min | Sprache: Dzonghka, OmU | Farbe | Österreich 2012
www.whathappinessis.at

 

Stichwort Bhutan


Bis 1961 war Bhutan – tief im Himalaya gelegen, eingeklemmt zwischen Indien und China, zwischen eisigen Bergen im Norden und dichtem Dschungel im Süden – vollkommen isoliert. Ein Land so groß wie die Schweiz, mit 700.000 Einwohnern, davon 70% Bauern. Über 80% des Landes liegen auf über 2.000 Meter Höhe.

Es gab Bergpfade, keine Straßen, ehe eine geteerte Straße von Indien bis in die Hauptstadt Bhutans, Thimphu, kam. (Mit Indien schloss Bhutan 1949 einen Freundschaftsvertrag, demzufolge Indien die außenpolitischen Beziehungen Bhutans wahrnimmt und Wirtschaftshilfe leistet).

1974 kamen die ersten Touristen, 1982 wurde ein Flughafen gebaut, seit 1999 gibt es bhutanisches Fernsehen.

Nachgefragt

bei Harald Friedl (Regisseur)

Im Film wird von der soften Modernisierung in Bhutan erzählt – wie Westliches hereingelassen wird – wie Handy und Internet –, aber bei Plastik z.B. bestimmte Auflagen herrschen; dass McDonald’s unerwünscht ist. Wie haben Sie diese Entwicklung vor Ort wahrgenommen? Eine "nachhaltige" Modernisierung?


Friedl: In einem Internetforum wurde diskutiert, ob man McDonald’s in der Hauptstadt zulassen soll oder nicht. Die Mehrheit der Poster war eindeutig dagegen, "so was brauchen wir einfach nicht. Und außerdem ist es eh nicht gut, Fleisch zu essen, das widerspricht der buddhistischen Ethik."

Die Leute sehen  der Entwicklung anscheinend gelassen entgegen. Das ist natürlich buddhistisch gefördert, aber auch in der Hauptstadt scheint es bemerkenswert wenig Stress zu geben. Es gibt nur eine einzige Straßenkreuzung in Bhutan, die durch einen Polizisten geregelt wird. Früher gab es kurzzeitig eine Ampel, da haben sich die Leute aufgeregt, dass eine Ampel nicht so ästhetisch ist wie der Polizist mit seinen geschmeidigen Armbewegungen.

Bhutan durchlebt eine günstige Periode seiner Geschichte. Es geht aufwärts, das ist überall spürbar. Das Land wird liberaler, die Infrastruktur wird besser, es kommen Spitäler und Schulen, es herrscht Aufbruchsstimmung. Kritische Geister gibt’s auch. Sie haben vollkommen Recht, wenn sie sagen, dass zu viel Geld in die falschen Taschen geht. In Bhutan existiert auch kein paradiesischer Zustand, und es gibt auch dort absurde Dinge. Aber Bhutan macht sehr, sehr viele Dinge sehr richtig.

Immerhin, der Ansatz ist ja ein spannender …

Friedl: Am sympathischsten daran ist mir, dass die ganzen Fragen mit Wertediskussionen verbunden sind. So wichtig materielle Dinge und Infrastruktur auch sind, sie lassen sich in einer Wachstumsökonomie wie Bhutan durchaus erfüllen. Da ist nichts Utopisches daran. Entscheidend für das Wohlbefinden ist doch, in welchen Kontexten wir leben, wie wir familiär leben, in welchen Beziehungen und Freundeskreisen; wie wir uns psychisch fühlen; wie sicher wir uns in einem Land fühlen können und wie viel Schönheit uns die Natur jeden Tag gratis bietet; in welchem menschlichen Wertesystemen wir leben oder ob wir ständig mit unseren Werten in Konflikt geraten, mit unserer sozialen Umwelt, der Gesellschaft. Wenn solche Fragen mal ganz selbstverständlich Tag für Tag in einem Land erörtert werden, ist das schon ein fortschrittliches Konzept. Man kann nur hoffen, dass die Praxis halb so gut wird, wie die Ansprüche sind.

Klimafrieden - Friedensklima

© nito/shutterstock.com

BNE Sommerakademie

Termin: 20. bis 23. August 2018
Ort: Steinschaler Dörfl
LV-Nr.: 7320.000053 (KPH Wien/Krems)

Online-Anmeldung

Programmfolder

Facebook-Veranstaltung

auf Twitter: @forumumwelt #BNEsoak

Immer gut informiert mit unserem Newsletter, jetzt anmelden:




Weitere Websites des FORUM Umweltbildung

Logo Bildungslandkarte © FORUM Umweltbildung
Logo Bildungsförderungsfonds © FORUM Umweltbildung
Praxismaterialien © FORUM Umweltbildung
Cover Roadmap Weltaktionsprogramm © UNESCO
Cover Future Lectures © FORUM Umweltbildung
Logo CO2-Rechner © FORUM Umweltbildung
Bildung für nachhaltige Entwicklung - BEST OF AUSTRIA © FORUM Umweltbildung