Österreichisches Portal für Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung

Bildung in Österreich: Für morgen oder von gestern?


(C) Martina Draper, CSR-Circle

Im Rahmen des ersten CSR-Circles im heurigen Jahr beschäftigten sich dieser Tage im Dschungel Wien ExpertInnen mit einer etwas anderen Bildungsdebatte, bei der es um Kreativität, Zukunftsorientierung und das Sprengen von Grenzen ging.

„Durch Kunst eine eigene Bildung finden“

Stephan Rabl, Geschäftsführer des Dschungel Wien, eröffnete die Diskussion mit der Verknüpfung von Bildung mit Kunst und Kreativität: „Ich denke, jeder wird als Künstler geboren.“ Kinder seien neugierig und offen, erfahren jeden Tag das Leben neu und kennen keine Grenzen. Kreativität sei von Beginn an da, werde jedoch im Laufe der ersten (Schul-) Jahre verlernt und später erst wieder mühsam erlernt.
Rabls Meinung nach müssten zwei Dinge nachhaltig vermittelt werden: lesen, das als Symbol gesehen werden kann, um Zugang zu Wissen zu erlangen, und politische Haltung, die im weiteren Sinne den Umgang im gesellschaftlichen Zusammenleben meint.
„Wir können heute nicht sagen, was die richtige Bildung für die Zukunft ist. Durch Kunst können wir unseren Kindern jedoch lehren, eine eigene Bildung zu finden“, so Rabl.

Mag.a Heidi Schrodt, Vorsitzende der Initiative BildungGrenzenlos, meinte in ihrem Statement, sie nehme die Bildungspolitik in Österreich als unheimlich eingeengt wahr. Sie sehe momentan eine große Gefahr darin, dass durch die Messbarkeit, die mit den Bildungsstandards in die Schulen einziehe, die Lerninhalte nur noch auf die externen Überprüfungen, die prinzipiell nicht schlecht wären, abzielten. „Kreative Momente haben im Unterricht wenig Platz. Das ist jedoch das Gegenteil von dem, was mit Kompetenzorientierung gemeint war“, so Schrodt. Sie forderte eine kindgerechte, zukunftsorientierte Schule, die frei von Parteipolitik sei.


„Bildung fängt früh an“

Raphaela Keller, Vorsitzende des Österreichischen Dachverbands der Berufsgruppen der Kindergarten- und HortpädagogInnen (ÖDKH), bemerkte kritisch, Bildung würde sehr eng und rein kognitiv gesehen werden und nur auf eingespeichertes Wissen abzielen. Der Kindergarten würde in der Bildungsdebatte oft vergessen werden. Dabei fange Bildung früh an und „beinhaltet alle Kompetenzen, die ein Kind erlernen soll, um sein Leben gut zu meistern“, so Keller. Im Kindergarten würde beispielsweise die Basis für das Erlernen der Kulturtechniken gelegt und zwar auf spielerische, kreative und soziale Weise. Kinder könnten ohne den Druck von Noten nach eigenen Bedürfnissen handeln. Es zeige sich jedoch schon an der Schnittstelle vom Kindergarten zur Volksschule, dass viele Kinder schnell keine Lust mehr am Lernen hätten. „Dabei geht viel Potential verloren, da alle Kinder gute Fähigkeiten und Voraussetzungen haben“, meinte Keller.

Dr. Walter Emberger, Geschäftsführer von teach for austria, stellte das Konzept der Bildungsinitiative vor: HochschulabsolventInnen wirken in Mittelschulen als „inspirierende Lehrkräfte“. Dadurch soll neue Motivation entstehen, Talente entdeckt und ein „Funke entzündet“ werden. Lernen sei ein vielschichtiger Prozess, dessen Methoden und Möglichkeiten früh im Leben eines Kindes erkannt und gefördert werden sollten. „Gute Bildung soll für alle möglich sein, egal in was für einem Elternhaus die Kinder aufwachsen.“, so Emberger.


Weg von „geschlossenen Anstalten mit Massenkinderhaltung“

Am Ende waren sich die ExpertInnen einig: Bildungseinrichtungen müssten sich von den heute existierenden „geschlossenen Anstalten mit Massenkinderhaltung“ wegentwickeln – hin zu Lernzentren, die nach außen sowohl räumlich als auch geistig geöffnet würden. Bildungszentren, die Kultur und Soziales integrierten, könnten als „Kretzl-Zentren“ fungieren. Ein Bildungssystem der Zukunft müsse kreative und vielschichtige Auseinandersetzungen, die Umsetzung eigener Ideen und Projekte sowie eine ganz persönliche Bildung zulassen.


Anna-Maria Wiesner

 

Foto:
v.l. Sandra Majewski - GF no.sugar marketing pr; Cornelia Dankl - Nachhaltigkeitsbeauftragte der BONUS Vorsorgekasse AG; Heidi Schrodt - ehemalige Direktorin des Gymnasiums Rahlgasse, Vorsitzende BildungGrenzenlos; Stephan Rabl - GF DSCHUNGEL Wien; Raphaela Keller - Vorsitzende des ÖDKH; Walter Emberger - GF teach for austria; Roswitha Reisinger - GF LEBENSART/BUSINESSART; Reinhard Herok - Nachhaltigkeitsbeauftragter Gugler Cross media GmbH
(C) Martina Draper, CSR-Circle

CSR-Circle

Der CSR-Circle (www.csr-circle.at) ist ein offenes Netzwerk für MeinungsbildnerInnen und EntscheidungsträgerInnen, die an Nachhaltigkeitsthemen interessiert sind und diesen Wandel in Österreich unterstützen wollen. Austausch und Netzwerken stehen dabei im Mittelpunkt. Bei den Veranstaltungen werden vielfältige CSR-Themen aufgegriffen und auf humorvolle Art und Weise beleuchtet. Über sie zu lachen, statt nur darüber nachzudenken, führe zu Perspektivenwechsel und Leichtigkeit, so die VeranstalterInnen.

© Filmladen