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Generation Y, Generation Maybe und jetzt noch Generation Ego?

Ausstellung Megacool 4.0 JUgend und Kunst/Künstlerhaus Wien,  OMG BFF LOL, 2008 c)Loock Galerie, Berlin/ Charly White

Superflexibel, desillusioniert, unpolitisch. Der Jugend von heute, werden viele Eigenschaften zugeschrieben. Bernhard Heinzlmaier und Philipp Ikrath beleuchten in ihrem neuen Buch eine „Generation Ego“, die im Zuge gesellschaftlicher Veränderung mit Ökonomisierung und Werteverlust zu kämpfen hat.

Heinzlmaier und Ikrath, beschreiben eine Generation von IndividualistInnen, die nicht nach bestimmten Zielvorstellungen lebt, sondern nach einer „Maximierung des Glücks“ strebt, was diese zu einem ergebnisoffenen Prozess werden lässt. Traditionelle Werte verschwinden und Eigenschaften wie Belastbarkeit und Flexibilität sind zu kulturellen Leitplanken geworden, die einem Zwang der andauernden Selbstoptimierung unterliegen.

Ökonomisierte Werten führen in eine „Nicht-Gemeinschaft atomisierter Einzelwesen“

In der Diskussion um einen möglichen Werteverfall der jungen Generation positionieren sich die Autoren sehr trefflich. Aus den zahlreichen, ihnen vorliegenden wissenschaftlichen Forschungsergebnissen schließen die beiden Jugendforscher, dass Werte immer weniger aus einem innenliegenden moralischen Entscheidungsprozess hervorgehen, sondern zunehmend ökonomisiert werden. Der Mark sei weit in die Lebensbereiche der Menschen vorgedrungen und dominiere gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Handlungsmöglichkeiten. Gesellschaften seien in Märkte eingebettet und tickten nach deren Logik und Wertvorstellungen – so die beiden Autoren.
Die große Gefahr sei, dass die Jugend auf eine „Nicht-Gemeinschaft atomisierter Einzelwesen“ zusteuere, die ausschließlich mit Karriere, Konsum und der Arbeit am eigenen Selbst beschäftigt sei. Ein Zeitalter von EinzelkämpferInnen? Schuld daran seien nicht die Jugendlichen selbst, sondern eine Zeit in der Vorbilder keine rebellischen Revolutionäre sind, sondern „adrette Mitmacher“. „Nicht mehr das System soll verändert werden, sondern der eigenen Charakter, um sich besser ins System einpassen zu können.“

“Facebook Like“ statt Demonstrationsteilnahme

Die passive Rolle der Generation der Mitmacher spiegle sich auch in poltischen Angelegenheiten wieder. Die Jugend von heute demonstriere auf Facebook und nicht auf der Straße. Wenngleich sich zwar viele zu einem “Facebook Like“ überwinden können, bleiben sie Demonstrationen und Aktionen eher fern. Den Grund dafür ermitteln die Autoren in einem vorherrschenden Nutzendenken, das sich wenig gemeinschaftlich orientiert.
Die Autoren widmen sich der vorherrschenden Leistungsgesellschaft, in der Selbstdarstellung und Inszenierung immer wichtiger werden. Dieser Trend lässt sich im Medium 2.0. veranschaulichen. Auf Plattformen wie Facebook und Co wird das eigene Ich möglichst vorteilhaft vermarktet.

Veränderung derzeit nicht in Sicht

Der Ausblick der beiden Autoren in die Zukunft lässt wenig große Veränderungen erwarten. Die Tendenz richte sich nach einer Fortführung des Aktuellen. Schlussendlich bleibe jedoch ein Funken Hoffnung, denn Freundschaften und reale Beziehungen gewännen an Wertigkeit. Potenzial gebe es genug, ob sich eine anders gepolte Generation durchsetzen wird bleibt offen.

Integration von BNE in Bildungssystem umso notwendiger

In Bezug auf Bildung argumentieren die Autoren, dass ein Bildungssystem, welches rein auf Bedürfnisse des Arbeitsmarkts zugeschnitten sei, keine Individuen hervorbringen könne, die sich selbst und die Welt hinterfragen, sondern nur solche, die die Fähigkeit besitzen, sich an Anforderungen anzupassen und bestenfalls in der Lage seien, diese zu modifizieren.
 
Der Trend verlaufe dahingehend, so die Autoren, dass Bildungseinrichtungen und Institutionen einen immer größer werdenden Bereich der individuellen Lebenswelt einnehmen.
Dieser Umstand sinngemäß auf die BNE übertragen, macht die Integration einer „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ in das bestehende Bildungssystem umso notwendiger. Denn disziplinübergreifend zu denken und Zusammenhänge verstehen zu lernen, sind wichtige Fähigkeiten, um zukünftigen globalen und nationalen Herausforderung entsprechend zu begegnen. Damit sich Menschen zu emanzipierten und selbstbestimmten Persönlichkeiten entwickeln können, so auch die Autoren, brauche es nämlich vor allem den nötigen (Frei-)Raum, für kritische Reflexion seiner selbst und der Umwelt.

Das Buch ist eine spannende und unverzichtbare Analyse, die den Puls der Zeit trifft und in aller Deutlichkeit Erkenntnisse liefert, die für alle Generationen wesentlich sind. Eine Abrechnung mit einem System, welches nicht fähig ist sich selbst in Frage zu stellen, Sinn entleert Entscheidungen nach Maßstäben von Gewinn und Verlust trifft und Menschen uniformiert, die nach denselben Prinzipien handeln sollen. Ein notwendiger Aufruf an eine Generation und all jene, die mit ihr zu tun haben wollen, um vielleicht doch einen Lebenssinn abseits ökonomischer Dynamiken zu entwickeln.

Madeleine Pühringer


Bernhard Heinzlmaier/Philipp Ikrath:
Generation Ego. Die Werte der Jugend im 21. Jahrhundert.
Promedia verlag, Wien 2013.
206 S., EUR 17,90
ISBN 978-3-85371-7

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