Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Das Allmendedilemma am Beispiel des Fischteichspiels

© Susanne Schmich / PIXELIO

Unter dem Allmendedilemma (Tragödie vom Gemeinschaftsgut, Tragik der Allmende) versteht
man die Übernutzung eines Gemeinschaftsguts bzw. einer Ressource durch einige
Personen, die zunächst übermäßig profitieren, bevor schließlich alle unter den Folgen der
Übernutzung leiden – auch die Verursachenden selbst.
Klassisches Beispiel waren die „Allmenden“, gemeinsam genutzte Weiden, auf die Einzelne
immer mehr Tiere trieben, bis die Weide übernutzt war. Gemeinschaftsgüter gibt es viele:
Wasser, Luft, Lebewesen (z.B. Fischbestände), im weiteren Sinne auch die fossilen Ressourcen
der Erde. Ziel ist es, bei der Nutzung dieser Güter im Sinne einer Nachhaltigen Entwicklung
einerseits eine faire Verteilung zwischen den heute lebenden Menschen und andererseits
Bedacht darauf zu nehmen, dass auch folgende Generationen ihre Bedürfnisse noch befriedigen können.
Diese Lerneinheit zielt darauf ab, dass die Lernenden die eigene Mitverantwortung für die
Gemeinschaftsgüter der Erde erkennen, durch Kooperation und Kommunikation zur Lösung
von Problemen kommen und verstehen, wie das Allmendedilemma funktioniert.


ABLAUF

Spielvorbereitung

Für jede Gruppe wird ein Teller mit ca. 20 Salzfischli (Knabbergebäck) vorbereitet und mit einer Serviette zugedeckt. Die Lernenden werden in Gruppen von 3–6 Personen eingeteilt und sitzen um einen Tisch herum, auf dem die Schüssel mit den Salzfischli steht.


Spiel- 1. Runde

Nachdem die Pädagogin/ der Pädagoge die Spielanleitung vorgetragen hat beginnt die 1. Runde des Spiels.

Downloads für diese Phase:
Spielanleitung


Reflexion

Die Pädagogin/ der Pädagoge regt die Lernenden nun durch konkrete Fragen zur Diskussion an:
Welche Zusammenhänge gibt es zwischen den Ergebnissen?
• Gab es eine Gruppe, bei welcher der Fischbestand ausgerottet war?
• Warum?
• Wie lange hätte jede Gruppe noch weiter fischen können?
• Welches Prinzip steckt dahinter?

Man kann an dieser Stelle auch das Geheimnis lüften, um welche Menge die Fischbestände aufgestockt wurden.


Spiel- 2. Runde

Nun wird die 2. Runde gespielt. Die Lernenden dürfen diesmal miteinander reden.


Reflexion

Danach erfolgt erneut eine Reflexion. Mögliche Reflexionsfragen:
• Konnte mit dem Gemeinschaftsgut jetzt besser umgegangen werden?
• Welche Strategien haben die Gruppen entwickelt?
• Wie kann man möglichst viele Fische dem See entnehmen, ohne den Bestand zu gefährden?
• Wie hat sich jede/r einzelne im Vergleich zur ersten Runde verhalten?
• Ist es realistisch, dass sich die Fischbestände jährlich verdoppeln? Wovon ist das abhängig?



Von der spielbezogenen Reflexion kann langsam zur allgemeinen Reflexion übergeleitet werden:
• Welche Gemeinschaftsgüter kennt die Gruppe?
• Welche gibt es im eigenen Umfeld?
• Wie wird mit ihnen umgegangen?
• Wie steht es um die natürlichen Ressourcen? (Wälder, Wildtiere, Almen, Erdöl, Luft,…) Und wem gehören sie?
• Wie kann man diese Ressourcen und die Gemeinschaftsgebiete der Erde (z.B. Ozeane, Antarktis) weise nuten?

In der allgemeinen Reflexion sollte auch ein betriebswirtschaftlicher Bezug hergestellt werden:
• Nützen Unternehmen Gemeinschaftsgüter?
• Wie gehen sie damit um?
• Wer trägt die Kosten, wenn Unternehmen mit Gemeinschaftsgütern achtlos umgehen?
• In welchen Bereichen kommt es in diesem Kontext zu Problemen?
• Gibt es Lösungsansätze? Wenn ja, welche?



Kompetenzorientierte Lernziele

  • Die Lernenden sind nach der Lerneinheit in der Lage ihr eigenes Handeln im Rahmen des Fischteichspiels zu reflektieren.
  • Die Lernenden sind nach der Lerneinheit in der Lage die Bedeutung von abgestimmtem Handeln und Normen in Gruppen zu verstehen.
  • Die Lernenden sind nach der Lerneinheit in der Lage die Ursachen und Auswirkungen des Allmendedilemmas in eigenen Worten zu erklären.
  • Die Lernenden sind nach der Lerneinheit in der Lage zu beurteilen, bei welchen Gütern und Situationen es im Alltag zu einem Allmendedilemma kommen kann.
  • Die Lernenden sind nach der Lerneinheit in der Lage Lösungsansätze zum Allmendedilemma zu entwickeln und zu beurteilen.
  • Die Lernenden sind nach der Lerneinheit in der Lage in eigenen Worten zu erklären, inwiefern das Allemendedilemma mit Unternehmen in Zusammenhang stehen kann.

Besondere Hinweise

Besonderer Hinweis:
Es ist wichtig, dass die Pädagogin/ der Pädagoge das Spiel klar anleitet und die Reflexion moderiert.

Weiterführende Informationen:
• Bollmann-Zuberbrühler B. u.a. (2010): Systemdenken fördern. Systemtraining und Unterrichtsreihen zum vernetzten Denken 1.–9. Schulstufe, Zusatzblatt Aktivität T62. Schulverlag
plus 62
• ausführliche Spielanleitung inkl. Materialien: http://www.iconomix.ch/de/ > Lehrmaterial
> Allmendegüter
• zum Allmendedilemma: www.simonwhatley.co.uk/the-tradegy-of-the-commons

Zuletzt aktualisiert: 2015-03-10

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Altersgruppen:

15+

Dauer:

<60 Min.

Themenbereiche:

Naturwissenschaften, Lebensraum, Wirtschaft

Verwendete Methoden:

Fischteichspiel

Geeignet für:

  • Schule
  • außerschulische Jugendarbeit

Benötigte Materialien:

  • Teller
  • Servietten
  • Salzfischli (Knabbergebäck)
  • Papier und Stifte
  • ev. Augenbinden

Dieses Material wurde zur Verfügung gestellt von:

FORUM Umweltbildung
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