Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Rund ums Recyclingpapier

© christiaaane / PIXELIO

Ökologische Beschaffung

Der Einfluss der SchülerInnen und LehrerInnen auf die (ökologische) Beschaffung beschränkt sich auf die Alltagsbereiche, in denen sie zwar nicht die direkten Entscheidungsträger sind, jedoch durch ihre Meinung und Erfahrung das Konsumverhalten beeinflussen können und damit einen sehr wichtigen Beitrag zur Umweltentlastung leisten.
Die Kinder setzen sich mit Papier – ihrem hauptsächlichen Arbeitsmaterial – auseinander und gewinnen durch die Aktivität „Papierschöpfen“ Erkenntnisse und Erfahrungen über die Herstellung von Recyclingpapier. Durch diese Beschäftigung soll der sorgsame Umgang damit sowie Verantwortungsgefühl für die Umweltauswirkungen des eigenen Handelns angebahnt werden. Die Kinder sammeln Ideen zum sorgsamen Umgang und verarbeiten ihre Erkenntnisse und Erlebnisse in einem gezeichneten Bild bzw. in einem kurzen beschreibenden Text.


ABLAUF

Rund ums Papier

Welche Arbeitsmittel und Materialien brauchst du zum Arbeiten in der Schule? In einem gemeinsamen Brainstorming wird vom Bleistift bis zur Jausenbox alles auf ein Plakat geschrieben.
Danach findet ein Unterrichtsgespräch statt: Won welchem Material braucht man täglich ziemlich viel? (Papier) Woraus wird Papier hergestellt?
Es gibt verschiedene Papierqualitäten – hochwertiges weißes Papier braucht viele Ressourcen (frische Zellstofffasern, viel Wasser und Bleichmittel, Energie und damit viele Emissionen) Recyclingpapier braucht weniger Ressourcen. Für welche Zwecke braucht man schönes hochwertiges weißes Papier, wo kann man auch Recyclingpapier verwenden? Besser Recyclingpapier oder chlorfrei gebleichtes Papier kaufen.



Papier schöpfen – selbst Papier recyceln

Wie wird Recyclingpapier hergestellt? Überlegt gemeinsam, wie das funktionieren könnte. Dann wird gemeinsam Papier aus alten Zeitungen hergestellt:

1. Die Zeitungen Blatt für Blatt zerknüllen und in die Plastikwanne geben. Die Papierknödel mit Wasser übergießen, bis sie bedeckt sind. Diese Mischung ein bis zwei Stunden stehen lassen, damit das Papier gut angeweicht wird.

2. Das Fliegengitter mit der Schere je nach Bedarf in Formen schneiden (maximale Blattgröße A5) – dies wird das Schöpfgitter.Die dünnen Küchentücher werden mit der Schere in Stücke geschnitten - etwas größer als die Fliegengitterstücke. Anzahl: pro Blatt braucht man 1 Tuch – mindestens 1 kleines Tuch pro Schüler, am besten mehrere.

3. Die „Bütte“ wird vorbereitet: Das eingeweichte Papier mit den Händen grob zerkleinern, für die Feinarbeit dann den Stabmixer oder Malerquirl verwenden. Soviel Wasser dazu rühren, bis ein dickflüssiger Brei entsteht. Wenn manche Buchstaben noch zu erkennen sind, gibt das dem Papier eine „Recyclingnote“, mixt man es feiner erhält man ein gleichmäßig strukturiertes Papier.

4. Die Wanne mit der „Bütte“ auf den Tisch stellen, rundherum die alten Leintücher öfters zusammengefaltet auflegen, Schöpfgitter, Küchentücher und Nudelwalker bereitlegen. Für VolksschülerInnen ist es leichter, wenn zu zweit gearbeitet wird: ein Kind hat das Schöpfgitter, eines ein Küchentuch. Kind 1 nimmt das Schöpfgitter auf beide Hände und taucht es schräg in den Papierbrei ein. Beide Hände sind flach unter dem Gitter. So hebt es den Papierbrei heraus. Das meiste Wasser abrinnen lassen. Kind 2 gibt das dünne Küchentuch auf den Papierbrei. Kind 1 drückt vorsichtig Wasser mit beiden Händen aus, und stürzt alles verkehrt auf das Leintuch. (SCHÖPFGITTER OBEN!) Mit dem Nudelwalker wird das restliche Wasser ausgewalkt, indem man mehrmals fest über das Gitter rollt. Dabei verbinden sich die einzelnen Papierfasern, sodass das Blatt gut hält. Das Schöpfgitter vorsichtig ablösen. Das geschöpfte Papierblatt wird nun auf dem Küchentuch gelassen und so auf dem Wäscheständer zum Trocknen mit Wäscheklammern aufgehängt.

5. Am nächsten Tag ist das Papier trocken. Auf beiden Seiten mit dem Bügeleisen glatt bügeln (Stufe 3) und anschließend vorsichtig (es zerreißt leicht!) vom Küchentuch lösen. Falls das Papier mit Füllfeder beschrieben werden soll: etwas Tapetenkleister (2-3 Esslöffel) zum Papierbrei dazugeben, dann sollte die Tinte nicht verrinnen.

6. Variationen: färbiges Papier erhält man, wenn in die Bütte Holzbeizfarben oder Naturfarben (z.B. von gekochten roten Rüben, Zwiebelschalen, Spinat,…) eingerührt werden. Schmuckpapier kann man herstellen, in dem getrocknete Blüten in die Bütte eingerührt werden oder gepresste Blätter oder Blüten auf den Papierbrei am Schöpfgitter gelegt werden.


Umweltfreundlichere Materialien

Gemeinsam Ideen sammeln: Wo und wie könntet ihr in der Klasse Papier sparen? (z.B. die leeren Rückseiten von nicht mehr benötigten Zetteln oder Fehlkopien als Schmier- oder Konzeptpapier verwenden, beidseitig kopieren, weniger Kopien, Altpapier gewissenhaft sammeln…) Sammelt eure Ideen, schreibt sie auf ein Plakat und hängt es zur Erinnerung in der Klasse auf.


Verarbeitung und Dokumentation des Erlebten

Die Kinder dokumentieren ihre Erfahrungen und Erlebnisse des Papierschöpfens auf altersadäquate Weise: ErstklässerInnen malen ein Bild davon, ältere Kinder schreiben ihre Erlebnisse in wenigen Sätzen auf, ViertklässlerInnen verfassen eine kleine Anleitung des Papierschöpfens und berichten über ihre Erlebnisse. Das angefertigte Stück Papier wird der Dokumentation beigefügt und kann noch entsprechend verziert und präsentiert werden. Mit den Berichten kann ev. eine Ausstellung in der Klasse oder Schule gestaltet werden.


Weiterführende Aktivitäten

Basteln und Werken mit Altpapier:
• Aus alten Zeitungsblättern Streifen falten – damit können verschiedene Flechtwerke (z.B. Matten, Körbchen) hergestellt werden.
• Aus alten Zeitungblättern kleine Rollen drehen – auch daraus können verschiedene Gefäße oder Gebilde zusammengeklebt werden.




Kompetenzorientierte Lernziele

  • Die Kinder wissen, dass ökologische Beschaffung Ressourcen schont und damit dazu beiträgt, auch der nächsten Generation eine ausreichende Lebensgrundlage zu gewährleisten.
  • Die Kinder kennen Möglichkeiten, wie sie in ihrem eigenen Wirkungsfeld zur ökologischen Beschaffung bzw. Schonung der Ressourcen beitragen können.
  • Die Kinder kennen die wichtigsten Produktionsschritte der Herstellung von Recyclingpapier und haben sie selbst beim Papierschöpfen durchgeführt.
  • Die Kinder können ihren Erkenntnisgewinn und das im Unterricht erlebte (zeichnerisch oder schriftlich) wiedergeben und dokumentieren.

Konnex zum Lehrplan


Sachunterricht
  • „Die eigene Verantwortung gegenüber der Natur allmählich erkennen (…). Umweltbewusst handeln: Umweltverschmutzungen im eigenen Bereich vermeiden“ (I. Grundstufe)
  • „Erste Erfahrungen über die Herstellung von Waren sammeln. Einen einfachen Produktionsweg beobachten und zu überschauen versuchen.“ (I. Grundstufe)
  • „Im Umgang mit Stoffen sachgemäß und verantwortungsbewusst handeln. (…) Umweltgerechtes Handeln (…). Möglichkeiten zur Beseitigung und Wiederverwertung von Stoffen kennen lernen“ (II. Grundstufe)
Technisches Werken
  • „Form – Funktion – Fertigung: (…) selbst hergestellte, handwerkliche oder industriell gefertigte Gebrauchsgegenstände bzw. Konsumgüter hinsichtlich Funktion, Brauchbarkeit und Zweckmäßigkeit beurteilen lernen.“
  • „Möglichkeiten zur Entsorgung und Wiederverwertung kennen lernen.“

Besondere Hinweise

Für das Papierschöpfen (eine nasse Angelegenheit) ist ein geeigneter Raum notwendig (Werkraum, im Freien arbeiten...)
Ev. die Papierknödel bereits am Morgen einweichen, damit dann keine Wartezeit entsteht (diesen Punkt vorziehen).


Zuletzt aktualisiert: 2015-03-10

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Altersgruppen:

6-10

Dauer:

1-3 Std.

Themenbereiche:

Naturwissenschaften, Wirtschaft, Technik, Kreativität

Verwendete Methoden:

Brainstorming
Unterrichtsgespräch
Papier schöpfen
Text verfassen bzw. Bild zeichnen

Geeignet für:

  • Schule
  • außerschulische Jugendarbeit

Benötigte Materialien:

  • Plakate und dicke Stifte
  • alte Zeitungen
  • Plastikwannen
  • Stabmixer (oder Bohrmaschine mit Malerquirlaufsatz)
  • Fliegengitter aus Metall (im Baumarkt erhältlich)
  • Scheren
  • Küchenrolle (pro Kind mind. ein Blatt)
  • Nudelwalker
  • Wasser
  • alte Leintücher oder Handtücher
  • Wäscheständer oder Wäscheleine mit Wäscheklammern zum Trocknen

Dieses Material wurde zur Verfügung gestellt von:

FORUM Umweltbildung
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