Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Die "wahre" Ansichtskarte

© FORUM Umweltbildung

Die TeilnehmerInnen setzen sich zunächst in einem gemeinsamen Brainstorming und einer anschließenden Recherche mit dem Thema Littering auseinander. Beim Betrachten und Analysieren von Ansichtskarten oder Werbematerial von Urlaubsorten wird der Blick auf unsere Umgebung und die menschlichen Spuren gerichtet. Während die störenden menschlichen Spuren in Werbematerial sorgfältig ausgeblendet werden, sollen die TeilnehmerInnen selbst Fotos aufnehmen, die das Störende ins Blickfeld rücken. Mit den so gestalteten „wahren“ Ansichtskarten wird eine Ausstellung gestaltet.


ABLAUF

Was ist Littering?

Zum Einstieg wird der Begriff Littering auf die Tafel oder auf ein Plakat geschrieben und zunächst gemeinsam geklärt (Littering kommt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie „zumüllen“, „achtloses Wegwerfen von Abfall im öffentlichen Raum“). Die TeilnehmerInnen tragen nun stichwortartig alles zusammen, was ihnen zu diesem Thema einfällt, bzw. welche Erfahrungen sie damit bereits gemacht haben.
In einer kurzen Recherchephase von 10 Minuten werden weitere Informationen eingeholt. Dabei teilt sich die Gruppe in kleine Teams, wobei jedes Team ein bis zwei der folgenden Fragen bearbeitet.
• Was bedeutet Littering genau? Begriffsklärung
• Welche Gegenstände werden häufig „gelittert“?
• Welche Orte betrifft Littering häufig?
• Welche Folgen kann Littering haben?
• Mögliche Ursachen von Littering
• Littering und Müllentsorgung im Wandel der Zeit – ein kurzer geschichtlicher Abriss
• Abfall und Müll sprachlich betrachtet
Nach beendeter Recherche schreibt jedes Team seine Infos in wenigen Stichworten auf das Plakat rund um den Begriff Littering. In einer kurzen Runde werden die gesammelten Infos im Plenum vorgestellt.

Die "wahre" Ansichtskarte

Ansichtskarten und auch Plakate entsprechen zumeist der menschlichen Sehnsucht nach einer ästhetisch schönen Landschaft. Sie werden gestaltet, um Landschaften, Orte zu bewerben und erzeugen beim Betrachter auch eine Vorstellung von dieser Landschaft. Dazu müssen Bilder von bestimmten Standorten aufgenommen werden bzw. bearbeitet werden, um „Nichtschönes“, wie z.B. Müllhalden, Hochspannungsmasten, Abfalleimer ... auszublenden.
Der Blick richtet sich bei dieser Aufgabe nun auf das „Nichtschöne“, das Störende in der Landschaft. Das Taschentuch neben dem Enzian, der Abfall neben dem Denkmal. Mitgebrachte Ansichtskarten/Plakate, auf denen Landschaften oder auch Orte dargestellt sind, werden
analysiert:
• Was sehe ich, was wollen die Karten/Plakate über die Landschaft vermitteln?
• Welche Zielgruppe sollen sie ansprechen?
• Welche menschlichen Spuren sind wahrscheinlich vorhanden, aber nicht sichtbar?
Die TeilnehmerInnen werden nun in Zweierteams mit dem Fotoapparat losgeschickt, um bekannte Objekte, die sich gewöhnlich auf Ansichtskarten/Plakaten finden (Aussichtsplätze, Kirche, Uferbereiche ...), aus neuen Perspektiven zu fotografieren.
Beispielsweise: Seeufer mit Schwemmgut, historisches Gebäude mit einem überquellenden Mistkübel im Vordergrund ...



Fotoausstellung gestalten

Die fotografierten Postkartenmotive werden nun in der Gruppe gemeinsam angesehen (zunächst in digitaler Form auf dem Computer). Von allen Postkarten kann eine kleine Ausstellung in der Klasse oder in der Aula der Schule gestaltet werden. Dazu werden die Fotos ausgedruckt. Jedes Bild wird mit einem geeigneten Titel versehen und für die Ausstellung kann für die BesucherInnen gemeinsam oder arbeitsteilig eine Projektbeschreibung gestaltet werden.


Ansichtskarten verschicken

Die drei besten Postkarten werden ausgewählt, ausgedruckt und versendet (z.B. an den/die BürgermeisterIn und andere PolitikerInnen, an geeignete Medien,…). Auf die Postkarten können noch Verbesserungsvorschläge oder Apelle geschrieben werden.


Diskussion

In der Gruppe wird folgendes Statement diskutiert:
„Gerade Jugendliche gehören zu den Hauptverursachern des Litterings. Die Gründe, warum gerade sie für zunehmende "Vermüllung" mitverantwortlich sind, können in einer Rebellion und Auflehnung gegen unsere erwachsene Gesellschaft und deren Überreglement zu finden sein.“
Folgende Fragen können die Diskussion leiten:
• Findet ihr, dass diese Botschaft so stimmt?
• Was stimmt nicht daran, was ev. schon? Oder passt das gar nicht?
• Was würdet ihr dem entgegensetzen?
• Denkt ihr, dass Rebellion und Auflehnung ein Grund sind, zu „littern“?
• Was sind aus eurer Sicht die Gründe für Littering?




Kompetenzorientierte Lernziele

  • Die TeilnehmerInnen haben Überblickswissen zum Thema Littering.
  • Die TeilnehmerInnen können Aspekte Ihrer Beschäftigung mit dem Phänomen Littering auf kreative Weise (durch das Gestalten von Fotos) ausdrücken.
  • Die TeilnehmerInnen können sich mit dem Thema Abfall künstlerisch auseinandersetzen und ihre Werke hinsichtlich der Ästhetik besprechen und diskutieren.
  • Die TeilnehmerInnen entwickeln Bewusstsein für die Wahrnehmung des Umfeldes und Verantwortungsgefühl für eine saubere Umgebung.

Konnex zum Lehrplan


Biologie und Umweltkunde
  • „An konkreten Beispielen hat nachhaltige Entwicklung (vgl. Agenda 21, Aktionsprogramm der Vereinten Nationen zu Umwelt-und Entwicklungsvorhaben aus 1992) als zentrale Perspektive zukünftiger Entscheidungen deutlich zu werden. Aktivitäten im fachübergreifenden Kontext bieten sich hier besonders an.“
Bildnerisches Gestalten
  • „In der bildnerischen Auseinandersetzung mit der Natur und mit Objekten aus der Lebensumwelt Sachverhalte beobachten, sich in formale Beziehungsgefüge einfühlen und aus sinnlicher Anschauung rationale Erkenntnisse entwickeln können.“
  • „Studien vor dem Objekt als Möglichkeit der Erschließung, Interpretation und Dokumentation von Realität erfahren sowie den Formenreichtum der Natur als Inspirationsquelle nutzen lernen.“
  • „Ästhetische Phänomene analysieren, strukturieren und interpretieren sowie anschaulich und sprachlich kompetent darbieten können.“
  • „Die Wirkung der bildnerischen Mittel im Hinblick auf den Realitätsgehalt medial vermittelter Botschaften erkennen können.“

Besondere Hinweise

Die Einheiten finden zum Teil im Freien statt.

Zuletzt aktualisiert: 2015-03-10

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Altersgruppen:

15+

Dauer:

1-3 Std.

Themenbereiche:

Sprache, Kreativität

Verwendete Methoden:

Brainstorming
Recherche
Analyse von Ansichtskarten
Fotografieren von Ansichtskarten
Gestalten einer Ausstellung
Diskussion

Geeignet für:

  • Schule
  • außerschulische Jugendarbeit

Benötigte Materialien:

  • Digitalkameras
  • Plakat und Stifte
  • Internetzugang
  • verschiedene Ansichtskarten oder Werbematerial für Urlaubsorte
  • Fotodrucker (die Fotos können auch in einer Drogerie als Sofortbilder ausgedruckt werden)

Dieses Material wurde zur Verfügung gestellt von:

FORUM Umweltbildung
Homepage

Weitere Umsetzungsvorschläge zum Thema Abfall:

 Story of Stuff
 Die Geschichte der Dinge
 Die Akte Plastik - Umweltdetektive am Werk


Methodenbeschreibung:

 So funktioniert Brainstorming