Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Wer gestaltet den öffentlichen Raum?

Basierend auf der Frage „Wer gestaltet den öffentlichen Raum?“ setzen sich die Jugendlichen mit Fragen der Mobilität und Verkehrsplanung auseinander. Durch das Basteln und Ausprobieren eines „Gehzeuges“ wird der Platzbedarf von PKWs aufgezeigt und in Frage gestellt. Alternative Verkehrskonzepte werden angedacht und diskutiert.


ABLAUF

Brainstorming

Die TeilnehmerInnen wärmen sich mit einem kurzen und raschen Brainstorming zur Frage „Welche Vorteile bzw. Nachteile hat ein PKW?“ auf. Dabei wird eine Tafelhälfte für die Vorteile und eine Hälfte für die Nachteile reserviert, die TeilnehmerInnen gehen zur Tafel und schreiben spontan ihre Einfälle dazu auf.
Die Vorteile und Nachteile werden im Plenum kurz gegenübergestellt und gewichtet. Danach wird der Aspekt des Platzverbrauches in den Mittelpunkt gerückt.
Die TeilnehmerInnen sollen schätzen, wie viel Platz ein durchschnittlicher PKW braucht und diese Fläche am Boden mit Klebeband oder Kreide markieren. Danach wird die tatsächliche Größe (Mittelklassewagen durchschnittlich 4,30 x 1,70m, ein Parkplatz 5x2,50m) ausgemessen und die Markierungen am Boden korrigiert.



„Gehzeug“ entwerfen und basteln

Die TeilnehmerInnen sollen nun ein „Gehzeug“ erschaffen, das der Größe eines ausgewählten oder bestimmten PKWs entspricht und das von mehreren Personen leicht getragen werden kann. Als Grundmaterial soll hauptsächlich Abfall (z.B. Kartoons, leichte Holzlatten, Plastikflaschen, die zusammengebunden werden,…) verwendet werden. Dazu können mehrere Kleingruppen gebildet werden, die jeweils ein eigenes „Gehzeug“ basteln. Zunächst wird in der Kleingruppe überlegt, wie dieses Gefährt aussehen und konstruiert werden könnte. Hilfreich ist auch, eine Skizze anzufertigen. Danach werden die „Gehzeuge“ mit vereinten Kräften gebastelt. Die fertigen Werke können noch mit Plakatbotschaften für PassantInnen versehen werden.
Hinweis: Als Anregung zur besseren Vorstellung können im Internet Bilder zu "Gehzeugen" gesucht werden.


"Gehzeug"-Tour

Es wird eine kurze Route überlegt, die mit den Gehzeugen beschritten werden kann (optimal wäre eine Fußgängerzone oder eine Spielstraße). Sollte die Route über Straßen führen, so muss in jedem Fall bei der Polizei angefragt werden, was dabei zu beachten ist. Die „Gehzeuge“ werden nun ausgeführt.
Ein oder zwei TeilnehmerInnen sind dafür zuständig, die Aktion zu fotografieren und/oder zu filmen.



Reflexion

Nach der kurzen Tour werden in der Gruppe die Erlebnisse und Erfahrungen ausgetauscht: Welche Schwierigkeiten sind aufgetreten? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Womit habt ihr nicht gerechnet? Wie haben PassantInnen reagiert? Wie war euer Gefühl gegenüber PassantInnen?


Diskussion

Im Plenum wird diskutiert: Was haltet ihr von dem Konzept der autofreien Stadt? Welche Vorteile bzw. Nachteile würde dies für BewohnerInnen, TouristInnen, oder alle, die in einer Stadt aus verschiedensten Gründen zu tun haben, bedeuten? Was würde das für euch persönlich bedeuten (als StadtbewohnerIn oder wenn ihr in eurer nächstgelegenen Stadt zu tun habt)?
Welche alternativen Verkehrskonzepte könntet ihr euch vorstellen? Welche Ideen habt ihr, um den motorisierten Verkehr in der Stadt einzuschränken?
Haltet eure Ideen auf Plakaten fest.



Weiterführende Aktivitäten

Aus den entstandenen Werken und Dokumenten („Gehzeug“, Skizzen, Plakaten, Fotos,…) kann eine Dokumentation erstellt werden, die als Ausstellung, als Bericht in einer Zeitung, als Präsentation bei einer Veranstaltung,…. anderen interessierten Menschen zugänglich gemacht werden kann.



Kompetenzorientierte Lernziele

  • Die TeilnehmerInnen wissen um den Platzaspekt bei Verkehrsplanung und Mobilität bescheid und sind in der Lage, die Vor- und Nachteile von PKWs und in weiterer Vorstellung einer autofreien Stadt zu diskutieren.
  • Die TeilnehmerInnen kennen alternative Verkehrskonzepten und sind in der Lage, ihre Vor- und Nachteile zu diskutieren.
  • Die TeilnehmerInnen können durch kreatives Gestalten und eine aktionistische Unternehmung Erfahrungen und zusätzliche Fähigkeiten für sich und in der Gruppe gewinnen.

Konnex zum Lehrplan


Geographie und Wirtschaftskunde
  • „Die Raumordnung als gestalterisches Element auf kommunalpolitischer Ebene kennen lernen und ihre Auswirkungen beurteilen“ (8. Klasse)
  • „Umweltprobleme expandierender Stadtregionen erkennen“ (8. Klasse)
Biologie und Umweltkunde
  • „Umweltprobleme und deren Ursachen am Beispiel Klimawandel diskutieren und Lösungsmöglichkeiten im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung aufzeigen“ (6. Klasse)
  • „An Hand eines ausgewählten regionalen oder globalen Beispiels betreffend Energie, Verkehr oder Tourismus die Charakteristika nachhaltiger Entwicklung kennen lernen und Realisierungsmöglichkeiten diskutieren“ (7. Klasse)

Besondere Hinweise

Wenn das „Gehzeug“ auf Straßen benützt werden soll, muss vorher bei der Polizei angefragt werden, was dabei zu beachten ist.

Zuletzt aktualisiert: 2016-05-18

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Altersgruppen:

15+

Dauer:

1/2 Tag

Themenbereiche:

Sprache, Lebensraum, Kreativität, Soziales

Verwendete Methoden:

Brainstorming
kreatives Gestalten
Aktion „Gehzeug-Tour“ mit Reflexion
Diskussion

Geeignet für:

  • Schule
  • außerschulische Jugendarbeit

Benötigte Materialien:

  • Geeignete Materialien aus Abfall zum Basteln des „Gehzeugs“ (Kartons, dünne Holzleisten, Plastikflaschen,…) und geeignete Werkzeuge zur Bearbeitung (Stanleymesser, Tucker, Scheren, ev. Hammer und Nägel,…)
  • Klebe-, bzw. Gewebeband
  • ev. auch Malfarben,buntes Papier, Plakatstifte zum Anbringen von Botschaften am „Gehzeug“
  • Plakate und Stifte für die Diskussion
  • Flipchart oder Tafel für das Brainstorming
  • Fotoapparat und/oder Filmkamera

Dieses Material wurde zur Verfügung gestellt von:

FORUM Umweltbildung
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