Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Der mögliche Effekt des „abrupten Klimawandels“

Abrupter Klimawandel bedeutet eine markante Klimaänderung in sehr kurzer Zeit (Jahrzehnte bis Jahrhunderte). Sollte es in der Zukunft zu einer Abschwächung oder zu einem Erliegen des Golfstroms kommen, hätte das dramatische Auswirkungen für das Klima in Europa.

Das Phänomen des abrupten Klimawandels ist bereits seit einigen Jahren bekannt und wird intensiv erforscht. Es werden u.a. die Entwicklung von Meeresströmungen und der Salzgehalt der Meere untersucht.

Die zunehmenden globalen Temperaturen führen zu einer stärkeren Verdunstung in tropischen und subtropischen Teilen unserer Meere. Durch die verstärkte Verdunstung kommt es zu einer Anreicherung von Salz im Meerwasser, was durch Messungen bestätigt wird.

Das Meer in tropischen Breiten wird immer salziger. Offensichtlich verdunstet immer mehr Wasser und geht als Niederschlag – insbesondere in nördlichen Breiten – wieder nieder. Der Wasserkreislauf wird beschleunigt, was übrigens durch den vermehrten Anteil an Wasserdampf in der Atmosphäre den  anthropogenen Treibhauseffekt zusätzlich verstärkt. In den nördlichen Breiten fließt also bedingt durch mehr Niederschlag und die zunehmende Eisschmelze mehr Wasser ins Meer.
 

Wenn der Golfstrom nicht mehr strömt

Das Meerwasser zirkuliert um den ganzen Planeten – man spricht von einem „Ocean Conveyor“, quasi einem weltweiten Förderband. Einer der wichtigsten Teile dieses Förderbandes ist der Golfstrom und der Nordatlantik. Mit dem Golfstrom kommt relativ warmes Wasser nach Norden, es kühlt ab und sinkt in die Tiefe, da der Salzgehalt des Wassers relativ hoch ist.

Heute kommt aber aufgrund des erhöhten Niederschlags und der vermehrten Eisschmelze immer mehr Frischwasser in den Nordatlantik. Der Salzgehalt sinkt merklich.

Besonders zwischen 1995 und 2000 ist nach dieser Abildung das Wasser immer weniger salzig geworden. Frisches Wasser ist leichter und sinkt nicht mehr ab - die Meeres-Zirkulation kommt möglicherweise zum Erliegen! Da das Wasser nicht absinkt, kann das Wasser des warmen Golfstroms immer weniger in den Norden gelangen. Schließlich könnte der Golfstrom - wie wir ihn kennen - versiegen.

Zu erwarten sei, dass jetzt bewohnbare, landwirtschaftlich genutzte Gebiete im Norden nicht nutzbar und möglicherweise unbewohnbar werden, meldeten Medien im Jahr 2000. Auch ist mit weltweit veränderten Windverhältnissen und weniger Niederschlägen in vielen Bereichen der Nordhalbkugel zu rechnen.

Im August 2007 wurde 'Entwarnung für das allmähliche Versiegen des Golfstroms' gegeben. Neue Untersuchungen zeigen: Der Nordatlantikstrom bleibt entgegen aller Warnungen doch stabil.

Der Forscher Hary Bryden vom Nationalen Zentrum für Ozeanographie in Southampton trat 2004 mit einem erschreckenden Ergebnis an die Öffentlichkeit: Im November 2004 sei der Golfstrom für zehn Tage gänzlich zum Erliegen gekommen. Die warme Strömung aus dem Süden transportiere ein Drittel weniger Wasser als 48 Jahre zuvor, berichteten Forscher damals.

Daten, die im Wissenschaftsmagazin Science im August 2007 veröffentlicht wurden, zeigen, dass die nordwärts fließende Wassermenge stark schwankt. Brydens Ergebnis lag im Bereich der natürlichen Schwankungen. Es war daher ein voreiliger Fehlalarm, das Erliegen des Golfstromes voraus zu sagen.
 Zum Artikel (Standard 08/2007)

Viele Aspekte darüber ob bzw. wie sich die 'Warmwasserpumpe Europas' durch den Klimawandel verändern wird, sind noch Gegenstand der aktuellen Forschung -- neue Erkenntnisse sind laufend zu erwarten.

Im aktuellen  IPCC-Bericht 2007: Synthesis Report (Zusammenfassung) können Sie die aktuellen Erkenntnisse rund um die Klimaänderung nachlesen.
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-10

 zurück zur vorigen Seite