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Auch in Österreich: irreparabler Schaden durch Erwärmung

Meteorologe prognostiziert mildere Winter und ein mögliches Austrocknen von Flüssen wie zum Beispiel dem Inn

Der Standard, 20.4.2004

Mildere Winter, austrocknende Flüsse, Überschwemmungen, eine längere Vegetationsperiode ... Auswirkungen der globalen Erwärmung erklärte der Meteorologe Gerhard Berz in Innsbruck.


Innsbruck - Die globale Erwärmung wird auch in Tirol zu milderen Wintern führen. Flüsse wie etwa der Inn könnten austrocknen. Das erklärte der deutsche Meteorologe und Leiter des Bereichs Geo-Risiko-Forschung der Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft, Gerhard Berz, bei einem Vortrag am Montagabend in Innsbruck.

Die Anzahl der Naturkatastrophen nehme mit der Klimaveränderung weiter zu. Der Mensch trage wesentlich zum Treibhauseffekt und zur globalen Erwärmung bei. Dabei werde viel ireparabler Schaden angerichtet. Wenn der Kohlendioxidausstoß nicht wesentlich veringert werde, komme es zu einem Temperaturanstieg von 0,5 bis zu sechs Grad Celsius bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. Kohlendioxid habe eine Verweildauer in der Atmosphäre von etwa rund 100 Jahren.
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Abschmelzungsprozess

Die Alpen gelten als sehr sensible Zone. Die Auswirkungen der Klimaveränderung seien hier deutlich sichtbar. Die Gletscher schmelzen seit den 80er Jahren immer weiter ab. Je weniger Gletschermasse vorhanden sei, desto schneller verlaufe der Abschmelzungsprozess. Flüsse, wie etwa der Inn, wurden im vergangenen besonders heißen Sommer fast nur von Schmelzwasser gespeist. Bleibe dies aus, so würden diese Flüsse rasch austrocknen.
 Auswirkungen auf die Ökosysteme der Alptenregionen


Blitze und Regen

Jedes Grad Erwärmung lasse die Anzahl der Blitze verdoppeln. So habe man im Sommer 2003 in Deutschland in einem Monat rund 900.000 Blitze gemessen. Man gehe davon aus, dass die Sommer in Mitteleuropa heißer und trockener und die Winter nässer werden. Dabei handle es sich beim Niederschlag um Regen. Das Wasser werde nicht mehr wie etwa bei Schnee gespeichert, es fließe sofort ab. Man müsse daher mit mehr Überschwemmungen rechnen. Auch die Sturmwahrscheinlichkeit im Winter erhöhe sich.
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Längere Vegetationsperiode

Die globale Erwärmung könne durchaus positive Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben. Der Herbst beginne später. Dadurch ergebe sich eine längere Vegetationsperiode. Der erhöhte Kohlendioxidanteil trage zu einer Düngung bei. Voraussetzung für verstärktes Pflanzenwachstum sei jedoch ausreichend Wasser. Düreperioden und Trockenheit werden jedoch ebenfalls wahrscheinlicher, erklärte Berz.
 Auswirkungen auf die Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung


Gegenmaßnahmen

Konsequente Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge könnten eine Trendabschwächung bringen. Als Klimaschutz könne unter anderem die Einsparung von Energie dienen. Rund 30 Prozent seien hier ohne Beeinträchtigung der Lebensqualität etwa durch Isolierungen herauszuholen. Außerdem müsse die Sonnenenergie besser genutzt werden. Kohlendioxid könne durch Aufforstungsmaßnahmen in Holz gespeichert werden. Wichtig sei jedoch, jetzt Maßnahmen zu setzen für die in Zukunft zu erwartenden Werte. Sonst gebe es keine langfristigen Auswirkungen und die Situation könne sich nicht bessern, warnte Berz. (APA)

Anmerkung: Beiträge in Tageszeitungen spiegeln immer eine aktuelle tagespolitische Diskussion wider. Der hier vorgestellte Artikel soll als Beispiel dafür dienen, dass tagespolitische Themen einen sehr guten Ausgangspunkt bieten, um im Unterricht fächerübergreifende Zusammenhänge herzustellen.
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-10

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