Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Pro und Contra ökologischer Fußabdruck

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Pro: Bewusstseinsbildung

Der ökologische Fußabdruck legt eine Lösung der behandelten Probleme durch eine Reduktion des Verbrauches an Ressourcen und Transportmitteln nahe. Indirekt weist der Footprint eine technische Lösung zurück und setzt stattdessen eine Bewusstseinsbildung in Gang.

Pro: Abgrenzung

Der ökologische Fußabdruck kann eine nachhaltige Entwicklung (oder das Gegenteil) aufzeigen und bietet die Möglichkeit, eine Grenze zu ziehen bis zu der die Erhaltung der Biodiversität gesichert bleibt. Der Footprint ist als 'ökologische Bottom-Line' zu betrachten. Diese Linie dient als Indikator für Mindestbedingungen, die eine nachhaltige Entwicklung erfordert.

Pro: Kommunizierbarkeit - nüchterne Zahl mit hoher Aussagekraft

Wir können uns Flächendimensionen gut vorstellen, indem wir einen Vergleich anstellen. Die Darstellung des Footprints als Fläche (1 ha entspricht einem Fußballfeld) erleichtert die Visualisierung und spricht unser Vorstellungsvermögen an. Das bedeutet: Die Reduktion auf eine rein quantitative Messgröße ist trotz vieler Nachteile auch den Vorteil der einfacheren Verständlichkeit und Kommunizierbarkeit.


Pro: Signalwirkung

Plastische Einzelindikatoren - wie der ökologische Fußabdruck - können über Vergleiche mehrerer Varianten wichtige Einsichten liefern und haben eine große Signalwirkung. Somit liefert der Footprint einen entscheidenden Beitrag in der öffentlichen Diskussion über die Akzeptanz des Konzeptes der Nachhaltigkeit. Der ökologische Fußabdruck illustriert, dass wir alle (jeder Einzelne, Kommunen, Staaten) beitragen müssen, um die Belastung der Natur zu veringern.

Pro: Planungs- und Politikrelevanz

Der Footprint ist ein zuverlässiger (Strategie-)Maßstab für Regierungen, Organisationen und Individuen, indem er z.B. erlaubt, verschiedene Szenarien des Konsums und der Verhaltensweisen zu berechnen. Der Footprint ist somit ein Werkzeug für effektive Entscheidungen (Wackernagel).

Pro: Vergleichbarkeit

Der Footprint schafft verbindliche Vergleichswerte. Nehmen wir das Beispiel Verkehrsmittelwahl: In den Footprint fließt die Treibstoff- und Wartungsbelastung ebenso ein wie der Aufwand für die Herstellung der Transportmittel. Letztere wird in den Verbrauch von Ressourcen umgerechnet. Dieses Umrechnungsschema aller Kenngrößen in eine Flächeneinheit ermöglicht die Verknüpfung von globalen mit lokalen Einheiten. Die dem Fußabdruck zu Grunde gelegten Daten werden jährlich aktualisiert und sind international weitgehend vergleichbar.

Pro: moralisch-ethischer Zugang

Der ökologische Fußabdruck orientiert sich am Gleichheitsgrundsatz. Er lenkt das Augenmerk auf eine gerechte Verteilung der global zur Verfügung stehenden Fläche auf alle Bevölkerungsgruppen und Länder. Er zeigt - erstmalig wissenschaftlich gut quantifizierbar - die Gewinner und Verlierer unter den Ländern dieser Erde. Die Verdeutlichung der regionalen und globalen Umwelt-Verantwortung wird ersichtlich.


Die Nachteile des Footprints



Contra: Negativismus

Man könnte dem Footprint vorwerfen, dass er eine negative Weltsicht erzeugt, ohne dass der/die KonsumentIn ausreichend über die (zumeist hypothetischen) Annahmen aufgeklärt wird. Dies wird jedoch v.a. in neueren Online-Anwendungen von Footprint-Rechnern dadurch gemildert, dass auch Handlunsanleitungen und Empfehlungen formuliert werden.

Contra: Fehlende Gewichtung

Verschiedene Kategorien von Flächennutzungen, wie etwa landwirtschaftlich genutzte Flächen oder Verkehrsflächen, werden bei Fußabdrucksberechnungen gleich gewichtet, obwohl sie offensichtlich sehr unterschiedliche Umweltbeeinflussungen hervorufen.

Contra: Willkürliche Relationen

Die Bezugnahme des Fußabdruckes auf einzelne Länder ist teilweise sehr willkürlich. Einerseits gibt es innerstaatlich große Unterschiede wie z.B. zwischen Stadt und Land. Andererseits wird oft nicht einbezogen, wie viel Hektar Nutzfläche pro Kopf ein Land einbringt. Vergleiche zwischen dicht besiedelten (z.B. Singapur) und schwach besiedelten Ländern lässt erstere als 'Parasiten' erscheinen. Der Vergleich einzelner Länder bewirkt indirekt, dass die Vorzüge des Handels zwischen den Ländern außer Acht gelassen werden.

Contra: Momentaufnahme

Der ökologische Fußabdruck ist ein statisches Konzept, das zu einem bestimmten Zeitpunkt den Naturverbrauch einer definierten menschlichen Aktivität mit gegebener Technologie misst. Dynamische Veränderungen der Ökosysteme, der technischen Entwicklung, der Einkommensentwicklung, usw. fließen in dieses Konzept nicht ein. Zudem bleibt die Multifunktionalität von Ökosystemen ausgeblendet, was aber den Fußabdruck ohnehin verkleinert - da multifunktionale Flächen nur einmal gerechnet werden.

Contra: Hoch aggregierter Index

Als hoch aggregierter Index kann der ökologische Fußabdruck entscheidende Aspekte im Zusammenhang mit der Bewertung von Nachhaltigkeit nicht erfassen bzw. nicht abilden, wie z.B. die Umweltzerstörung (Abholzung, Überfischung, etc.), die Biodiversität oder den Tourismus.

Contra: Soziale und wirtschaftliche Dimension unberücksichtigt

Der ökologische Fußabdruck macht keine Aussagen zur sozial-ethischen oder wirtschaftlichen Dimension von Nachhaltigkeit. Ein Ansatz zur Einbeziehung der sozialen Nachhaltigkeit ist der Ländervergleich der Fußabdrücke. Aber der Fußabdruck kann nicht ausdrücken, wie es um die soziale oder wirtschaftliche Dimension steht bzgl. einer nachhaltigen Entwicklung. Dazu müssen komplementäre Indizes herbeigezogen werden wie z.B. der Human Development Index.  Human Development Index Auch Faktoren der Kaufkraft werden nicht berücksichtigt - diese ist jedoch ein nicht unwesentlicher Faktor für das Individuum, sind doch z.B. biologisch produzierte Lebensmittel und langlebige Produkte oftmals teurer als „konventionell“ produzierte.




Conclusio



Der Footprint ist eine gut kommunizierbare, öffentlichkeitswirksame Maßzahl mit pädagogischem Mehrwert. Das Bewusstsein für die Begrenztheit der Flächen (des 'Budgets') und für die Vielzahl der Auswirkungen und deren Wechselwirkung untereinander wird geschärft. Die Methode des Footprints kann somit als Instrument zur Darstellung der Ist-Situation, zur Planung von Nachhaltigkeit (WACKERNAGEL und REES 1996) sowie als umweltpädagogisches Kommunikationsmittel zum Einsatz kommen.

Da das Bewertungsinstrument aber eine Reihe von anthropogenen Einflüssen auf die Umwelt nicht berücksichtigt, werden die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Umwelt unterschätzt. Trotz des Weiterentwicklungsbedarfs dient der Footprint insbesondere zur Indikation von Mindestbedingungen, die eine nachhaltige Entwicklung erfordert – und sollte durch weitere Indizes ergänzt werden.
Quelle: Borgström, Hansson, 2000, Wackernagel und Silverstein, 2000

Über die Rolle von Nachhaltigkeits-Indikatoren

Auf der Homepage des BMLFUW wird in der Rubrik  Indikatoren & Monitoring auf die Notwendigkeit von Indikatoren eingegangen. So wird z.B. erörtert, wozu Indikatoren, Monitoring und Evaluationen dienen. Oder Sie können das Indikatoren-Set für eine gesamthafte Bewertung nachhaltiger Entwicklung in Östereich herunterladen.


Auf EU-Ebene sind Indikatoren unumgänglich. Sie dienen z.B. der Überprüfung der EU-Strategie für nachhaltige Entwicklung.  Eurostat informiert Sie darüber, welcher Indikatorensatz zur Kontrolle dient und gibt Einblick in die wichtigsten Basis-Dokumente. Wer sich intensiver mit diesem Thema beschäftigen möchte, findet auch zahlreiche weiterführende Links.

Zuletzt aktualisiert: 2015-04-23

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