Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Die vier Säulen einer nachhaltigen Ernährung

Zum Leitbild der Nachhaltigkeit gehört die gleichberechtigte Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte. Soll der Lebensberreich Ernährung den Grundsätzen der Nachhaltigkeit gerecht werden, müssen auch die gesundheitlichen einbezogen werden. Denn eine Kostform kann nur dann nachhaltig sein, wenn sie den Menschen einen hohen Grad an Gesundheit und Lebensqualität ermöglicht.

Ökologische Aspekte einer nachhaltigen Ernährung

Die Ernährung ist erheblich am Ausstoß klimabelastender Treibhausgase beteiligt, die für eine mögliche Erwärmung der Erdatmosphäre verantwortlich gemacht werden. In der Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ wird das Bedarfsfeld Ernährung für gut 20% des in Deutschland vorhandenen Gesamtausstoßes von Treibhausgasen verantwortlich gemacht. Etwa die Hälfte dieser Emissionen stammen aus der Landwirtschaft und 80% der durch die Landwirtschaft verursachten  Emissionen wiederum stammen aus der Produktion tierischer Nahrungsmittel. Allein bei der Erzeugung von Rindfleisch und Milchprodukten entstehen etwa 60% der klimawirksamen Emissionen der gesamten Landwirtschaft.

Ein wichtiges Kriterium für ökologische Verträglichkeit ist die Materiealintensität (kg Materialinput für Erzeugung und Verarbeitung pro kg Lebensmittel)  verschiedener Lebensmittel. Fleisch und Fleischerzeugnisse benötigen wegen der großen Futtermittelmengen mit 17 kg pro kg Endprodukt den größten Materialinput. Am günstigsten schneiden Obst und Gemüse sowie Getreide, Kartoffeln und Hülsenfrüchte ab – vorausgesetzt, sie werden nicht weit transportiert und stammen nicht aus Unterglaskulturen.

Ökonomische Aspekte einer nachhaltigen Ernährung

Unter öknomischen Gesichtspunkten des Ernährungssystems sind insbesondere die Handelsverflechtungen und Verteilungsprozesse zwischen Industrie- und Entwicklungsländern von Bedeutung. Unsere Ernährung basiert zu einem wesentlichen Teil auf Agrarimporten aus der Dritten Welt. Zu einem besonderen Problem entwickeln sich die Importe billiger Futtermittel. Sie tragen bei uns zur höheren Rentabilität der Intensivtierhaltung und damit auch zum überhöhten Fleischverzehr bei, in den Ursprungsländern allerdings hat dies schwer wiegende Folgen.

Durch den Anbau von Exportprodukten – neben Futtermitteln sind das vor allem Kaffee, Kakao, Südfrüchte, Tee, Tabak, Baumwolle oder Blumen – entsteht in den Produktionsländern eine Flächenkonkurenz gegenüber der Produktion von Nahrungsmitteln für die einheimische Bevölkerung. Für Exportprodukte werden die besten Böden und die meiste Arbeitszeit verwendet. Da mit Exportprodukten in der Regel höhere Erlöse zu erzielen sind, vernachlässigen die Bauern die Produktion für den eigenen Verbrauch – sie produzieren damit kaum Überschüsse und können nicht genügend Voräte anlegen. So kann sich letztlich durch den Anbau von Exportprodukten die Nahrungssicherheit verschlechtern.

Wenn aber zusätzlich zu den Exportprodukten Nahrungsmittel zum Eigenverbrauch angebaut werden und das Einkommen direkt dem Produzenten zugute kommt, können positive Effekte für die Ernährungssituation erwartet werden.

Weltweit werden 38% der Getreideernte zur Tierproduktion eingesetzt. Aus energetischer Sicht ist die Umwandlung pflanzlicher Futtermittel in tierische Produkte höchst ineffektiv: Für die Erzeugung von 1 kcal in Form von tierischen Lebensmitteln werden durchschnittlich 17 kcal aus pflanzlichen Futtermitteln benötigt. Durch den Export billiger Futtermittel aus den Entwicklungsländern können Lebensmittel bei uns im Überschuss produziert werden. Der Verkauf, die Lagerung oder auch die Vernichtung der Nahrungsmittelüberschüsse in der EU als weltweit größtem Nahrungsmittelproduzenten wiederum können nur durch hohe Subventionen ermöglicht werden.

Soziale Aspekte einer nachhaltigen Ernährung

Die sozialen Zusammenhänge sind eng mit den ökonomischen und ökologischen Bedingungen verknüpft. Damit beispielsweise die hoch verschuldeten Länder der Südens den Schuldendienst leisten können, forcieren sie den Anbau von Exportprodukten. Bei der Ausweitung der Exportproduktion nehmen die Entwicklungsländer auch die Zerstörung von Lebensräumen in Kauf. Dadurch verlieren viele Kleinbauern ihre landwirtschaftliche Nutzfläche und damit ihre Ernährungsgrundlage.

Auch in Europa gibt es massive Probleme in der Ernährungs- bzw. Landwirtschaft. Durch den Konkurenzdruck ab den 1950iger Jahren kam es auch hier zum so genannten „Bauernhofsterben“ vor allem der kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betriebe.

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Gesundheitliche Aspekte einer nachhaltigen Ernährung

Ernährungsabhängige Krankheiten sind in den Industrieländern weit verbreitet. Die Ursachen sind sehr gut erforscht und liegen vor allem in einem zu „zu viel, zu fett, zu süß und zu salzig“. Insgesamt werden zu viele tierische Lebensmittel – insbesondere Fleisch und Wurstwaren – und zu viele stark verarbeitete bzw. konzentrierte Produkte verzehrt.

Tierische Lebensmittel enthalten im wesentlichen Fett und Proteine. Die wünschenswerte Steigerung der Aufnahme an komplexen Kohlenhydraten kann so also nicht erreicht werden. Durch die starke Verarbeitung von Lebensmitteln werden oft wertvolle Inhaltsstoffe zerstört oder abgetrennt und gleichzeitig wird die Energie konzentriert. Das heißt, dass diese Lebensmittel häufig ungünstige Nährstoffdichten (wenige wertvolle Inhaltsstoffe pro 100 g) und gleichzeitig eine unerwünscht hohe Energiedichte aufweisen.

Die Lösung besteht darin, Lebensmittel auszusuchen, die sättigen, einen geringen Energiegehalt haben und gleichzeitig einen hohen Gehalt an essentiellen und gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen aufweisen. In der Regel handelt es sich dabei um nicht bzw. gering verarbeitete pflanzliche Lebensmittel.

Die Anforderungen an eine gesunde Ernährung ergänzen bzw. bestärken die ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte einer nachhaltigen Ernährung und bilden so eine Einheit.

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Quelle (Stand Dezember 2005):
 Beratungsbüro für Ernährungsökologie
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-06

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