Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Der zukunftsfähige Ernährungsstil - so sieht er aus

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  • geringer Verzehr von Fleisch und Wurstwaren
  • ökologisch erzeugte Lebensmittel
  • regionale und saisonale Produkte
  • gering bzw. mäßig verarbeitete Lebensmittel
  • umweltverträglich verpackte Erzeugnisse
  • sozialverträgliche Produkte
  • Genuss beim Essen

Die Reihenfolge entspricht der Priorität bezüglich der ökologischen Verträglichkeit. Das Einsparungspotential von Treibhausgasemissionen nimmt nach unten hin ab.

1. Geringer Verzehr von Fleisch und Wurstwaren

Die größten Möglichkeiten zur Minimierung von ökologischen Risiken im gesamten Ernährungssystem liegen in einer deutlichen Reduzierung des Anteils tierischer Lebensmittel, insbesondere von Fleisch. Dadurch lässt sich der Ausstoß an CO2-Äquivalenten schätzungsweise um 100 Millionen t pro Jahr reduzieren, was knapp 40% der gesamten Treibhausgas-Emissionen des Ernährungssystems entspricht. Ein Fleischlaibchen verursacht ca. 14-mal so viel CO2-Emissionen wie ein Gemüselaibchen. Für 1 kg Rindfleisch sind beispielsweise 10 kg Getreide erforderlich. Das bedeutet, dass der Energieaufwand für die Produktion von tierischen Produkten um ein Vielfaches höher als bei pflanzlichen Produkten.

Da bei geringerem Verzehr tierischer Lebensmittel nicht so viele Futterpflanzen  durch Intensivlandwirtschaft erzeugt werden „müssen“, entsteht eine starke ökologische Entlastung bezüglich des Eintrags von Nitraten und Pestiziden in die Umwelt. Die ökologische Landwirtschaft wird durch den geringeren „Zwang“ zu hohen Erträgen weltweit realisierbar.

Auch ist es wissenschaftlich unumstritten, dass eine deutliche Reduzierung der tierischen Lebensmittel zu Gunsten von pflanzlichen Lebensmitteln gesundheitliche Vorteile mit sich bringt.

2. Ökologisch erzeugte Lebensmittel

Das übergeordnete Prinzip der ökologischen Landwirtschaft ist das Denken und Handeln in Stoffkreisläufen. So liefert der Ackerbau neben Lebensmitteln auch das Futter für das Vieh und umgekehrt findet der Mist und die Gülle als Pflanzendünger Anwendung.

Die Produktion von Lebensmitteln aus ökologischer Landwirtschaft geht mit einer geringeren Umweltbelastung einher als die konventionelle Erzeugung von Lebensmitteln und zeichnet sich durch folgende Punkte aus:
  • 30% geringerer Primärenergieverbrauch und mehr als 50% geringere Emission klimawirksamer Treibhausgase im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft
  • geringerer Rohstoffverbrauch und keine Belastung der Böden durch Pestizide und Nitrate
  • Bodenfruchtbarkeit wird gefördert und dadurch Bodenerosionen verhindert

Die Sozialverträglichkeit der ökologischen Landwirtschaft ist ebenfalls größer. Selbst bei Berücksichtigung neuer Produktions- und Verarbeitungszweige werden zwischen 20 und 40% mehr Arbeitskräfte benötigt als bei der konventionellen Landwirtschaft.

Durch die geringeren Rückstandsgehalte in Bio-Lebensmitteln ergeben sich natürlich auch gesundheitliche Vorteile.

3. Regionale und saisonale Produkte

Lebensmittel aus regionaler Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung verursachen durch kürzere Transportwege einen verminderten Energie- und Rohstoffverbrauch sowie geringere Schadstoffemissionen. Für Äpfel aus Südafrika etwa ist viermal so viel Energie notwendig wie für die gleiche Menge Äpfel aus der Region.

Da die Produkte keine langen Transporte überstehen müssen und daher vor der Ernte ausreifen können, sind sie in der Regel schmackhafter und haben einen höheren Gehalt an Vitaminen und sekundären Planzeninhaltstoffen.

Regionale Kooperationen zwischen Erzeugern, Verarbeitern, Händlern und Verbrauchern tragen zur Existenzsicherung kleiner und mittlerer Betriebe bei. Beispiele hierfür sind Bauernmärkte und sogenannte „Abokisten“. Es wird  eine Direktvermarktung in der Stadt ermöglicht, ohne dass die Stadtbewohner abgasintensiv mit dem Auto zum Erzeuger fahren müssen.

4. Gering oder mäßig verarbeitete Lebensmittel

Durch weniger intensive Verarbeitungsverfahren der Lebensmittel werden der Primärenergieverbrauch und damit auch die Schadstoffemissionen reduziert.

Gering bzw. mäßig verarbeitete Lebensmittel weisen noch den höchsten Gehalt an essentiellen und gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen auf, da diese bei den meisten Verfahren der Lebensmittelproduktion reduziert werden. Eine Ausnahme bilden hier die mittels Milchsäuregärung erzeugten, fermentierten Lebensmittel.

Die Bevorzugung gering verarbeiteter Lebensmittel bedeutet jedoch nicht, dass alle landwirtschaftliche Erzeugnisse in unverarbeiteter, roher Form gegessen werden sollten. Erhitzte Lebensmittel sind als „mäßig verarbeitet“ einzuordnen, wobei es aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist, jeweils etwa zur Hälfte unerhitzte und erhitzte Lebensmittel zu verzehren.

5. Umweltverträglich verpackte Erzeugnisse

Ungefähr 50% unseres Hausmüllvolumens stammt aus Lebensmittelverpackungen. Der bewusste Umgang mit Verpackungen in diesem Bereich könnte also zu einer deutlichen Veringerung des Hausmülls führen. Dort, wo Verpackungen notwendig sind, sollten sie auf ihre ökologischen Folgen geprüft werden. Dabei ist der gesamte Weg einer Verpackung von der Erzeugung der Rohstoffe über den Vertriebsweg bis hin zum Einzelhandel einzubeziehen.

Grundnahrungsmittel (Kartoffeln, Gemüse, Obst) können entweder unverpackt oder gering verpackt (Papiertüten) gekauft werden. Bei einem hohen Verarbeitungsgrad eines Lebensmittels werden hingegen zahlreiche Zwischen- und Transportverpackungen benötigt, um die Qualität des Lebensmittels zu bewahren.

Ein entsprechendes Konsumverhalten führt durch eine Verminderung der Müllmenge damit auch zu einer Reduktion von Rohstoff- und Energieverbrauch und Schadstoffemissionen.

6. Sozialverträgliche Produkte

Um das Nachhaltigkeitsziel „Chancengleichheit für alle Menschen“ zu erreichen, ist eine sozialverträgliche Nahrungsversorgung anzustreben. Der  'Faire Handel' mit Entwicklungsländern bietet hier eine sehr gute Möglichkeit. Aber auch für die Erzeuger, Verarbeiter und Händler in Österreich und Europa geht es um angemessene Lebensmittelpreise, um ihre Existenz zu sichern.

7. Genuss beim Essen

Letztendlich sollte der Genuss beim Essen nicht zu kurz kommen. Spaß und Lebensfreude sind auch bei der Ernährung unverzichtbar. Sie müssen jedoch nicht im Widerspruch stehen zu den gesundheitlichen, ökologischen, ökonomischen und sozialen Erfordernissen.


Quelle (Stand August 2004):
 Beratungsbüro für Ernährungsökologie
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-06

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