Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Artenschwund: Das Netz des Lebens hat Löcher

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Die Artenvielfalt ist ein Schatz, der uns unter den Fingern wieder zu zerinnen droht. Dieser Artenschwund hat sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch beschleunigt, sodass die natürliche Aussterberate um das 50- bis 100fache überschritten wird. Der Verlust der Arten verursacht vor allem in den Entwicklungsländern soziale Armut .

Der Wert der Artenvielfalt für die Ökosysteme ...

Die Vielfalt der Arten gilt als eine Grundvoraussetzung für die Stabilität der weltweiten Ökosysteme.  Allerdings sind nicht alle stabilen Ökosysteme gleichzeitig vielfältig an Arten. Ein Gegenbeispiel sind die artenarmen borealen Fichtenwälder, die gegenüber Waldbrandschäden sehr tolerant sind. Im Gegensatz zu den tropischen Urwäldern, die reich an Vielfalt sind, sich jedoch bei Brandrodung nur schwer erholen.
Generell gilt jedoch, dass artenreiche Lebensräume sich durch ihre hohe genetische Vielfalt besser an Veränderungen von außen (z.B. Klimawandel) anpassen können.

...  und unmittelbar für die Menschen

In den Entwicklungsländern konzentrieren sich zirka  80 Prozent der weltweiten biologischen und genetischen Ressourcen. Diese natürlichen Ressourcen nehmen besonders für die ländliche Bevölkerung eine zentrale Rolle ein als Nahrungs-, Energie- und Einkommensquelle sowie auch im Rahmen der medizinischen Versorgung durch Heilpflanzen. Über- und Umnutzung von naturnahen Flächen führen vor allem in den Tropen zu den weltweit höchsten Verlusten an biologischer Vielfalt und damit an Lebensgrundlagen für die lokale Bevölkerung: Biodiversität ist in den Entwicklungsländern eine (über-)lebensnotwendige Ressource, der eine zentrale Bedeutung bei der Armutsbekämpfung zukommt.

Nationale Strategien zur Erhaltung der biologischen Vielfalt sind daher dringend notwendig, müssen weit über bloße Maßnahmen des Natur- und Artenschutzes hinaus gehen und sozioökonomische Aspekte wie eine nachhaltige Nutzung und die gerechte Aufteilung von Gewinnen aus diesem Nutzen beinhalten.

Täglich sterben bis zu 130 Tier-und Pflanzenarten aus

Allein in Europa sind nach einem Bericht der EU-Kommission 42 Prozent der Vögel und 52 Prozent der Süßwasserfische bedroht. Die aktuelle Rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) geht von weltweit 15.580 bedrohten Arten aus. Von den Pflanzenarten ist über die Hälfte gefährdet. Bei den Tieren steht jede vierte Art vor dem Aus.

Die Ursachen für den hohen Artentod sind nicht nur die Abholzung der Regenwälder und andere Übernutzungen von Ressourcen (z.B. im Meer durch nicht nachhaltige Fischerei), sondern auch die zunehmende Verbauung der Landschaft und eine veränderte Landwirtschaft in den mittleren Breiten der Industrieländer. Eine WWF-Studie sieht im Klimawandel und der damit einhergehenden Zerstörung von Ökosystemen eine der größten Gefahren für die Artenvielfalt.
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-06

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