Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Umweltbaustellen der Alpenvereinsjugend im Zeichen des Wassers

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Im Internationalen Jahr des Wassers hat auch die Alpenvereinsjugend einige Aktionen mit dem Schwerpunkt Gewässer angeboten. Die Begeisterung der jungen Leute aus unterschiedlichsten Ländern war groß. „Wasser-Baustellen“ werden auch für die folgenden Jahre gefragt sein.

Wildwassercamp für Jugendliche auf der Salza: Kanupolo, Kentern und Kehren …

Statt in den Süden ging die Reise für 12 Jugendliche im Sommer nach Wildalpen an die steirische Salza – bei ca. 12°C Wassertemperatur, allerdings meistens mit Neoprenanzug dazwischen. Gemeinsam verbrachten sie eine Woche an, auf und in der Salza und erforschten jeden Tag einen neuen Abschnitt. Da gab´s viel zu entdecken: Stromschnellen, Steineslalom, Kehrwasser und auch Kiesbänke für die gemütliche Mittagspause, gute Plätze zum Baden, Felsenspringen, zum Wildwasserschwimmen und vieles mehr. Dazu viele, viele Spiele, wie z.B. Kanupolo und einen Wettbewerb in Modellbootsbau aus Naturmaterialien. Ab dem zweiten Tag ging´s richtig auf’s Wildwasser, erst noch gemütlich, später immer anspruchsvoller, zwischendurch etwas steinig. Vorneweg fuhr Hari im Kajak und alle anderen in Outsides (aufblasbare 2er-Schlauchkanadier) hinterher. Das restliche Betreuerteam war in Kajaks unterwegs, um bei Kenterungen schnell an Ort und Stelle zu sein, moralische Unterstützung zu leisten oder davonschwimmende Teile wieder einzusammeln. Selbstverständlich waren auch die Regeln für Natur- und Umweltverträglichkeit der Wassersportart ein Thema.

Vor dem Start bauten wir an Land ein kleines Miniflussmodell auf, um uns die verschiedenen Strömungsformen und auch mögliche gefährliche Situationen deutlich zu machen. Der Weg zum sicheren Parkplatz im nächsten Kehrwasser war theoretisch klar, aber um wirklich dort zu landen, war außer ein paar gezielten Paddelschlägen auch eine gute Zusammenarbeit erforderlich. An Land gab es ebenso einige Herausforderungen: Den Titel „Küchenchef der Woche“ zu erwerben oder Vorarlberger Wörter zu verstehen, Sachen wie „Emmehunk“! Insgesamt war´s eine recht anstrengende, aber sehr schöne Woche, und wer mal erlebt hat, was für ein Paradies ein naturbelassenes Gewässer ist, der hat hoffentlich auch Interesse, dass es ein solches bleibt.

Barbara Tröster

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Berichte und Fotos auf www.alpenvereinsjugend.at

Umweltbaustelle Bachrenaturierung
Weikersdorf: Von Muscheln, Mäandern und Baggern

Die Umweltbaustelle „Bachrenaturierung eines Teilstückes des Frauenbaches“ in Weikersdorf war ein Riesenerfolg. Die erste Zeit nutzten wir, um uns mit dem Thema Wasser zu befassen. Wir schauten uns den kompletten Bachlauf des Frauenbaches vor, in und nach dem Gemeindegebiet genauestens an. Der Frauenbach liegt im Natura-2000-Gebiet Rax, Schneeberg, Hohe Wand und ist deshalb so wichtig, da in ihm die schon sehr seltene Flussmuschel vorkommt.

Am zweiten Tag machten wir eine Exkursion zur Leitha im Bereich von Wimpassing bei Hornstein. Dort konnte ich den Teilnehmern die Dynamik des Flusses, Kiesverfrachtungen, Uferanbrüche, verschiedenste Lebensräume, Quellen und vieles mehr zeigen und erklären. Am Nachmittag konnten wir uns am Beispiel eines Feuchtbiotopes ein Bild über Natur aus Menschenhand machen.

Am Donnerstag durften wir dann endlich mit der Arbeit beginnen. Ein Bagger war uns behilflich, die schweren Betonplatten aus dem Uferberreich zu entfernen und die von uns gewünschten Kolke, Mäander und Tiefwasserzonen auszugraben. Danach kam für unsere kleinsten Mithelfer der große Auftritt: Lehm wurde von uns zur Abdichtung aufgebracht, dieser musste jedoch nach dem Wassereinlass festgetreten werden, damit der Lehm auch wasserundurchlässig wurde. Wir erzeugten mit ausgegrabenen Steinen eine Wasserumlenkung im Bachbett, um die Wassertiefe zu erhöhen und die Fließgeschwindigkeit zu vermindern, und werteten die Bachsohle mit verschieden großen Steinen auf. Noch an diesem Abend, ohne Bepflanzung, konnten wir die ersten beiden Bachforellen in unserem Bachabschnitt sehen. Am nächsten Tag holten wir rücksichtsvoll aus dem Bachlauf ortsübliche Pflanzen und begannen mit einer Initialpflanzung, um ein naturnahes Entstehen der Vegetation zu ermöglichen.

Am Samstag fuhren wir noch in das Höllental zur Schwarza, um einen Eindruck von einem Gebirgsfluss zu bekommen. An diesem Tag entstand dann auch der Spruch „every flower half an hour“, weil ich als Waldpädagoge den Pflanzen sehr viel Zeit widmete. Am letzten Tag führte uns unser Weg nach Rust zum Neusiedler See, und am Montagmorgen war dann der große Tag des Abschiedes, unter tränengeröteten Augen wurde die nächste Umweltbaustelle beschlossen.

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www.walderleben.at
Johannes Müller, mailto:
der-waldpaedagoge@walderleben.at

Internationales Workcamp Naturpark
Kaunergrat: Give me M(o)ore!

Vom 24.–30. August 2003 wurde in Piller, Tirol, im Naturpark Kaunergrat eine internationale Umweltbaustelle eingerichtet. 14 Jugendliche im Alter von 15 bis 29 Jahren aus Russland, Slowenien und Österreich engagierten sich dabei unentgeltlich eine Woche lang für die Revitalisierung schützenswerter Feuchtgebiete und Kleingewässer in dieser Region.

Moore, wie wir sie am Piller Sattel finden, gehören zu den bedrohtesten Lebensräumen. Im Zuge der Naturparkarbeiten fanden hier umfangreiche Forschungsarbeiten statt, man hat Holzstege erichtet und einen Themenweg angelegt. Zur weiteren Besucherlenkung und damit zum Schutz dieses Lebensraumes werden jetzt im Zuge der Umweltbaustelle die Wege durch Holzprügel verstärkt und verbuschte Bereiche abgeholzt. Weiters wird ein Holzsteg zur Schwefelquelle im Bärenbadmoor gebaut. Im Sinne des Naturparkgedankens kommen dafür ausnahmslos natürliche Materialien zur Anwendung.

Fließ und Umgebung zählen zu den niederschlagsärmsten Regionen Tirols, deshalb war die Bewässerung mit Bewässerungsteichen, den so genannten Pitzen, und Wasserwällen über Jahrhunderte für die Land-wirtschaft unentbehrlich. Doch auf Grund der Modernisierung der Landwirtschaftspraktiken verloren diese traditionellen Bewässerungstechniken zunehmend an Bedeutung, was den Verfall dieser Anlagen beschleunigte. Walter Hairer, fachlicher Leiter der Umweltbaustelle und langjähriger Forstfacharbeiter der Gemeinde Fließ, erläutert die Problematik: „Mit diesem Verfall ist in weiterer Folge auch der Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten massiv gefährdet.“ Bei der Umweltbaustelle lernten die Jugendlichen diese alten Bewässerungssysteme kennen.
Die Jugendlichen hatten gleichzeitig die Chance, am P.U.L.S.-Projekt der Alpenvereinsjugend teilzunehmen. TeilnehmerInnen von ausgewählten Umweltbaustellen wie jener am Kaunergrat oder von Bergwaldprojekten übernehmen dabei vor Ort die Pressearbeit bzw. verfassen eine Dokumentation. Dafür erhalten sie ein Zertifikat des Ministeriums. P.U.L.S (Praxis. Umwelt. Leben. Sommer) entstand in Zusammenarbeit mit dem FORUM Umweltbildung im Auftrag von Umwelt- und Unterrichtsministerium.

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Christian Gundolf, mailto:christian.gundolf@gmx.at
Hinweise zu den aktuellen Umweltbaustellen unter www.alpenvereinsjugend.at
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-14

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