Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Multifunktionalität planen

Alice Größinger und Karin Schwarz

Der multifunktionale Schulfreiraum ist ein Ort mit vielen Gesichtern, der jeden Tag neu entdeckt und anders erlebt werden kann. Er ist flexibel einsetzbar, veränderbar, beweglich, umbaubar und vielseitig nutzbar. Die multifunktionale Gestaltung garantiert, dass die vielfältigen Ansprüche an den Schulfreiraum als Ort der Bewegung, des Lernens, der Regeneration und der Kommunikation erfüllt werden.
 

Multifunktionale Ausstattungselemente

Die Ausstattungselemente sollen so gewählt werden, dass sie im Schulfreiraum ganzheitlich zum Spielen auffordern. Im Folgenden einige Beispiele:

Vielseitig nutzbare Spielgeräte: Sie sind gleichzeitig von vielen Kindern bespielbar und können auch im Turnunterricht eingesetzt werden.

Werkbank: Ein langer Tisch bietet die Möglichkeit für die Arbeit in der Großgruppe, mobile Unterteilungen erlauben auch Kleingruppenarbeit. Je nach Erfordernis kommt eine mobile Überdachung als Regen- oder Sonnenschutz zum Einsatz. Wetterfeste Kästen auf Rollen beherbergen Werkzeuge und Arbeitsmaterialien. Die Tischhöhe ist je nach Altersstufe und Größe der SchülerInnen zum Stehen gedacht. Mobile Hocker in der dazugehörigen Höhe bieten Sitzmöglichkeit. Der Tisch kann als Werkbank oder als lange Tafel bei Festen, als Kletterelement, Liege oder – mit Tüchern verhängt – als Versteck genutzt werden.

Wasser: Ein seichtes Wasserbecken ist Retensionsraum für Regenwasser. Hier beobachten Kinder und Jugendliche den Lebensraum von Amphibien und Insekten. Ist bereits in der Planung an vielseitige Nutzung gedacht worden, dann ist das Becken in Form, Größe und Tiefe so ausgestaltet, dass es im Winter zum gefahrlosen Eislaufplatz wird. Im Sommer können die SchülerInnen unbeschwert drin herumwaten.

Sitzgelegenheiten: Bewegliche, für Kinder leicht tragbare Sitzgelegenheiten aus Holz (Kisten etc.) eignen sich gut für variable Sitzaufstellungen und werden aufeinander gestapelt zum Kletterelement.

Temporäre Möbel: Kurzfristige temporäre Aktionen sind für alle Beteiligten lustig und meist kostengünstig. Alte Sofas oder Matratzen, mit bunter, wasserdichter Folie eingepackt, sind hervoragend zum Lungern in der Pause geeignet und vor allem für Jugendliche sehr attraktiv. Raumbildende Elemente wie Mauern können durch Adaptierung auch multifunktional genutzt werden, z.B. zum Sitzen, Be- und Übersteigen, Klettern, Bemalen, gegebenenfalls zum Durchkriechen.
 

Multifunktionales Freiraumkonzept

Die nutzungsoffene Gestaltung ermöglicht den SchülerInnen und LehrerInnen eine eigene und veränderbare Interpretation der Teilräume sowie des Gesamtraums. Hier ein Beispiel für die Anordnung von multifunktionalen Spielfeldern (nach einem Entwurf von tilia – Büro für Landschaftsplanung).
 

Multifunktionale Schulsportanlagen

Schulsportplätze sind wichtige und beliebte Bewegungsareale. Der Sportunterricht allein reicht jedoch nicht aus, um dem alltäglichen Bewegungsbedürfnis von Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden. Daher sollten die Sportanlagen nicht nur dem Sportunterricht vorbehalten bleiben, sondern als wertvolle Bestandteile der Schulfreiräume auch in der schulischen (Pausen, Nachmittagsstunden) und fallweise der außerschulischen Freizeit zur Verfügung stehen. Sowohl bei der Planung von neuen Schulsportplätzen als auch für bestehende Anlagen sollten multifunktionale Konzepte entwickelt werden; diese umfassen schulorganisatorische und planerischbauliche Aspekte.
 

Schulorganisatorische Anforderungen an multifunktionale Sportanlagen

 
Nutzungszeiten
Die Nutzung der Sportanlagen außerhalb des Unterrichts macht Abstimmungen der Stundenpläne zwischen SportlehrerInnen und FreizeitbetreuerInnen notwendig. Auch ein Nebeneinander von Sportunterricht und Freizeitbetrieb am Sportplatz ist möglich, indem sich die verschiedenen NutzerInnengruppen auf bestimmte Sporteinrichtungen konzentrieren, z.B. Hoch- und Weitsprung bzw. Kugelstoßen im Sportunterricht und Ballspielen in der Freizeit.

Reinigung, Wartung und Pflege
Viele Sportanlagen weisen sensible Sportbeläge auf, deren mögliche Zerstörung ein starkes Argument gegen die Mehrfachnutzung ist. Diese Oberflächen bedürfen entsprechender Reinigungs-, Pflege- und Wartungsarbeiten, die viele Schulen vor organisatorische Probleme stellen. Ein verantwortungsvoller und sorgsamer Umgang aller NutzerInnen mit diesen Flächen unterstützt die Erhaltung der Sportanlagen und verlängert ihre Lebensdauer. Aber auch aktive Beiträge zur Pflege der Sportbeläge in der unterrichtsfreien Zeit sind möglich, z.B. Laub entfernen in den Nachmittagsstunden.
 

Planerisch-bauliche Anforderungen an multifunktionale Sportanlagen

 
Freizeitorientierte Sportangebote
Ballspielfelder sind klassische Beispiele für multifunktionale Sporteinrichtungen und können bei entsprechender Größe, Linierung und Ausstattung für viele Sportarten, z.B. Fußball, Handball, Volleyball, Basketball, Badminton, „Ball über die Schnur“, Völkerball etc., verwendet werden. Hier bedarf es entsprechender Nutzungskonzepte, damit allen sportlichen Interessen Rechnung getragen wird und nicht eine Sportart die „Überhand“ gewinnt. Spielfelder, die in unterschiedlichen Richtungen und von mehreren Gruppen mit verschiedenen Ballspielen gleichzeitig bespielbar sind – siehe Abildung – unterstützen das sportliche und soziale Miteinander.

Trendsportanlagen wie etwa Beachvolleyball- und Beachsoccerplätze, Streetballplätze, Kletterwände oder Finnenbahnen sind bei Kindern und Jugendlichen im Sportunterricht und in der Freizeit gleichermaßen beliebt und stellen wertvolle Ergänzungen zum klassischen Schulsportplatz dar. Beachsportplätze sind darüber hinaus gute Beispiele für multifunktionale Nutzbarkeit, da sie neben dem Ballsport auch als Sprunggruben und für Kugelstoß dienen können. Große ungeteilte Flächen ermöglichen vielfältige Nutzungen (z.B. Ballspielwiesen, befestigte Flächen für Pedalos, Stelzen, Rollsport etc.)

Zonierung
Erleichtert wird die multifunktionale Nutzung durch eine Ausformung verschiedener Zonen, die nach Nutzungsart z.B. ausschließlich im Sportunterricht / in Unterricht und Freizeit/ausschließlich in der Freizeit differenziert und mit den entsprechenden Bodenbelägen (sensible/robuste Oberflächen) versehen sind. Für stark genutzte Oberflächen eignen sich statt Rasen robuste Beläge wie wassergebundene Schotterdecken, Schotterasen oder Asphalt für Bewegung und Sport. So können freie Parkplätze oder Schulvorplätze mit wenig Aufwand zum Spielfeld für Streetball oder andere Sportarten werden.

Ökologische Kriterien werden im Sportplatzbau zunehmend thematisiert und diskutiert, allgemein gültige Aussagen zur Umweltrelevanz von Sportbelägen sind zum gegebenen Zeitpunkt jedoch noch nicht möglich.

Lagerung von Spiel- und Sportgeräten
Der bestgestaltete Schulhof ist nur dann ein wertvolles Pausenangebot, wenn auch die Spielgeräte in den kurzen Freizeiten möglichst umgehend zur Verfügung stehen. Daher sind Lagermöglichkeiten für Sportgeräte (Bälle, Schläger, Pedalos, Stelzen, Schnüre und Netze für Spielständer etc.) innerhalb der Sportanlagen notwendig, und es bedarf organisatorischer Konzepte zur Ausgabe.

Kommunikations- und Erholungsangebote
Freizeitgestaltung braucht beides – aktiv Sport zu treiben und anderen zuzusehen, zu kommunizieren. Daher sind Sitzmöglichkeiten (z.B. natürliche Hangtribünen) wertvolle Elemente, die gleichzeitig auch dem Sportunterricht und Wettkampf zugute kommen. Trinkbrunnen dienen dem leiblichen Wohl aller Sport Treibenden und sollten daher auf keinem Schulgelände fehlen.

Quelle

Der Text wurde aus der Broschüre 'Schulfreiräume - Freiraum Schule' der Niederösterreichischen Landesregierung entnommen.
Amt der NÖ Landesregierung (Hrsg.)
Schulfreiräume – Freiraum Schule: Handbuch zur naturnahen Gartengestaltung
84 Seiten.
Amt der NÖ Landesregierung, St. Pölten
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-11

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