Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Funktionen von Schulgebäuden und Freiräumen

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Der „Lernort Schule“ mit seinen Freiflächen Innen wie Außen, wird zunehmend auch Erfahrungs- und Erlebnisort für motorische und soziale Prozesse. Eine Herausforderung in der Gestaltung für SchülerInnen und LehrerInnen.
 

Räume für Kinder - wozu?

Da Kinder aus unterschiedlichen Gründen (neue Medien, längere Schulzeiten, Aufenthalt im Hort ...) immer mehr Zeit in Innenräume verbringen, und gleichzeitig natürliche Freiflächen verschwinden, oder durch den zunehmenden Verkehr abgeschnitten wurden, kommt dem Vorhandensein von Freiflächen im Schulberreich vor allem draußen immer größerer Bedeutung zu.

Schulfreiräume sollen einen Ausgleich zu den Unterrichtsstunden in den Klassenräumen sein und dienen je nach Altersstufe der SchülerInnen: der Bewegung, dem Spiel aber auch dem Relaxen und Kommunizieren. Oft sind Pausenräume und Schulhöfe aber so gestaltet, dass sie den Ansprüchen und Vorstellungen der SchülerInnen nicht gerecht werden. Hier wird es immer mehr zur Aufgabe von Schulen, qualitativ hochwertige Freiräume anzubieten sowie den Umgang mit Natur zu ermöglichen. Werden Kinder in den Planungsprozess miteinbezogen können auch ökologische und soziale Prozesse mit in das Lernen fließen. Aber nicht nur für SchülerInnen können qualitative Freiflächen von großem Nutzen sein. Auch Lehrende erkennen vermehrt die Qualität des Unterrichts im Freien und nützen diese auch.

Lesen Sie mehr zu Unterricht in Schulfreiräumen unter: Learnscapes - Schulfreiräume nutzen
 

Schule als Lebens- und Lernort

Die Schule ist in Zeiten, in denen Frei- und Bewegungsräume für Kinder und Jugendliche immer weniger werden, nicht nur Ort des intellektuellen Lernens, sondern sie ist auch gefordert für die motorische und psychosoziale Entwicklung der Kinder zu sorgen. Um diese Kompetenzen, die sehr stark mit Bewegung gekoppelt sind, zu erlangen, sind ausreichend Zeit, Raum und wohlwollende Begleitung erforderlich. Dabei wird Bewegung hier nicht nur in motorischer Hinsicht, sondern auch als innere Bewegung wie Neugier, Interesse usw. verstanden.

Die Nutzung von Schulgebäuden und Freiräumen kann bei richtiger Gestaltung
  • Wissen vermitteln.
  • Mehrfachnutzungen ermöglichen.
    So können z.B. Gänge, Stiegenhäuser, Foyers oder wenig genutzte Räume zu Ausstellungs- oder Bewegungsräumen werden. Kletterwände oder Rutschen in noch so kleinen Ecken ermöglichen den Kindern ebenso wie gut gestaltete Freiflächen, ihrem Bewegungsdrang nachzugehen. Aber auch die Nutzung des Geländes, z.B. für den Unterricht außerhalb der Klassenräume, ist von großer Bedeutung für das Lernen und die Entwicklung der Kinder.
  • Soziale Kontakte und Erfahrungen fördern.
    In der Gemeinschaft lernen die Kinder die Grundregeln des Miteinander wie: Fairness, Freundschaft, aber auch Verzicht und Verlieren. Durch das gemeinsame Arbeiten werden so genannte „Außenseiter“ leichter in die Gemeinschaft integriert, Verantwortungsbewusstsein geschaffen und neue Kommunikationsfelder eröffnet.
  • Psychomotorische Fähigkeiten wie handwerkliche Grundfertigkeiten, Bau und Gestaltung von Geländeprojekten usw. stärken.
  • Affektive Lernziele, die den Aufmerksamkeits-, Gefühls- und Wertungsberreich betreffen wie z.B. Stärkung des Selbstbewusstseins und Selbstständigkeit, Anregung der Phantasie oder Vermittlung von Werten fördern sowie
  • „Learning by doing“ anregen.
    Dies beginnt schon beim Entwickeln von Gestaltungsideen und setzt sich fort bis zum demokratischen Prozess bei der Ideenfindung und dem Beschluss, welche Ideen verwirklicht werden sollen.

 
Voraussetzung für diese Lernziele ist, dass Kinder und Jugendliche rechtzeitig und in dementsprechendem Maß in die Planung und Gestaltung der Räume miteinbezogen werden. Auch die Mitarbeit der SchülerInnen sollte nach dem Prinzip der Freiwilligkeit erfolgen.

Die Umgestaltung ist im besten Fall ein lebendiger Prozess. Dass bedeutet ein schrittweises Vorgehen, ein eventuelles „Freilassen“ von Flächen ermöglicht auch nachfolgenden Generationen an SchülerInnen ein Einwirken auf das sie umgebende Schulumfeld.
 

Quelle

Urlicic, Vesna/Wocelka, Adolf/Streyhammer, Reinhrad
Schulhöfe, Pausenräume kreativ gestalten
Österr. Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Wien
 
Thun-Täubert, Eva
Grüngelände, Spielgelände gestalten
FORUM Umweltbildung, Wien
 
FORUM Umweltbildung
Learnscape Österreich
Schulfreiräume - Freiraum Schule, Startpaket
2003, 30 Seiten, EUR 5,-
Zuletzt aktualisiert: 2015-07-14

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