Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Außerschulische Kinder- und Jugendpartizipation
Planen mit anderen Augen

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Kinder sehen die Welt mit anderen Augen als Erwachsene. Aus einer anderen Perspektive. Sie haben andere Bedürfnisse, Wünsche und Interessen. Planungen von Erwachsenen für Kinder und Jugendliche können gut gemeint sein, aber auch hier gilt: Nur die Betroffenen selbst wissen, was für sie gut ist. Und seien sie noch so jung.
 

Zu jung für Beteiligung?

Ist es überhaupt möglich, Kinder bei der Planung von öffentlichen Plätzen, von Verkehrsmaßnahmen zu beteiligen oder Jugendliche politische Leitlinien entwickeln zu lassen? Viele erfolgreiche Praxisbeispiele beweisen es. Allerdings müssen die Fragestellungen und die methodischen Vorgehensweisen dem Alter der Beteiligten angepasst sein und an deren Fähigkeiten, Bedürfnisse und Interessen anknüpfen. Kinder brauchen andere Beteiligungsangebote als Jugendliche, diese wiederum andere als Erwachsene. Kinder und Jugendliche haben noch nicht alle kognitiven Fähigkeiten, die für die Gestaltung unseres Lebensraumes notwendig sind. Sie kennen nicht komplexe wirtschaftliche oder technisch-juristische Zusammenhänge, und für sie sind Zeiträume von zwei, drei Jahren so weit in der Zukunft wie für einen jungen Erwachsenen die Pension. Sie bringen aber andere Kompetenzen mit, die Erwachsene oft nicht (mehr) besitzen: Große Vorstellungskraft, offene und direkte Ausdrucksfähigkeit, sprühende Kreativität und Begeisterungsfähigkeit.
 

Demokratische Frühförderung

Die allgemein beklagte Politikverdrossenheit der Jugend ist bei näherem Hinsehen eine Ablehnung von PolitikerInnen und Parteien. Jugendliche sind bereit sich zu engagieren. Nicht für abstrakte Politik, sondern für konkrete Themen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld. Wenn sie erleben, dass ihre Meinungen und Vorschläge aufgenommen werden und in Planungs- und Entscheidungsprozesse Eingang finden, wenn ihre aktive Mitarbeit Veränderungen bewirken kann, so stärkt das langfristig die Bereitschaft zu weiterem Engagement. Andererseits kann diese Bereitschaft auch nachhaltig schwinden, wenn die von den Jugendlichen erarbeiteten Ergebnisse von den erwachsenen EntscheidungsträgerInnen nicht ernst genommen und berücksichtigt werden. Eine Möglichkeit, die Meinungen und Ideen der jungen GemeindebürgerInnen in die Gemeindepolitik einfließen zu lassen, sind die bereits in vielen Gemeinden Österreichs eingerichteten Kinder- und Jugendgemeinderäte und Jugendparlamente. Diese formalen Instrumente der Kinder- und Jugendbeteiligung zur Einübung demokratischer Grundhaltungen können aber nur einen Teil des Kreativitätspotenzials von Kindern und Jugendlichen ansprechen.
 

 Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik
 Partizipation und nachhaltige Entwicklung in Europa
 

Zum Weiterlesen

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft; Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT (Hg.)
Das Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung. Die Zukunft gemeinsam gestalten
Wien 2005, 64 S., EUR 15,-
zu beziehen über  www.oegut.at
Zuletzt aktualisiert: 2015-09-09

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