Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Der Ist-Zustand als Basis von Mobilitätskonzepten

©

Tatsächliche Verbesserungen sind nur dann zu erreichen, wenn die Ausgangssituation bekannt ist. Die Ermittlung des Ist-Zustands steht am Anfang jeder Veränderung.

Im Zuge der Ist-Analyse werden Wirkungszusammenhänge erhoben und in Form von Zahlen und Daten dargestellt. Im Vorfeld ist der Bedarf an Daten jedoch genau abzuklären. Ansonsten besteht die Gefahr, mit großem zeitlichen Aufwand Daten zu erheben, die für den angestrebten Zweck nicht notwendig sind. Die Datenerhebung für die Ermittlung des Ist-Zustands lässt sich in drei Teilberreiche gliedern:

Personenebene: Auf der Personenebene werden Daten über das derzeitige Verkehrsverhalten der Beteiligten gesammelt. Beispielsweise: welche Verkehrsmittel werden benützt, Gründe der Verkehrsmittelwahl, generelle Einstellungen zu Fragen der Mobilität, Abschätzung der Kosten etc.

Schulebene: Auf der Schulebene werden Daten über die verkehrstechnischen Rahmenbedingungen im Schulberreich erhoben. Beispielsweise: Anzahl der Lehrenden, Auszubildenden und sonstigen Schulangestellten, Unterrichtszeiten, Stellplatzangebot, Parkordnung etc.

Erschließungsebene: Auf der Erschließungsebene werden Daten über das Verkehrsangebot im Schulumfeld gesammelt. Beispielsweise: Attraktivität des Gehens, des Rad fahrens und des öffentlichen Verkehrs, Stellplatzsituation im Umfeld der Schule, Organisation des Autoverkehrs etc.

Was kann sonst noch erhoben werden?

 
Allgemein
  • Unterrichtszeiten, Anzahl SchülerInnen, Anzahl Lehrende
  • Bestehende Fahrtkostenzuschüsse (Kriterien, Höhe, Anzahl der Beziehenden)
  • Unfälle auf Schulwegen (nach Verkehrsmitteln)

 
Gehen
  • Wie viele Personen erreichen die Schule zu Fuß?
  • Wie ist die Schule zu erreichen? (Unsicherheitspunkte, Wartezeiten, Umwege etc.)
  • Gibt es Schulwegsicherung? Wer macht diese?
  • Gibt es am Weg zur Schule Umwege?
  • Gefährliche Kreuzungen?

Rad fahren
  • Wie viele Personen erreichen die Schule mit dem Rad?
  • Zufahrtsmöglichkeiten zur Schule (Wartezeiten, Umwege, Gefahrenstellen etc.)
  • Anzahl, Auslastung und Zustand der Fahradabstellplätze (überdacht, vor Diebstahl gesicher?)

Öffentlicher Verkehr
  • Wie viele Personen erreichen die Schule mit öffentlichen Verkehrsmitteln?
  • Bestandsaufnahme und Mängelerhebungen (Haltestellenausstattung, Informationen, Betriebszeiten, Preise, Abstimmung auf Kinderbedürfnisse, Umsteigen etc.)
  • Wie lang sind die Wege zur Haltestelle/zum Bahnhof?

 
Autoverkehr
  • Wie viele SchülerInnen werden mit dem Auto zur Schule gebracht, was sind die Gründe dafür?
  • Wie viele SchülerInnen haben ein Moped/Motorad/Auto?
  • Wie viele und welche Pkw-Stellplätze gibt es am Schulgelände und im Umfeld und wie sind sie ausgelastet?
  • Welche Kosten fallen für Stellplätze an und gibt es Stellplatzgebühren?
  • Gibt es Fahrgemeinschaften und werden sie von der Schule gefördert; gibt es bevorzugte Parkmöglichkeiten für Fahrgemeinschaften?

Sonstiges
  • Welche verkehrsbedingten Störungen und Probleme treten auf, was ist der unmittelbare Anlass für den Einstieg zum Thema Mobilität?

 

Wer stellt Mobilitätsdaten zur Verfügung?

Besonders im Bereich des Straßenverkehrs ist eine frühestmögliche Zusammenarbeit mit den lokalen Planungsämtern und den Verkehrsunternehmen anzustreben, da viele Daten schon vorhanden sind. Werden Daten für die unmittelbare Umgebung der Schule benötigt, so müssen diese im Regelfall selbst erhoben werden.

Vollerhebungen sind nur selten nötig, beispielsweise bei der Erhebung der Parkraumsituation im Schulumfeld und auf schuleigenen Stellplätzen. Zumeist ist eine Stichprobenerhebung ausreichend, so zum Beispiel bei den Wegeketten oder der Verkehrsmittelwahl der SchülerInnen.

Die Erhebungen können mit einer Einverständniserklärung der Eltern auch außerhalb der Schule von den Auszubildenden durchgeführt werden; bei entsprechender Vorbereitung kann ein Vormittag dafür ausreichend sein.
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-11

 zurück zur vorigen Seite