Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Lokale Agenda 21 als Prozess

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Bei der Umsetzung einer Lokalen Agenda 21 als Schritt zu einer nachhaltigeren Gesellschaft werden Themen der nachhaltigen Entwicklung behandelt. Neben den thematischen Schwerpunkten kommt dabei aber auch den Prozessen und insbesondere den Lernprozessen, welche durch eine LA21 eingeleitet werden, eine mindestens ebenso wichtige Rolle zu.

Die Umgestaltung einer Gesellschaft in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung stellt einen langfristigen Prozess dar. Dabei geht es einerseits um thematische Inhalte: Wie kann man die Energienutzung effizienter und nachhaltiger machen? Wie kann man die Müllberge veringern? Wie wird die Jugendarbeitslosigkeit gesenkt? Wie kann man ausländische Familien besser im Dorf integrieren? Usw. Eindeutige und allgemeingültige Antworten auf diese Fragen und Probleme gibt es hingegen nicht – wissenschaftliche Grundlagen existieren zwar bis zu einem gewissen Grad, aber zu einem großen Teil ist die Lösung dieser Fragen auch abhängig vom lokalen Kontext und den Normen, welche zu einem gewissen Zeitpunkt dort vorherschen. 

Zukunft selbst gestalten

So geht es bei der LA21 auch darum, dass sich die Bevölkerung in einem Prozess aktiv an der Gestaltung und nachhaltigen Entwicklung der Zukunft beteiligt. Dabei handelt es sich jedoch nicht nur um das Bestimmen der Inhalte. Es muss auch ein Weg gefunden werden miteinander zu kommunizieren, gegensätzliche und vielseitige Interessen zu erlauben und gegebenenfalls unter einen Hut zu bringen, sich auf gewisse Punkte wie z.B. auf ein Leitbild zu einigen. So genannte „Prozess-Aspekte“ – Kommunikation, Kooperation und Partizipation haben demnach eine große Bedeutung in einem LA21-Prozess. Dialog und Konsensfindung sind zentral.

Resultate müssen nicht immer messbar sein

So sind denn die Ergebnisse eines LA21-Prozesses nicht immer anhand von konkreten Resultaten greifbar, sondern sind in Form von Prozessen objektiv schwer messbar: Die Verbesserung des Klimas in der Gemeinde, eine größere Identifikation mit der Region, eine offenere Kommunikationskultur zwischen Bevölkerung und Behörden, usw. können Ergebnisse des LA21-Prozesses sein. Als Teil der informellen Bildung und Beitrag zur Demokratiebildung sind die Prozesse, welche durch LA21-Initiativen ausgelöst werden, ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft.

LA21 als kollektiver Lernprozess

Diese Formen des Miteinanders können jedoch nicht von einem Tag auf den anderen verwirklicht werden, sondern sie werden in einem langfristigen Lernprozess entwickelt. Dieser Lernprozess ist in sich selber auch ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung. Verschiedene Bevölkerungs- und Interessengruppen lernen eine gemeinsame Sprache zu finden und auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten. Generationenübergreifend, ressort-, regionenübergreifend – sind einige Stichworte, welche diese Lernprozesse charakterisieren.

Das Lernen im 'Kollektiv' - in einer Arbeitsgruppe, in einer Gemeinde, im Grätzl, in einer Schule - ist allerdings kein einfacher und logisch erfolgender Prozess. Organisationslernen ist komplex, weil viele verschiedene Interessen und Persönlichkeiten zusammen kommen, die in ihren Entscheidungen und ihrem Benehmen von einem bestimmten Umfeld abhängig sind. So muss bei allen Chancen, die ein LA21-Prozess einer Gemeinde oder einer Region bieten kann, auch berücksichtigt werden, dass nicht alles auf einen Schlag besser und nachhaltiger werden kann. Mehr zu diesem Aspekt lesen Sie im Artikel  Kommunale Nachhaltigkeit durch Organisationslernen. Ein Plädoyer für mehr Bescheidenheit (pdf, 746 kB). Sich diesen Schwierigkeiten von Anfang an bewusst zu sein kann helfen, gewissen Frustrationen und Entwicklungen in eine falsche Richtung vorzubeugen.

Evaluation als Hilfe im Lernprozess

Um den Lernprozess zu fördern, spielt auch die Evaluation des Agenda-Prozesses eine wichtige Rolle, insbesondere die Selbstevaluation. Dadurch wird nämlich oft erst bewusst, ob und was sich in der Gemeinde geändert hat, was wünschenswert ist, und wo man in Zukunft noch Anpassungen machen könnte.

Folgende Webseiten und Downloads stellen dazu eine Auswahl an Evaluationshilfen für LA21-Prozesse dar:  
 Leitfaden zur Selbstevalution (ÖIN) (pdf, 168 kB)
 Qualitätskriterien für Nachhaltigkeitsprozesse (ARE) (pdf, 371 kB)
 Qualitätsmanagement für nachhaltige Stadt- und Gemeindeentwicklung (Büro für Zukunftsfragen) (pdf, 146 kB)
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-06

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