Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Prozess der nachhaltigen Entwicklung

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Dauerhaftes Existieren der Erde und ihrer Ökosysteme sowie die Erfüllung aller menschlichen Grundbedürfnisse sind die Ziele von Nachhaltigkeit. Nachhaltige Entwicklung zeichnet den Weg dorthin.

Am Anfang stand ein forstwirtschaftlicher Gedanke

Ursprünglich stammt die Idee der nachhaltigen Entwicklung aus der Forstwirtschaft. Beispielhaft formulierte der Forstpionier Karl Albrecht Kasthofer im Jahr 1818, dass eine Nutzung des Waldes dann als nachhaltig bezeichnet werden könne, '…wenn nicht mehr jährlich darin Holz gefällt wird, als die Natur jährlich darin erzeugt, und auch nicht weniger.

Lange Zeit strahlte die Idee der nachhaltigen Entwicklung nicht über den engeren forstwirtschaftlichen Bereich hinaus, sondern verblasste in dem Ausmaß, als der Erfolg des neuzeitlichen Projekts des wirtschaftlichen Wachstums an Leuchtkraft zunahm.

Dennoch gab es auch Anfang des vergangenen Jahrhunderts WissenschaftlerInnen, die auf die Gefahren des wachsenden Verbrauchs von fossiler Energie hinwiesen. Wilhelm Ostwald, ein deutsch-baltischer Chemiker und Nobelpreisträger, formulierte bereits im Jahr 1912 den energetischen Imperativ mit den Worten: 'Vergeude keine Energie, verwerte sie.' Grundlage dieses energetischen Imperativs ist der zweite thermodynamische Hauptsatz, der besagt, dass bei jeder Umwandlung einer Energieform in eine andere Umwandlungsverluste entstehen. Dabei werden Wärme und Emissionen freigesetzt, die - so wie Hermann Scheer es formulierte – die Ordnung der Ökosphäre in Unordnung bringen und schließlich deren Wärmetod hervorufen. Hermann Scheer ist deutscher Politiker (SPD), Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler und gilt als Vorkämpfer einer europäischen Sonnenenergiewirtschaft. Er ergänzt in seinem Buch 'Sonnenstrategie – Politik ohne Alternative' (1993) den energetischen Imperativ für die heutige Zeit. Angepasst an die heutige Technologie und die Möglichkeiten der Sonnenenergie lautet der Satz: 'Nutze nur die Energiequellen, die keine zusätzliche Wärme, Emissionen und sonstige Rückstände erzeugen. Kurz: Nutze nur die solaren Energiequellen!

Angeregt durch den ersten Bericht des Club of Rome über die Grenzen des Wachstums (1972) erfuhr der Begriff der nachhaltigen Entwicklung eine Renaissance und wurde im ersten Prinzip der Stockholmer Deklaration folgendermaßen dokumentiert: 'Man has the fundamental right to freedom, equality and adequate conditions of life, in an environment of a quality that permits a life of dignity and well-being, and he bears a solemn responsibilty to protect and improve the environment for present and future generations'. (UN Doc. A/Conference 48/14 vom 3. Juli 1972)

Auf dem Weg zur Umsetzung

Doch die Umweltsituation verbesserte sich nicht grundsätzlich: Weder in den Entwicklungsländern des Südens, wo weiter zunehmende Armut und exponentiell steigende Bevölkerungszahlen zu immer schlechteren Entwicklungs- und Lebensbedingungen führten, noch in den Ländern des Nordens, wo die anfänglichen umweltpolitischen Erfolge zusehends durch Wachstumseffekte wieder in Frage gestellt wurden bzw. rückgängig gemacht wurden. Die globalen Umweltprobleme wurden insgesamt größer statt kleiner.

Vor diesem Hintergrund setzten die Vereinten Nationen 1983 eine 'Weltkommission für Umwelt und Entwicklung' (WCED) ein, deren Vorsitz die norwegische Ministerpräsidentin Brundtland übernahm. Aufgabe der Brundtland-Kommission war es, ein weltweites Programm des Wandels zu formulieren, das die Verantwortlichen und Regierungen der Welt zum politischen Handeln für eine gemeinsame Zukunft aufrufen sollte. Die Kommission legte 1987 ihren Abschlussbericht 'Unsere gemeinsame Zukunft' (Our common future) vor, worin die zunehmende Armut des Südens und das anhaltende, ressourcenintensive Wachstum im Norden als Ursachen der globalen Umweltzerstörung identifiziert wurden. Der Bericht prägte den Begriff der nachhaltigen Entwicklung mit dem Zitat: 'Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.

In der Folge setzte ein intensiver Prozess zur Konkretisierung der anstehenden umwelt- und entwicklungspolitischen Agenda ein, der in der zweiten, im Jahr 1992 ins brasilianische Rio de Janeiro einberufenen UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung (UNCED) kulminierte. Die VertreterInnen der Regierungen von 179 Staaten verabschiedeten in Rio fünf Dokumente, die als Grundlage für eine weltweite nachhaltige Entwicklung dienen sollten. Die Energieproblematik schlug sich in der Klimakonvention nieder, die den Schutz des globalen Klimasystems bezweckt und eine deutliche Reduktion der anthropogenen Treibhausgase verlangt. Als höchstes Gremium der Klimarahmenkonvention wird seit 1995 jährlich die Vertragsstaatenkonferenz (Conference of the Parties, COP) einberufen.

1995 fand die erste Vertragsstaatenkonferenz in Berlin statt (COP 1), 2005 die letzte in Montreal (COP 11). Die wohl berühmteste war die dritte Vertragsstaatenkonferenz (COP 3), welche 1997 in Kyoto stattfand. Als Ergebnis der Kyoto-Konferenz entstand erstmals ein Protokoll über völkerechtlich verbindliche Emissionsbegrenzungen und –reduktionen von treibhauswirksamen Gasen. Demnach müssen die Industrieländer ihre Emissionen von treibhauswirksamen Gasen bis zum Jahr 2010 im Schnitt um 5% gesenkt haben, bezogen auf die Werte von 1990. Die EU verpflichtete sich dabei zu einer Senkung um 8% bis zum Zeitraum 2008-2012. Die einzelnen EU-Staaten definierten sehr unterschiedliche Ziele; Österreich verpflichtete sich zu einer Reduktion von 13%. Das Kyoto-Protokoll trat am 16.02.2005 nach Ratifikation durch mindestens 55 Vertragsparteien in Kraft, die mindestens 55% der gesamten CO2-Emissionen der Industrieländer des Jahres 1990 ausstoßen.

Lesen Sie mehr zur Österreichischen Klimastrategie und weiteren internationalen klimabezogenen Projekten:

 Die Globale Ausgangssituation

 Die österreichische Klimastrategie

 Der Global Marshall Plan für die Erde

 Milleniumsziele

Quelle:

Kasthofer, Karl Albrecht
Bemerkungen über Wälder und Auen des Bernischen Hochgebirges.
In diesem Werk des Schweizers findet erstmals die Idee der nachhaltigen Entwicklung Niederschlag.
Eigenverlag
Fachliteratur

Minsch, Jürg et al.
Mut zum ökologischen Umbau - Innovationsstrategien für Unternehmen, Politik und Akteurnetze.
Die Autoren zeigen, wo die ökologische Innovationsoffensive in Unternehmen, regionalen Akteursnetzen und der Umweltpolitik heute steht und wie sie sich weiterentwickeln muss.
Eigenverlag
Fachliteratur

Oswald, Wilhelm
Der energetische Imperativ
Ostwald war Mitbegründer der Physikalischen Chemie. Er versuchte Materie als Form von Energie zu begreifen und schloss aus den drei Sätzen der Thermodynamik, dass es die Energie sei, die das ganze Universum bilde und dass mit jeder Entwertung der Arbeitsfähigkeit dieser Energie äußerst sorgsam umgegangen werden müsse.
Eigenverlag
Fachliteratur

Scheer, Hermann
Sonnenstrategie. Politik ohne Alternative.
Scheer setzt dem „Weltkrieg gegen die Natur“ (Ausbeutung der Ressourcen durch atomare und fossile Energien) eine politische „Sonnenstrategie“ entgegen. Er baut in seiner Strategie auf realistische Nutzungsmöglichkeiten auf.
Piper
Fachliteratur

Capra, Fritjof
Wendezeit - Bausteine für ein neues Weltbild
Hier werden Themen wie Wirtschafts-, Energie-, Rüstungs- und Umweltkrisen angesprochen. Gefordert wird ein generelles Umdenken der Menschheit.
Scherz
Fachliteratur

Minsch, Jürg
Nachhaltige Entwicklung I - Grundlagen nachhaltigen Wirtschaftens. Skriptum zur gleichnamigen Lehrveranstaltung an der Universität für Bodenkultur Wien.
Ein speziell auf handlungsorientierte Nachhaltigkeitsökonomie ausgerichtetes Skriptum. Es werden dabei 3 Ziele fokusiert: Im Kapitel des Zielwissens werden Geschichte und Stand der Nachhaltigkeitsdiskussion vermittelt (Inhalte, Akteure, Prozesse). Das Kapitel Systemwissen beschäftigt sich mit den Ursachen der Nichtnachhaltigkeit. Dabei wird auf die zentralen Regelmechanismen der Anthroposphäre eingegangen und Ansatzpunkte zur Überwindung der Nichtnachhaltigkeit werden aufgezeigt. Das letzte Kapitel widmet sich dem Gestaltungswissen. Darin werden Grundkonzepte der wichtigsten zukunftsorientierten Innovationsstrategien in Politik, Unternehmen und gesellschaftlichen Institutionen aufgezeigt.
Eigenverlag
Fachliteratur

 ACCC (Austrian Council on Climate Change)
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-11

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