Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Folgen des Versiegens der Erdölquellen

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Aufgrund der Komplexität ist die Problematik des Ölfördermaximums selbst von Fachleuten nur schwer zu durchschauen. Einig ist man sich darüber, dass sich der heutige Lebensstandard in den industrialisierten Ländern nur mit einem veringerten Energieverbrauch aufrechterhalten lassen wird.

Ökologische und soziale Folgen

Trotz seiner hohen Energiekonzentration bringt die Erdölproduktion auch viele ökologische und soziale Nachteile mit sich. Ein rechtzeitiger Ausstieg könnte weitere Umweltzerstörungen und soziale Konflikte vermeiden.

Kritikpunkte zur Ausbeutung und Verwendung des fossilen Kohlenstoffes:

  • Auf der Suche nach weiteren Erdölfeldern wird in immer sensiblere Gebiete vorgedrungen. Nicht nur die Umwelt leidet darunter, sondern oft liegen diese Ölquellen auf dem Land von indigenen Minderheiten.
  • Ein hohes Konfliktpotential entsteht durch das Ungleichgewicht zwischen Haupterdölverbraucher und deren eigene unzulänglichen Erdölressourcen. Aus diesem Grund werden andere Länder und Landstriche immer mehr Austragungsort von Interessenskonflikten bzw. extremer Umweltzerstörung.
  • Bei der Verbrennung fossiler Kohlenstoffe entsteht CO2. Dieses Gas trägt zum Treibhauseffekt und damit zum Klimawandel bei.
  • Transportwege des Erdöls weisen Schwachstellen auf. Öltanker transportieren jährlich knapp zwei Milliarden Tonnen Rohöl und Ölprodukte über die Weltmeere. Viele der Tanker verfügen nur über eine Außenhülle, die bei einem Unfall auseinanderbrechen kann und so Küstengebiete und Meere verschmutzen kann. Es wird von so genannter Ölpest gesprochen.
  • Transport des Öls in Pipelines ist risikoreich. Einerseits arbeiten Pipelines mit so hohem Druck, dass das Material an seine Grenzen gelangen kann, andererseits ist eine dauernde aktuelle Wartung auf Korosion und andere Mängel bei der Länge dieser Leitungen sehr schwer machbar. Äußerliche Einflüsse z.B. Erschütterungen (Bauarbeiten, etc.) im Boden bzw. Veränderung der Bodenstruktur (beispielsweise in Permafrostgebieten) können Ölaustritte verursachen.

Folgen für Wirtschaft und Finanzwesen

Eine abnehmende Förderate bewirkt zunächst, dass nur keine zusätzlichen AbnehmerInnen mehr bedient werden können. Verschärft sich die Situation jedoch und kommt es zu einem tatsächlichen Rückgang der weltweiten Förderung, dann sind auch bisherige MarktteilnehmerInnen von einem eingeschränkten Ölangebot betroffen. Dies bewirkt ein Ansteigen des Preises, das so lange dauert, bis wiederum genügend MarktteilnehmerInnen aussteigen. Die weitere Entwicklung hängt von der Regulierung der Nachfrage ab.

Bei steigendem Ölpreis werden zunächst finanziell gut ausgestattete Weltregionen den Hauptanteil der Weltölproduktion absorbieren. Dies führt zu einem Mangel an Öl in finanziell benachteiligten Staaten, wie etwa den Entwicklungsländern. Nimmt die Ölknappheit weiter zu, könnte es sein, dass Öl nicht mehr frei am Markt gehandelt wird, sondern dass die ölexportierenden Länder vornehmlich ihren Eigenbedarf decken oder Öl nur an bestimmte Länder verkaufen.

Die steigenden Ölpreise finden ihren Niederschlag in sehr vielen von Öl abhängigen Produkten und tragen damit zu einer allgemeinen Inflation bei. Die wirtschaftliche Nachfrage wird insgesamt zurückgehen, da die KonsumentenInnen gezwungen sind, mehr Geld für Energie und Ölprodukte auszugeben. Die mangelnde Nachfrage erzeugt eine lang anhaltende Rezession, falls nicht rechtzeitig Alternativen für den Rohstoff Erdöl gefunden werden.

Mehr über die Kräfte, die am Finanzmarkt den Erdölmarkt regulieren, finden Sie hier:  Erdöl - beliebtes Ziel für Spekulationen

Folgen für Transport und Verkehr

Der weltweite Transport beruht zu 97% auf Erdöl (Benzin, Diesel, Kerosin) oder Erdgas. Der Einsatz der erneuerbaren Energien bei Verkehr und Transport steckt noch in den Kinderschuhen. Weltweit werden daher Anstrengungen unternommen einerseits die Kapazität von Biodiesel und Bioethanol zu erweitern, sowie andererseits synthetische Treibstoffe (BtL-, GtL-, CtL-Kraftstoff) herzustellen bzw. Wasserstoff- und Stromspeichertechnologien zu entwickeln. Die Erzeugung ausreichender Mengen an Biotreibstoffen um die weltweite Automobilflotte aufrechtzuerhalten, wird künftig in Konkurenz mit Nahrungsmittelproduktion auf landwirtschaftlichen Flächen stehen. Die Abkehr von der Mineralölabhängigkeit wird sich voraussichtlich in einer Umgestaltung der Wirtschaftsweise sichtbar werden, beispielsweise hin zum regionalen Wirtschaften, das sich durch kurze Transportwege und einen höheren Grad an Selbstversorgung auszeichnet.

Folgen für Landwirtschaft und Nahrungsmittelversorgung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden synthetische Düngemittel zur Produktionssteigerung eingesetzt, deren Herstellung die Erträge drastisch erhöhte, aber große Mengen an Energie verbraucht. Ähnliches gilt für Pflanzenschutzmittel und Biozide, ohne deren Einsatz die landwirtschaftlichen Erträge kurzfristig erheblich gemindert würden. Auch die Systeme zur Lebensmittelaufbewahrung und –lagerung wie beispielsweise Kühlschränke sowohl in privaten Haushalten als auch in Geschäften, werden unter Einsatz von Erdöl hergestellt, verteilt und betrieben.

Die erste Hälfte des Erdölzeitalters – das Vor-Fördermaximum – war von Landflucht und Bauernsterben gekennzeichnet, hervorgerufen durch eine enorme Produktionssteigerung. Das Fördermaximum und mögliche Änderungen im preislichen Niveau und der Erhältlichkeit des Erdöls könnte daher durchaus als Wendepunkt in der Geschichte der industrialisierten Welt gesehen werden, verbunden mit einer Wiederbelebung der Landwirtschaft (Reagrarisierung) (für die Nutzung der Biomasse zur Energiegewinnung). Gleichzeitig bietet es die Chance weg von synthetischer Düngung und chemischem Pflanzenschutz hin zu einer naturnahen Landwirtschaft.

Quelle:

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Zuletzt aktualisiert: 2012-06-11

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