Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Bestimmung des weltweiten Ölfördermaximums

Eine Vorhersage des weltweiten Erdölfördermaximums ist schwierig, da gewisse Faktoren wie z.B. politische Embargos eine Rolle spielen können. Ebenso werden ungenaue bis falsche Angaben der Erdöl fördernden Länder bezüglich ihrer Ölquellen gemacht.

Das Problem eine genaue Prognose zu stellen

Die Übertragung des Modells der Hubertkurve (siehe  Ölförderung: Erdöl - kein Fass ohne Boden) auf die Weltölförderung ist äußerst problematisch, da die Förderung einzelner Ölquellen oft politisch beeinflusst wird wie beispielsweise das Ölembargo gegen den Irak oder die freiwillige Beschränkung der norwegischen Produktion. Hinzu kommt, dass Daten zur Erdölförderung vieler Länder, insbesondere der OPEC-Staaten, nicht öffentlich sind und teilweise sogar dem Staatengeheimnis unterliegen und manchmal sogar aus politischen Gründen absichtlich gefälscht wurden. Nach derzeitigem Informationsstand geht die Förderung der Nicht-OPEC-Staaten insgesamt zurück und man nimmt an, dass die Förderquote der OPEC-Staaten schon nahe an ihrem Maximum liegt und nur noch im Irak und an der westafrikanischen Küste gesteigert werden kann. Auch lässt sich das Fördermaximum erst im Rückblick datieren, wenn die Förderquoten analysiert werden.

Eine weitere große Unsicherheit stellt die Definition von konventionellem Öl dar. Manche Staaten nutzen diese Uneinigkeiten und geben unkonventionelle Reserven wie beispielsweise Teersande als konventionelles Rohöl aus. Dies führt zu einer Verfälschung der Datenlage und dementsprechend weit gestreut sind die Prognosen für den geschätzten Zeitpunkt des weltweiten Fördermaximums. Namhafte Institutionen wie die Internationale Energieagentur (IEA) oder die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe prognostizieren den Zeitpunkt des weltweiten Ölfördermaximums für das Jahr 2020. Andere Autoren gehen von einem früheren Zeitpunkt aus, etwa im Zeitraum 2003 bis 2007. Gewiss ist nur, dass sich das weltweite Ölfördermaximum erst einige Jahre nach seinem Auftreten bestimmen lässt.

Erste Überschreitungen des Ölfördermaximums

Seit Mitte 2004 zeigt die weltweite Ölförderquote eine ungewöhnliche Entwicklung, wie sie bislang noch nie beobachtet wurde. Seit Beginn der industriellen Erdölnutzung war die weltweite Erdölförderung von einem stetigen Wachstum gekennzeichnet. Ausnahmen waren die beiden Ölkrisen 1974/75 sowie 1979/1983. Beide Krisen waren politisch motiviert und hatten – im Gegensatz zum weltweiten Ölfördermaximum - keine geologischen Ursachen. Mit Ausnahme eines sehr kleinen Förderückgangs 1991 durch die Irakinvasion kam es erst 1998/1999 zu einem leichten Rückgang auf den zwischen 2000 und 2002 ein zweiter folgte. Beide Rückgänge sind auf Nachfragerückgänge nach der Asienkrise und der Wirtschaftskrise nach dem Platzen der Dotcom-Blase zurückzuführen und resultierten in einem extrem niedrigen Ölpreis. 2001/2002 dämpften die Teroranschläge vom 11. September 2001 die Nachfrage nach Flugbenzin.

Nach 2002 folgte ein starker Anstieg (bis 3,9%) bis Mitte 2004, der zum einen die sich schnell erholende Weltwirtschaft, aber auch den rasant ansteigenden Ölbedarf vor allem Chinas widerspiegelt. Vor allem letztere Tatsache, die den Zeitpunkt des Ölfördermaximums zeitlich näher rückt, wurde von vielen AnalystInnen übersehen. Ein Vergleich mit dem Ölpreis zeigt, dass selbst der starke Anstieg desselben die wachsende Kluft zwischen Angebot und Nachfrage nicht wettmachen konnte. Ab 2004 flacht die Kurve trotz anhaltend starkem Wirtschaftswachstum in China und Indien und damit einer großen Nachfrage nach Öl, ab. Nach Angaben der IEA betrug die anschließende Höchstfördermenge 85 Mio. Barel pro Tag, die seitdem nicht mehr erreicht wurde. Auch die gemittelte Kurve verzeichnet seit März 2006 leicht sinkende Fördermenge.

Die Vermutung, dass sich das weltweite Plateau der Ölförderung abzeichnet, wird durch einige Meldungen bekräftigt, wonach im Frühjahr 2006 einige sehr große Ölfelder das Fördermaximum überschritten hätten. Dies gilt beispielsweise für das Feld „Burgan“ in Kuwait, das zweitgrößte Ölfeld der Welt, für das Feld „Cantarell“ vor der Küste Mexikos, das Ölfeld mit der zweitgrößten täglichen Produktionsmenge und für sämtliche ältere Ölfelder der saudischen Firma Armaco, wozu auch „Ghawar“, das größte jemals entdeckte Ölfeld der Welt zählt. Saudi Arabien gilt überhaupt als Stütze der weltweiten Ölproduktion: mehr als 10% des weltweiten Erdöls kommen ausschließlich aus diesem Staat mit 49 bekannten Ölfeldern.

Fördermaximum außerhalb der OPEC und Russlands

Das Ölfördermaximum außerhalb der OPEC und der Sowjetunion wurde im Jahre 2000 überschritten. Laut einer Meldung im Oil Market Report, steigerten die Nicht-OPEC-Länder inklusive der Sowjetunion ihre Ölproduktion trotz des hohen Preises und der boomenden Weltwirtschaft von 2004 auf 2005 nicht mehr. Bei dieser Kombination ist nach Annahme vieler ExpertInnen das weltweite Ölfördermaximum für das Jahr 2010 zu erwarten, wobei vorausgesetzt wird, dass die OPEC bis dahin noch in der Lage ist, den wachsenden Weltbedarf und die sinkende Förderung der restlichen Welt gleichzeitig aufzufangen. Als direkte Folge davon wird der Anteil von OPEC-Öl auf dem Weltmarkt steigen, insbesondere aus Saudi Arabien, Irak und Iran. Die wachsende Abhängigkeit der Industrienationen von OPEC-Öl macht es möglich, dass diese durch Änderung ihrer Förderquote massiven Einfluss auf den Preis und damit politischen Druck ausüben könnte. Ziel der OPEC war es, den Preis durch Förderquoten zu regulieren. Nach dem weltweiten Fördermaximum ist diese Form der Regulierung allerdings nicht mehr notwendig, da jeder Produzent fördern kann so viel er will, ohne dass die Nachfrage nachlassen wird. Theoretisch ist die OPEC dadurch überflüssig, als preistreibende Kraft ist sie in den industrialisierten Ländern dennoch gefürchtet.

In den OECD-Ländern sinkt die Ölförderung um jährlich 5% - mit steigender Tendenz. Derzeit (2006) können noch 36% des Bedarfs aus eigenen Quellen gedeckt werden. Für die EU ist zu erwarten, dass ab 2015 92% des Bedarfs importiert werden müssen.

Quelle:

Braun, Herbert
Energiewirtschaft
Skriptum zur Lehrveranstaltung: "Energiewirtschaft" an der Universität für Bodenkultur, Wien
Das Skriptum gibt grundlegende Einblicke über Fakten und Zusammenhänge in der Energiewirtschaft. Weiters werden Methoden zur Beurteilung von Prozessen der Energiewirtschaft vorgestellt.
Eigenverlag
Fachliteratur

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Zuletzt aktualisiert: 2012-06-11

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