Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Einteilung der Wasserkraftwerke

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Die Einteilung der Wasserkraftwerke kann nach verschiedenen Kriterien erfolgen. Gängig sind die Einteilungen nach dem Nutzgefälle, der Auslastung und der Bauart.

Einteilung nach dem Nutzgefälle

Das Nutzgefälle bzw. die Fallhöhe bezeichnet den Höhenunterschied zwischen dem Wasserspiegel oberhalb der Turbine (Oberwasser) und dem Wasserspiegel unterhalb der Turbine (Unterwasser). Bei Niederdruckkraftwerken ist die Fallhöhe kleiner als 15 m und der Durchfluss ist groß. Sie werden vor allem zur Deckung der Grundlast verwendet. Mitteldruckkraftwerke haben eine Fallhöhe von 15 bis 50m und einen mittleren bis großen Durchfluss. Sie können sowohl zur Deckung der Grundlast als auch der Mittellast eingesetzt werden. Die Fallhöhe der Hochdruckkraftwerke liegt zwischen 50 und 2000m, der Durchfluss ist gering. Ihr typisches Einsatzgebiet ist die Deckung der Spitzenlast.~

Einteilung nach der Auslastung

Die Auslastung eines Kraftwerks bezeichnet das Verhältnis der erzeugten Strommenge zur Nennleistung. Sie liegt bei Grundlastkraftwerken bei über 50%, bei Mittellastkraftwerken zwischen 30 und 50% und bei Spitzenlastkraftwerken bei unter 30%.

Einteilung nach der Bauart

  • Laufkraftwerk: Bei einem Laufkraftwerk wird ein Fluss gestaut und mit dem abfließenden Wasser elektrischer Strom produziert.
  • Speicherkraftwerk: In einem Speicherkraftwerk wird Wasser über einen Zeitraum von mehreren Stunden bis zu mehreren Monaten gespeichert um daraus den Spitzenbedarf zu decken.
  • Pumpspeicherkraftwerk: Beim Pumpspeicherkraftwerk handelt es sich um eine spezielle Form des Speicherkraftwerks, bei dem mit überschüssigem Strom Wasser aus einer niedrigeren Lage in einen höher gelegenen Stausee gepumpt wird um damit später den Spitzenbedarf decken zu können.
  • Gezeitenkraftwerk: In Gezeitenkraftwerken wird die Energie aus dem ständigen Wechsel von Ebe und Flut genutzt.
  • Wellenkraftwerk: Im Unterschied zu Gezeitenkraftwerken nutzen Wellenkraftwerke nicht den Tidenhub, sondern die Energie aus den kontinuierlichen Meereswellen.
In Österreich wird eine große Zahl von Laufkraftwerken betrieben, von denen sich die bedeutendsten an der Donau befinden. Sie tragen zu etwa 70% zur österreichischen Stromerzeugung aus Wasserkraft bei. In den westlichen Alpenregionen dominieren die Speicherkraftwerke, die zur Abdeckung von Spitzenlasten und den Strombedarf in den Wintermonaten dienen. Das Speicherkraftwerk Kaprun am Rande des Nationalparks Hohe Tauern war der erste große Kraftwerksbau nach dem 2. Weltkrieg. Seine Fertigstellung wurde als Symbol für den Wiederaufbau und den Fortschritt gefeiert.

Neben den großen Wasserkraftwerken existiert in Österreich eine Vielzahl (etwa 2000) von kleinen und kleinsten Kraftwerken. Als Kleinwasserkraftwerke gelten Anlagen bis zu einer Leistung von 10 MW. Typisch für diese Anlage sind ihre dezentrale Lage und die oft direkte Kopplung an privaten und industriellen Energiebedarf. Nach Schätzungen des Österreichischen Vereins zur Förderung von Kleinkraftwerken beträgt in Österreich das Ausbaupotenzial der Kleinwasserkraftnutzung 40 bis 45%.

Quelle:

Braun, Herbert
Energiewirtschaft
Skriptum zur Lehrveranstaltung: "Energiewirtschaft" an der Universität für Bodenkultur, Wien
Das Skriptum gibt grundlegende Einblicke über Fakten und Zusammenhänge in der Energiewirtschaft. Weiters werden Methoden zur Beurteilung von Prozessen der Energiewirtschaft vorgestellt.
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Fachliteratur

 Österreichische Energieagentur
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-11

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