Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Verkehr - ein echtes Klimaschutzproblem auch in Österreich

Einer der größten Verursacher von Treibhausgasemissionen in Österreich ist der Verkehr. Er ist für fast ein Drittel der gesamten CO2-Emissionen verantwortlich. Politische Lösungen werden gefordert und einige Alternativen von privaten Initiativen können sich sehen lassen.

Die CO2-Emissionen des Verkehrs haben im Zeitraum von 1990 bis 2000 um 35% zugenommen. Dafür verantwortlich sind hauptsächlich der zunehmende Pkw-, Lkw- und Flugverkehr. Neben dem Gütertransport „leistet“ auch der Individualverkehr seinen Beitrag zu den verkehrsbedingten CO2-Emissionen. Fast die Hälfte der CO2-Emissionen verursacht dabei der Pkw-Verkehr (siehe Abbildung bei den Downloads).

So legt z.B. ein(e) ÖsterreicherIn pro Jahr durchschnittlich 13.000 Kilometer zurück. Davon werden 8.750 km mit dem Auto, 1.025 km mit der Bahn und 1.300 km mit dem Flugzeug zurückgelegt. Insgesamt verursacht damit eine Person in Österreich jährlich 1560 kg Kohlendioxid.

Laut einer aktuellen Studie des Verkehrsclubs Österreich werden in Österreich immer mehr Kilometer mit dem Auto zurückgelegt. Demnach ist man im Jahr 1980 47,8 Milliarden km mit dem Auto gefahren, 2002 waren es mehr als 70 Milliarden km.
 

Der Verkehr darf, was andere nicht dürfen

In der  österreichischen Klimastrategie wird dem Verkehr als einzigem Sektor erlaubt, seine Emissionen im Zeitraum von 1990 - 2010 zu erhöhen. Dadurch wird das österreichische Kyoto-Ziel von einer 13%igen Reduktion der Treibhausgase massiv gefährdet.

In der Verkehrspolitik Österreichs wird zudem insbesondere im Zusammenhang mit der EU-Osterweiterung fast ausschließlich auf den Straßenbau gesetzt. Dies zeigt sich auch darin, dass in den von der EU-Erweiterung betroffenen Grenzgebieten alle vier für Österreich wichtigsten Projekte der Transeuropäischen Netze (TEN) Straßenbauprojekte sind. Aus diesem Grund droht im Personenverkehr ein Anstieg der CO2-Emissionen bis zum Jahr 2010 um 45%.
 

Politische Lösungen sind gefragt

Der Generalverkehrsplan bestimmt die zukünftige Entwicklung der österreichischen Verkehrsinfrastruktur und erweist sich damit als wichtiges Lenkungsinstrument für einen klimaverträglichen Verkehr. Vom vorgesehenen Investitionsvolumen von ca. 45,1 Milliarden Euro sollen etwa zwei Drittel in den Ausbau der Schieneninfrastruktur fließen.

Der überwiegende Teil der Investitionen wird jedoch kurz- bzw. mittelfristig für die Straßeninfrastruktur eingesetzt. Erst danach soll der Großteil des Schienenausbaus verwirklicht werden, wobei die Finanzierung der Schiene noch als ungewiss zu betrachten ist. Daher ist in der neuen EU-Wegekostenrichtlinie eine Ermöglichung der Querfinanzierung der Schiene durch den Straßengüterverkehr dringend notwendig.

Auf Bundesebene lassen sich folgende Forderungen ableiten
  • Verkehrspolitik zu Gunsten klimaschonender Verkehrsarten: Projekte des Generalverkehrsplans sollen auf Klimaverträglichkeit überprüft werden. Daher sollten Straßenbauprojekte, die mehr Treibhausgasemissionen verursachen Nachrang gegenüber Schienenprojekten haben.
  • Sicherung der Investitionsmittel für den Schienenausbau.
  • Einführung einer von Stau- und Emissionsbelastung abhängigen Maut nach dem Verursacherprinzip.
  • Durch den Straßenausbau in den Ballungszentren wird der Pkw-Pendlerverkehr stark begünstigt. Solche Pendlerförderungen sollten abgebaut und Kilometergeld nach tatsächlichen Kosten sollten ausgezahlt werden.
  • Förderung von betrieblichem Mobilitätsmanagement, Erstellung von Mobilitätsmanagementplänen für öffentliche Gebäude.


Forderungen auf Länderebene:
  • In der Regionalplanung sollten Umwelt- und Klimaschutzziele in den Raumordnungskonzepten verankert werden.
  • Bahn und Bus sollten durch kundenorientierte Taktverkehre attraktiver gemacht werden.
  • Durch Bewusstseinsbildung sollten betriebliche Mobilitätsmanagementsysteme gefördert werden.

 
Forderungen auf Gemeindeebene:
  • Eine weitere Zersiedelung sollte vermieden werden.
  • Gemeinden sollten bei Aufbau und Abstimmung von regionalen Taktverkehren im öffentlichen Verkehr mitwirken.
  • Eine Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung sollte diskutiert werden.
  • Die Siedlungsplanung sollte zur Forcierung des Gehens und Radfahrens auf kurze Wege ausgerichtet sein.


Quellen
 Bahnfakten
 
 

Das Car-Sharing Modell – eine echte Alternative

Car-Sharing meint die Benutzung eines Autos von mehreren Personen, womit die Anzahl der Fahrten und somit die gefahrenen Kilometer reduziert werden. Im privaten, nicht kommerziellen Bereich wird dieses Modell häufig verwendet, indem beispielsweise mehrere MitarbeiterInnen einer Firma ein Fahrzeug nutzen, um zum Arbeitsplatz und zurück zu kommen.

Dieses Modell wird aber auch kommerziell in Form von Dienstleistungsbetrieben angeboten. Dies soll am Beispiel des Dachverbands „european car sharing (ecs)“ näher erläutert werden. Derzeit ist ecs in den Ländern Dänemark, Deutschland, Italien, Norwegen und der Schweiz vertreten und weist jährliche Wachstumsraten von 50-60% auf.
 

..... und so funktioniert Car-Sharing

Der Kunde lässt sich als Teilnehmer eintragen und erhält einen persönlich zugeteilten Schlüssel zu allen Stationstresoren und ein Handbuch mit der Übersicht über die verfügbaren Fahrzeuge und Stationen.

Zu allererst muss der Kunde jedoch buchen. Dies erfolgt über einen Anruf bei der rund um die Uhr erreichbaren telefonischen Buchungszentrale dieses Unternehmens. Somit kann der nächstgelegene Wagen spontan gebucht werden.

Der Kunde sucht das gebuchte Auto auf dem dafür reservierten Parkplatz auf und entnimmt aus dem Stationstresor den Autoschlüssel, anschließend kontrolliert er den Zustand des Wagens. Nach der Fahrt wird der Kilometerstand in eine Quittung eingetragen und der Wagen wieder an der Station abgestellt.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf der Car-Sharing Homepage  Car-Sharing
 
 

Der Verkehrsklub Österreich (VCÖ) setzt sich für die Umwelt ein

Der VCÖ hat sein Hauptbüro in Wien und bezeichnet sich als eine Common Profit Organisation, die von mehr als 14.000 Privatpersonen durch Spenden und Jahresbeiträge unterstützt wird. Der VCÖ wurde 1988 gegründet und setzt sich für eine sozial verträgliche sowie ökonomisch effiziente Mobilität ein. Primäres Anliegen des VCÖ ist die Forderung nach einer Verkehrspolitik, die allen Menschen unabhängig vom Alter, Einkommen und Gesundheit faire Mobilitätschancen ermöglicht und die Verkehrsbelastungen für Mensch und Umwelt veringert.

Der VCÖ fordert insbesondere Maßnahmen von der Verkehrspolitik, die den öffentlichen Verkehr verbessern, die Verkehrssicherheit besonders für Kinder und ältere Menschen erhöhen und den Lkw-Verkehr im Sinne von mehr Kostenwahrheit veringern. Das VCÖ-Forschungsinstitut erstellt die wissenschaftliche Basis für eine ökologisch verträgliche und ökonomisch effiziente Mobilität.

Zahlreiche Studien zum Themenberreich öffentlicher Verkehr, externe Effekte, volkswirtschaftliche Kosten der jeweiligen Verkehrsmittel sind auf der Homepage des  VCÖ abrufbar und lassen hinsichtlich des Nachhaltigkeitsaspekts Kritik an der österreichischen bzw. europäischen Verkehrspolitik laut werden.
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-10

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