Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Ökosteuer - die Akzeptanz der Bevölkerung ist gering

Lesen Sie hier einen Artikel aus der österreichischen Tageszeitung Der Standard.
 

Mehrheit gegen Ökosteuer

Alle sind für Umweltschutz – solange es nicht konkret wird

Der Standard, 15.3.2004

Alle sind für Umweltschutz – so lange es nicht konkret wird. Beinahe jeder zweite Österreicher meint, dass Österreich bereits genug gegen den Klimawandel unternimmt. Ökosteuern, die fossile Energie belasten und so den CO2-Ausstoß bremsen könnten, werden massiv abgelehnt.

Linz – 'Als wichtiges Instrument gegen den Klimawandel und Treibhauseffekt werden immer wieder Steuern auf Erdölprodukte, Gas und Kohle – also so genannte Ökosteuern – genannt. Dazu gibt es generell zwei Meinungen: Die einen sagen, solche Ökosteuern sollten eingeführt werden, um umweltschädigendes Verhalten quasi zu bestrafen. Die anderen sagen, dass solche Ökosteuern nicht eingeführt werden sollten, weil man in Österreich ohnehin schon genug Steuer zahlt. Welche dieser Meinungen trifft auf Sie eher zu?' – Diese Frage hat das Linzer market-Institut im Zuge einer umfangreichen Forschung zum Thema Umwelt und Energie im Februar 400 Befragten gestellt.

Das Ergebnis ist eindeutig: 66 Prozent sind gegen Ökosteuern, nur 30 Prozent dafür. Zwar nimmt die Akzeptanz von Steuern zugunsten der Umwelt mit dem Bildungsstand der Befragten tendenziell zu – eine klare Mehrheit dafür gibt es aber nur unter den Wählern der Grünen.

Nicht ganz so deutlich sind die Aussagen zum Klimaschutz – die übrigens vor Beginn der von der Österreichischen Hagelversicherung getragenen Klimaschutz-Kampagne erhoben wurden: 49 Prozent der Österreicher, mehrheitlich junge und weibliche Befragte, sind dafür, dass Österreich mehr tun sollte, um dem Klimawandel vorzubeugen.

Aber 47 Prozent widersprechen: Österreich tue bereits genug gegen Treibhauseffekt und Klimawandel und solle nicht zusätzlich in diesen Bereich investieren.

'Dabei ist den Österreichern durchaus bewusst, dass der Zustand der Umwelt keineswegs zufrieden stellend ist', sagt market-Chef Werner Beutelmeyer: 'Im Bewusstsein der Bürger ist aber offenbar nicht verankert, dass die wahrgenommene Belastung durch den Verkehr von ihnen selber in ihrem täglichen Handeln – und von ihrer politischen Haltung zu Maßnahmen wie Ökosteuern – beeinflussbar ist.'
 

Schlechtere Luft

Gerade die mit der Luftqualität zusammenhängenden Umweltbelastungen werden in den market-Umfragen dieses Winters von den Befragten als zunehmend wahrgenommen. Bei den Verkehrsabgasen geben 70 Prozent an, dass sich die Situation in den letzten Jahren negativ entwickelt habe – überwiegend Verbesserungen sehen die Österreicher dem gegenüber bei Mülltrennung (65 Prozent), Wasserqualität und Lebensmittelsicherheit.

Regierung und Sozialpartner – mit Ausnahme der Landwirtschaftskammern – werden von den Österreichern kaum als aktive Klimaschützer gesehen. Vertrauen in dieser Frage liegt vor allem beim Klimabündnis, das das Anliegen ja im Namen trägt.

Dadurch, dass das Klimabündnis mit lokalen Partnerschaften in vielen Gemeinden und in den Bundesländern verankert ist, genießen diese Institutionen ebenfalls ein höheres Vertrauen, was die Kompetenz in Sachen Klimaschutz betrifft.

Immerhin 53 Prozent der Österreicher sagen, ihre Gemeinde täte viel gegen den Klimawandel. Auch den Bundesländern wird hier mehr zugetraut als der Bundesregierung.

Das entspricht einem gängigen Muster, erklärt market-Chef Beutelmeyer: Nicht staatlichen Organisationen und der eigenen Gemeinde(vertretung) wird generell mehr Vertrauen als der Landes- oder gar der Bundesregierung entgegengebracht – was weniger mit der jeweiligen politischen Ausrichtung zu tun haben dürfte als mit dem Misstrauen gegen weit entfernte Hierarchieebenen, also gegen 'die da oben' in Land und Bund.

Mehr dazu lesen Sie hier:  Ökologisierung des Fiskalsystems: Die ökologische Steuerreform

Anmerkung: Beiträge in Tageszeitungen spiegeln immer eine aktuelle tagespolitische Diskussion wider. Der hier vorgestellte Artikel soll als Beispiel dafür dienen, dass tagespolitische Themen einen sehr guten Ausgangspunkt bieten, um im Unterricht fächerübergreifende Zusammenhänge herzustellen.
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-10

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