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Der nationale Allokationsplan - dürfen Unternehmen jetzt mehr Treibhausgase produzieren?

Allgemeine Informationen zum nationalen Zuteilungsplan für Österreich finden Sie hier:  Zum nationalen Zuteilungsplan für Österreich

 
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Kritik von Umweltorganisationen und Grünen

Nationaler Zuteilungsplan inakzeptabel - Unternehmen dürfen Treibhausgase sogar steigern

Der Standard online, 24.3.2004
Wien - Scharfe Kritik an dem von Umweltminister Josef Pröll (V) am Mittwoch vorgelegten Entwurf für einen Nationalen Zuteilungsplan (NAP) für den Emissionshandel kommt - nicht unerwartet - von Umweltorganisationen und den Grünen.

Global 2000 sieht Österreich 'vor einem Kyoto-Desaster' stehen. Der WWF sieht den NAP unter dem Motto 'Klimakiller statt Klimaschutz' und die Grünen bewerten den Zuteilungsplan sogar als 'Rückschritt beim Klimaschutz in Österreich'.
 

Mehr Verschmutzungsrechte statt weniger

Aus den angekündigten Emissionsreduktionen bei Industrie und Energiewirtschaft sind laut Global 2000 mehr als 10 Prozent zusätzliche Verschmutzungsrechte geworden.

Sowohl das Emissionshandels-Gesetz als auch die Verteilung der Verschmutzungsrechte zerstören einmal mehr die Hoffnungen auf echten Klimaschutz, heißt es in einer Aussendung.

Besonders ireführend sei der Umgang mit der Ausgangsbasis für die Berechnung der Höhe der Verschmutzungsrechte: Es werde 'mit Zahlen jongliert, um zu verstecken, dass der Industrie und Energiewirtschaft Mehremissionen zugestanden werden'.
 

'NAP entspricht nicht EU-Vorgaben'

Global 2000 erwartet, dass der NAP in dieser Form nicht den Vorgaben der EU entsprechen wird und fordert eine sofortige Reform des österreichischen Emissionshandels-Konzeptes.

Die heute präsentierte Zuteilung der CO2-Verschmutzungsrechte bedeutet, dass die CO2-Emissionen von Industrie und E-Wirtschaft um 12 Prozent steigen können, so der WWF in einer Aussendung.

Der NAP erlaubt für die erste Handelsperiode 2005 bis 2007 eine Gesamtmenge von 32,5 Mio. Tonnen Gratiszertifikaten - dies sei um 12 Prozent mehr als die betroffenen Unternehmen heute an CO2 emittieren. Die Betriebe, die dem Emissionshandel unterliegen, hätten in der Basisperiode für den Emissionshandel (1998 bis 2001) in Wirklichkeit 29 Mio. Tonnen CO2 emittiert.
 

WWF verärgert

'Der Umweltminister wagt es, eine Steigerung der CO2-Emissionen als Klimaschutz zu verkaufen', ärgert sich der WWF und spricht sich ebenfalls für eine sofortige Neuverhandlung des Allokationsplans und eine wirkliche Senkung der Treibhausgase in Österreich aus.

Für die Grünen bedeutet der NAP 'einen massiven Rückschritt beim Klimaschutz in Österreich'. Der Entwurf sei ein 'Freibrief für einen enormen Anstieg, der durch nichts zu rechtfertigen ist', so Grünen-Umweltsprecherin Eva Glawischnig.
 

22 Prozent über dem Kyoto-Ziel

Österreich liege derzeit 22 Prozent über dem Kyotoziel und zähle zu den EU-Schlusslichtern. 'Mit diesem katastrophalen Plan ist das Kyotoziel endgültig abzuschreiben', so Glawischnig.

Im Gegensatz zu Österreich wollten andere EU-Länder ihre CO2-Emissionen sehr wohl durch eine entsprechend restriktive Zuteilung von Zertifikaten reduzieren, so Glawischnig: In Deutschland sei eine Reduktion um 1 Prozent im Gespräch, in Irland soll um 2 Prozent, in Großbritannien sogar um 5,6 Prozent reduziert werden.

Als 'Frechheit' bezeichnet Glawischnig auch die nur fünftägige Frist, die der Öffentlichkeit zur Stellungnahme eingeräumt wird. Da der heute veröffentlichte NAP das Datum von vorgestern trage, reduziere sich die Frist auf drei Tage.


Amerkung: Beiträge in Tageszeitungen und ihren online-Portalen spiegeln immer eine aktuelle tagespolitische Diskussion wider. Der hier vorgestellte Artikel soll als Beispiel dafür dienen, dass tagespolitische Themen einen sehr guten Ausgangspunkt bieten, um im Unterricht fächerübergreifende Zusammenhänge herzustellen.
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-10

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