Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Eine Schule zum Wohlfühlen braucht auch ein effizientes Müllsystem

Eine 'Schule zum Wohlfühlen' wollte die Hauptschule Dellach im Drautal werden. Gelungen ist das den SchülerInnen und LehrerInnen mit der Schaffung einer Pausenoase, eines Schulgartens und eines effizienten Müllsystems. Unter dem Motto „Mülltrennen ist kinderleicht“ entwickelten sie ein effektives Abfalltrennsystem im gesamtem Schulhaus, das auf die Logistik der heimischen Abfallwirtschaftsverbände modellhaft abgestimmt ist und dem Prinzip der Nachhaltigkeit und der Kreislaufwirtschaft entspricht.

Jedes Projekt hat ein Ziel vor Augen

  • Ökologische und ökonomische Aspekte der Müllproblematik lokal, regional, europaweit und global erkennen
  • Kennen lernen der Abfallwirtschaftsstruktur in den Wohngemeinden, der Region und des Landes Kärnten sowie der gesetzlichen Regelungen gesetzlichen Regelungen
  • Analyse der Müllsituation und der Abfallbewirtschaftung an der Schule
  • Aufzeigen der Umsetzungsmöglichkeiten eines sinnvollen Müllmanagements und der Entsorgungsstruktur an der Schule (Logistik, Vermeidungsstrategien ...)

Zusammenfassung und Überblick

Für die Verwirklichung der drei Konzepte wurden Arbeitsgruppen gebildet, die sich über Projektleiter untereinander koordinierten. Das Projekt wurde von der Hauptschule Dellach im Drautal in Kooperation mit dem Abfallwirtschaftsverband Westkärnten, den Heimatgemeinden der SchülerInnen sowie den zuständigen Behörden durchgeführt. Wichtig war, dass die 263 SchülerInnen der Hauptschule soweit wie möglich in alle Phasen des Projektes eingebunden werden.

Um sowohl eine konstruktive Mitarbeit der SchülerInnen bei der Erstellung des Systems als auch eine möglichst hohe Akzeptanz desselben zu erreichen, wurde zuerst in speziell darauf abgestimmten Unterrichtseinheiten versucht, in den Kindern ein auch für sie wahrnehmbares Problembewusstsein zur Thematik zu erzeugen. Neben dem ökologischen Aspekt wurden vor allem die ökonomischen Aspekte des Themas unter dem Titel 'Abfallwirtschaft: Ökologie - Ökonomie' einbezogen. Informationsveranstaltungen wie 'Müll ist nicht nur ein Umweltthema! - der Abfallwirtschaftsverband stellt sich vor', 'Müll in der Natur - ein Aktionsfeld der Kärntner Bergwacht', 'Unser blauer Planet - das Raumschiff Erde - ein Abfallkübel?' sollten das Problembewusstsein schärfen.

In einem zweiten Schritt wurde während einer Projektwoche unter Einbeziehung des Umweltberaters des regionalen Abfallwirtschaftsverbandes der IST-Zustand der Müllsituation an der Schule erhoben. Darauf wurden Lösungsvorschläge für den SOLL-Zustand und damit eine entsprechende Mülltrennungslogistik erarbeitet.

Mülltrennung hat System

Zuerst wurden alle Papierkörbe aus den Klassenräumen entfernt. Danach wurde in jedem Gang der Schule jeweils eine Altstoffinsel installiert. Jede dieser 'Inseln' besteht aus Behältern für Altpapier, Biomüll, Altmetall, Verbund- und Kunststoffe, Altglas und Restmüll. Um den SchülerInnen die Orientierung zu erleichtern und um die Funktionalität und Akzeptanz des Systems insgesamt zu optimieren, wurden die einzelnen Behälter nach der gängigen Logistik des Abfallwirtschaftsverbandes gekennzeichnet. Damit sind die Altstoffinseln in der Schule identisch mit denen in den Heimatorten der Schüler.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen

Die Wichtigkeit der Sache und der Mitarbeit jedes einzelnen Mitglieds der Schulgemeinschaft kam besonders gut bei der Präsentation des Projektes am Europatag zum Ausdruck. Sie fand im Rahmen einer großen Schulfeier mit den Partnerschulen aus Lignano/Italien und Mayenne/Frankreich statt. Neben den gesamten SchülerInnen und LehrerInnen waren auch alle Eltern und VertreterInnen der Politik, Wirtschaft und Verwaltung geladen. Die Landespolitiker wurden aufgefordert, im Rahmen eines Spieles die 'Bekleidung' einer 'Müll-Modepuppe' - die die SchülerInnen zuvor selbst hergestellt hatten - sachgerecht in das Mülltrennsystem zu entsorgen. Einzelne SchülerInnen 'überwachten und kontrollierten' dabei sehr streng ihre Arbeit.

Durch diese Aktion sollte allen Beteiligten schlicht und einfach folgende Botschaft vermittelt werden: 'Mülltrennung ist kinderleicht - und sollte daher auch von den Erwachsenen vorbildlich praktiziert werden'.

Wie bei allen Neuerungen hat es eine gewisse Anlaufzeit gebraucht, bis man von einer effizienten Trennung der Altstoffe sprechen konnte. Ständige Rückmeldungen durch das Reinigungspersonal und regelmäßige Hinweise im Unterricht haben das System mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit für alle Beteiligten und damit auch zu einem Erfolg für die Schulgemeinschaft werden lassen. Die SchülerInnen der jeweils neuen ersten Klasse bekommen durch den Umweltberater eine umfassende 'Extra-Einführung'.

Einfach zum Nachdenken ....

Offen bleibt allerdings die Frage nach der Sinnhaftigkeit, wenn SchülerInnen sehen, wie zwiespältig im Alltag Wirtschaft und Gesellschaft mit dem Thema Müll und Müllvermeidung und damit mit der Einsparung von Ressourcen umgehen. Dabei wird eine enorme motivationshemmende Wirkung bei SchülerInnen wie auch bei LehrerInnen und eine beträchtliches 'Frust- bzw. Gleichgültigkeitspotential' sichtbar, welche die 'Umweltbewegten' an der Schule sehr belasten. Antworten auf die Frage 'Was können wir tun?' müssen gefunden werden, um weiterhin einen konstruktiven Umgang mit dem Thema Mülltrennung aufrecht zu erhalten!


Zuletzt aktualisiert: 2012-06-06

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