Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Mädchen – Fit for school!

Idee

Wohlfühlen in der Schule? Für die Mädchen der HS Neudörfl ist das kein Widerspruch. Mit Aktivitäten während und außerhalb der Schulstunden – -wie der „Ladies Night“ oder den „Jammerstunden“ – wurde das Zusammenleben in der Schule stressfreier gestaltet.

Umsetzung

Im Herbst des Schuljahres 2002/03 stellte die Werklehrerin der vierten Klassen (zugleich auch Klassenvorstand der 4b) in Gesprächen fest, dass sich die Schülerinnen grundsätzlich nicht wohl fühlten. Die Gründe hierfür reichten von Problemen mit LehrerInnen und MitschülerInnen bis hin zu Schwierigkeiten mit den Eltern. Die Werklehrerin und die Direktorin gingen daraufhin der Frage nach, wie den Mädchen von schulischer Seite geholfen werden könnte.
Zunächst wurde ein „Kick-off Meeting“ vereinbart, zu dem alle Mädchen eingeladen wurden. Die LehrerInnen betonten dabei ausdrücklich, dass das Vorhaben auf freiwilliger Basis ablaufen werde. Es sollte kein übliches Schulprojekt gestartet werden, an dem alle verpflichtend teilnehmen mussten. Bei der ersten Besprechung wurde den Schülerinnen das Angebot gemacht, sich sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unterrichts Bereiche zum Wohlfühlen zu schaffen, die ganz ihre aktuellen persönlichen Bedürfnisse erfüllen sollten.
Gemeinsam erhoben die Schülerinnen zunächst den „Ist-Zu-stand“ und hielten im Anschluss ihre Wünsche und Bedürfnisse mittels Brainstorming auf einem Plakat fest.
Im Turn- und Werkunterricht – wenn die beiden 4. Klassen gemeinsam Unterricht hatten – versuchten die SchülerInnen ihre Wünsche umzusetzen. Auch außerhalb der Unterrichtszeit arbeiteten sie daran weiter.
In den Werkstunden besprachen die Schülerinnen die jeweils nächsten Schritte und legten das Programm für die nachfolgenden Aktivitäten fest, die dann unkompliziert in den Schulalltag eingebaut, beziehungsweise im Anschluss an denselben durchgeführt wurden.
So entstanden gezielte Aktionen: Gesprächsrunden zu Sexualthemen (unter Einbeziehung der Schulärztin), „Jammerstunden“, die Burschen betreffen, gemeinsames Schlafen in der Schule („Ladies Night“), Nordic Walking-Nachmittage, gemeinsame Hallenbadbesuche u.v.m.
Die Gemeindezeitung berichtete über Teile des Projektes und die Schulleitung präsentierte das Vorhaben bei diversen Veranstaltungen der Öffentlichkeit.

Hintergrund

Erwachsenwerden stellt hohe Anforderungen an die Jugendlichen. FreundInnen werden immer wichtiger, erste sexuelle Erfahrungen werden gemacht. Manche experimentieren in dieser Entwicklungsperiode mit Alkohol, Nikotin und illegalen Drogen. In dieser Zeit der Veränderung können LehrerInnen wichtige Ansprechpersonen sein und SchülerInnen dabei unterstützen, für sich Freiräume zu schaffen. Damit sich SchülerInnen bei persönlichen Angelegenheiten an LehrerInnen wenden, braucht es allerdings viel Empathie und Vertrauen. Wichtig ist es, ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der SchülerInnen zu haben und es zu wagen – wie z.B. mit obigem Projekt – auf diese Signale zu reagieren.
Da die Jugendlichen häufig mit ihren Fragen in der Gleichaltrigengruppe bleiben, kann hier von schulischer Seite ein geeigneter Raum bzw. Rahmen angeboten werden. Damit Kinder und Jugendliche bei Gleichaltrigen kompetente Unterstützung finden können, hat sich die Idee der Peer-Beratung entwickelt. Peer-BeraterInnen sind Personen, die Mitverantwortung für andere übernehmen, mit ihnen über ihre Gedanken und Gefühle sprechen, ihnen Informationen geben und gegebenenfalls Kontakte zu professionellen Beratungsstellen herstellen.


Zuletzt aktualisiert: 2012-06-06

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