Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

„KONFLIKTE“ – UMGANG, BEWÄLTIGUNG, STREITKULTUR

Idee

Was geschieht in unserer Schule, in unserer Klasse, wenn Probleme auftreten und es Konflikte gibt? Was können wir tun, wenn sich MitschülerInnen auffällig verhalten? Diesen Fragen ging die Klasse 2b der HS Mattersburg nach und lernte dabei, sich die eigenen Konflikterfahrungen bewusst zu machen und so zu einer besseren Streitkultur an der Schule beizutragen.

Umsetzung

Die SchülerInnen nahmen sich zunächst vier Wochen Zeit, um Materialien zu suchen und Ideen für ein Projekt zu entwickeln. Der Lehrkörper unterstützte die SchülerInnen mit Fachbüchern, Internetadressen, Klassenlektüre sowie Materialien (Papier, Stifte, CD-Roms usw.).
Im Anschluss an die Recherche stellten die SchülerInnen ihre Ergebnisse der Klasse vor und stimmten darüber ab, welche Themen nun wirklich umgesetzt werden sollten. Schlussendlich wurden die gewählten Schwerpunkte in insgesamt sechs Gegenständen (Mathematik, Deutsch, Englisch, Religion, Musik und Zeichnen) bearbeitet.
Im Fach Mathematik werteten die SchülerInnen einen zuvor anonym beantworteten Fragebogen zum Mädchen-Buben-Ver-hältnis in der Klasse aus. Sie zeigten die Ergebnisse grafisch anschaulich auf und diskutierten sie anschließend im Plenum. Im Gegenstand Deutsch wurde das Thema Gewalt aufgegriffen. Die Kinder bildeten Sprechchöre zum Thema, gestalteten Plakate und stellten Auseinandersetzungen pantomimisch dar. Im Fach Religion wurde das Plakat mit dem Titel „Die Sprache meiner Hände in unserer Klasse – was hat er, was hat sie Gutes getan“ geschaffen. Im Rollenspiel „Konflikt zwischen Mutter und Tochter“ machten die SchülerInnen Szenen aus ihrem Alltag sichtbar.
Um den Abschluss des Projekts vorzubereiten, wurde sogar der reguläre Stundenplan vorübergehend aufgelöst. Für die Abschlussveranstaltung entwarf die Klasse eigens Einladungen. Die Gästeliste bei der Schlusspräsentation des Projekts konnte sich sehen lassen. Nicht nur Eltern, FreundInnen und LehrerInnen, sondern auch VertreterInnen von Printmedien und der Gemeinde nahmen daran teil. In den Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) erschien ein Artikel über das Projekt.
Das Projekt wurde vom Österreichischen Kulturservice (ÖKS) gefördert und von einer Kunsttherapeutin begleitet.

Hintergrund

Konflikte gehören zum Schulalltag, sie beinhalten sowohl die Chance auf Veränderung als auch das Risiko der Eskalation. Meist werden sie jedoch negativ erlebt und möglichst schnell durch ein „Machtwort“ eines Erwachsenen beendet. Konflikte werden dadurch aber nicht gelöst, sondern eher verdrängt und dadurch meist noch verschlimmert. Bei dieser Art der „Konfliktlösung“ haben Kinder kaum Gelegenheit zu lernen, wie sie sich konstruktiv an einer Konfliktlösung beteiligen können.
Sich mit dem Thema Konflikte/Konfliktbewältigung auseinanderzusetzen, sich selber und die eigene Wirkung auf andere besser kennen zu lernen und sich Verhaltensmuster bewusst zu machen, öffnet den Weg für einen respektvolleren Umgang miteinander. In Diskussionen, Rollenspielen oder beim Analysieren von eigenen Erfahrungen können die SchülerInnen eine neue Form der Streitkultur erlernen.


Zuletzt aktualisiert: 2012-06-06

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