Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Revitalisierung der Großen Tulln

Das Projektbeispiel „Große Tulln“ zeigt in eindrucksvoller Weise wie eine frühe partizipative Einbindung von Schulen zu mehr Identifikation und Akzeptanz führen kann – ein wichtiger Schritt um natürlichen Gewässernstrukturen nachhaltig eine Chance zu geben.

Einladung zur Mitarbeit
Im Jahr 1999 beschloss die Abteilung Wasserwirtschaft entlang der Großen Tulln (etwa 30 Fluss-Kilometer) ein so genanntes „Gewässerökologisches Leitbild“ zu erstellen. Ziel war die Rückführung von Flussstrecken in einen möglichst naturnahen Zustand. Die Verbesserung der ökologischen Funktionsfähigkeit des Gewässersystems stand dabei im Vordergrund, aber auch der Schutz des Menschen vor dem Wasser.

Um das Projekt schon von Beginn an in der Region einzubinden und Verständnis und Akzeptanz der Bevölkerung zu fördern, wurde das BR/BRG Tulln zur Mitarbeit an der Erstellung eines gesamt-ökologischen Maßnahmenkatalogs zur Revitalisierung der Großen Tulln eingeladen. Die SchülerInnen hatten damit Zugang zur Abteilung Wasserwirtschaft des Landes NÖ sowie zu allen wichtigen Daten wie Luftbilder und Landkarten. Finanziert wurde das Projekt vom Land NÖ.

Es gelang somit, die SchülerInnen so früh wie möglich in die Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen und ihnen nicht bloß einen von Fachleuten ausgearbeiteten Plan, wie es mit „ihrer“ Großen Tulln nun weitergehen soll, vorzusetzen.

Projektstruktur

Das Projekt umfasste mehrere Ebenen:
  • Landschaftsökologische Ebene: Sammlung vorhandener Daten, eigenständige Erfassung von Daten, naturäumliche Gliederung, ökologisches Potenzial.
  • Historische Ebene: Zeitgeschichtliche Dokumentation des Flusslaufes, Hochwassersituation, Umland und Einfluss der Gr. Tulln, Ortsbild, alte Bilder und Ortsbezeichnungen.
  • Soziologische Ebene: kulturelle Aspekte, die Menschen an der großen Tulln, Zeitungsartikel, Chroniken, Interviews mit Zeitzeugen.

Das Leben der Menschen am Fluss und die traditionelle Landnutzung waren ebenso Thema wie die eher „klassischen“ Themen (z.B. Fische und Fischer). Wobei das „Elektrofischen“ zweifelsohne eine besondere Attraktion für die SchülerInnen war. Neue Arbeitsformen, Untersuchungsmethoden, aber auch neue Aufgaben wie Interviews mit Zeitzeugen, die Auswertung der video- und Audio-Mitschnitte, Interpretationen und Präsentationen der Ergebnisse bis hin zum Problem „glitschige Fische halten und messen“ zu müssen, waren zu bewältigen.

Das Engagement kann sich sehen lassen

Das Projekt stieß bei allen Beteiligten inklusive Bevölkerung auf großes Echo. „Vielleicht können wir später einmal im Fluss baden, so wie es uns die Großeltern aus ihrer Jugend erzählen“ waren begeisterte Ausrufe der SchülerInnen. Die im Schulprojekt erarbeiteten Ergebnisse wurden auch zum Teil in das „Gewässerökologische Leitbild – Große Tulln“ übernommen.


Zuletzt aktualisiert: 2012-06-06

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